Donnerstag, 18. Januar 2018

03. Januar 2018 09:00 Uhr

Winterbach

Ein neues Zuhause für Papa Schlumpf

Janos Hoenning kehrt seinem Leben in München den Rücken und fängt in Winterbach nochmals von vorne an. Dazu hat er ein altes Bauernhaus renoviert.

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Im März hat Papa Schlumpf sein neues Zuhause in Winterbach bezogen. Ein Haus, das auf einer Immobilienplattform als Abrisshaus angeboten wurde. Genau das, was der sechsfache Familienvater Janos Hoenning gesucht hatte: Ein altes Bauernhaus, das er sanieren könnte. Dafür hat er Vieles in seiner alten Heimat München zurückgelassen. Der Name Papa Schlumpf ist geblieben: auf einem Schild über dem Eingang zur Werkstatt neben dem Haus, der Papa Schlumpf-Werkstätte. Der Name stammt aus der Zeit, als der 50-Jährige mit Frau und Kindern in einem blauen Haus im Münchner Stadtteil Obermenzing wohnte. Diese Zeit ist vorbei. Es sei nicht mehr gegangen, sagt er. Er trennte sich von seiner Frau. Jetzt saniert er ein Haus. Wie kommt man auf so eine Idee? Wo fängt man an, was ist zu tun?

Für Hoenning ist es mehr als nur die Sanierung eines Hauses, das sechs Jahre lang leer stand. Es ist ein Neuanfang. Der Versuch, einfach weiterzumachen. Eine Geschichte darüber, dass man sein Leben auch mit 50 nochmals umkrempeln kann.

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Janos Hoenning öffnet die Haustüre und tritt in die helle Diele. Als Erstes habe er den Holzboden komplett rausgerissen. Dann habe er betoniert und Fliesen in Holzoptik verlegt, erzählt er. Links führt eine schmale, neu verkleidete Holztreppe hinauf zu zwei Kinderzimmern. Eines rosa, eines blau. Sein 13-jähriger Sohn ist mit eingezogen. Die Jüngste, zehn Jahre alt, besuche ihn regelmäßig, sagt Hoenning. Die anderen Kinder sind 22, 20, 18 und 16. Fast jeden Freitag fahre er nach München, um die Kinder zu holen. „Sie fetzen hier auf circa 4000 Quadratmetern durch die Gegend und fahren Rennen auf Rasenmähertraktoren.“

Die Elektronik und die Fußbodenheizung hat er selbst eingebaut

Der Garten und die Scheune sind riesig, umso kleiner ist das Wohnhaus. Unter der Holztreppe führt eine Türe ins Schlafzimmer. Vier weiße Wände, ein großes Bett. „Ich brauche ja nicht viel“, sagt Hoenning. Das Bett habe er im Oktober aus Zirbenholz gezimmert, das Material stamme aus Bad Tölz. Schräg gegenüber liegt die Küche. Auch hier dominiert Holz. Nur die Decke habe er so gelassen, sagt Hoenning und zeigt nach oben. Sie ist grau, uneben, rissig. „Ich mag das so, etwas verraucht.“ Er setzt sich an den Holztisch, in seinem Rücken auf der Sitzbank liegen drei Mehrfachsteckdosen. Jetzt, wo es kalt wurde, hat er sich an die Elektronik gemacht. Der Nachbar hat bei den Anschlüssen geholfen. „Jetzt muss es noch vom Elektromeister abgenommen werden.“ Auch eine Fußbodenheizung hat er eingebaut.

Er nimmt eine der Mehrfachsteckdosen in die Hände, dreht sie hin und her und grinst. „Ich muss halt die Heizung ausmachen, wenn ich Kaffee machen will und so weiter“, sagt er. Aber er habe jetzt alles soweit, dass er leben könne. Hoenning lächelt. „Die hatten hier früher nicht mal ein Klo. Das jetzige Klo war früher die Speisekammer“, erzählt er. „Aber die haben auch gelebt.“

Er habe das alte Haus nicht abreißen wollen. Er kenne das von früher, da sei alles erhalten worden. „115000 Euro hat das Ganze gekostet. Mit Grundstück und Solaranlage“, sagt er. Das Haus in München haben sie verkauft, von dem Geld lebt er jetzt. Und von der Solaranlage, die monatlich etwas Geld bringe.

Hoenning ist begeistert von der Nachbarschaft

Janos Hoenning ist in Berg am Starnberger See aufgewachsen und gelernter Landwirt. Als Lehrling hat er auf einem Gutshof mitgeholfen, „da habe ich gelernt, dass alles kein Hexenwerk ist“. Danach war er in verschiedenen Branchen tätig, bis er bei der Hausmeisterei landete. Hecken schneiden und Rasen mähen waren zum Beispiel seine Aufgaben. Diese Arbeit will er in Winterbach wieder aufnehmen, sobald etwas Ruhe eingekehrt ist. Er habe schon erste Anfragen von Nachbarn. „Die Leute haben gesehen, was ich hier mache und haben gefragt: ,Machen Sie das auch bei mir?‘“ Im Sommer hat er zum Beispiel eine Terrasse mit Grill und Überdachung gebaut. Auch Fensterläden brachte er an. „Die sind aber Fake“, sagt er und lacht, als er über die weiß-blau gestreiften Holzbretter spricht, die er links und rechts neben den Fenstern an die Wand geschlagen hat.

Und die Nachbarn? Hoenning reißt begeistert die Arme in die Luft. „Es ist der Hammer, der Wahnsinn. Ich bin fast explodiert, wie nett die Leute sind.“ Zwei Schwestern seien vorbeigekommen, hätten Essen gebracht und sich vorgestellt. Einmal habe er den Ofen angeheizt, es habe geraucht und der Nachbar habe gleich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Das gäbe es in München nicht. Hier sei es wunderbar, ganz liebe Leute. „Sie grüßen sogar, obwohl sie mich nicht kennen“, sagt er.

Mehr als zwei Jahre hat er im Wohnmobil gelebt

Sein Blick wandert zur Küchenzeile. „Ein Wasserkocher ist schon auch Luxus“, murmelt er. Und immer wieder sagt er: „Ich brauche nichts Schniekes, und nicht viel.“ Er nimmt ein Tablet zur Hand, wendet es in seinen Händen und legt es wieder weg. „Meine Mutter hat mir das Ding hier gegeben, das...“ Hoenning überlegt kurz. „Tablet.“

Luxus? Kennt er nicht. Schließlich hat er während der Sanierung bis zum Sommer in einem Wohnmobil vor dem Haus gelebt. Und nicht nur das: Nach der Trennung von seiner Frau wohnte er mehr als zwei Jahre im Wohnmobil im Garten einer Freundin. „Ich hatte furchtbares Glück mit meiner Bekannten und ihrem großen Garten“, sagt Hoenning. Von Äpfeln, Pflaumen und Nüssen habe er gelebt. „Das war eine schöne Zeit muss ich im Nachhinein ganz ehrlich sagen.“ Hoenning nickt und seine Locken wippen leicht mit.

„Wie schnell man abstürzt, das geht ruckzuck.“ Doch jetzt habe er wieder einen Plan. Er möchte das Haus fertigstellen und ein neues Familienzuhause aufbauen. „Ich will wieder Tiere haben und ich will, dass die Kinder sich wohl fühlen.“ Wie im alten Haus, das immer Anlaufstelle für alle Kinder der Nachbarschaft gewesen sei. Wie im blauen Haus von Papa Schlumpf.

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Ein Artikel von
Stephanie Lorenz

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin


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