Freitag, 18. August 2017

04. Oktober 2016 06:00 Uhr

Vöhringen

Abenteuer-Tour durch Indonesien

Die Band „Sick of Society“ aus Vöhringen ist von ihrer Auslandstournee zurück. Was die Punkrocker dort erlebten und warum ein Konzertabend auf dem Polizeirevier endete: Von Emily Klassen

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Die Band „Sick of Society“ aus Vöhringen spielte auf ihrer Indonesientour unter anderem in Jakarta, Denpasar, Surabaya und Malang. Alexander Jassner, Oliver Kast und „Böhrni“ (von links) rockten das Publikum bei Temperaturen um 40 Grad.
Foto: Oliver Kast

Anders als gedacht, aber ein Abenteuer – wie erwartet. Die Punkrockband aus Vöhringen „Sick of Society“ (SOS), um Schlagzeuger Oliver Kast, Gitarrist Alexander Jassner und Bassist „Böhrni“, ist von ihrer ersten interkontinentalen Tour zurück (wir berichteten). Zweieinhalb Wochen sind sie mit einem Kleintransporter und ihrem einheimischen „Road-Manager“ und Dolmetscher Tyan durch den Dschungel Indonesiens gereist. Auf teils nicht asphaltierten und mit Schlaglöchern übersäten Straßen, die einen für das Sitzfleisch unangenehmen Feldwegcharakter hatten, sagt Kast.

„Tyan ist mit 60 Kilometern pro Stunde über diese Straßen gedonnert. In Java war das für die Straßenverhältnisse viel zu schnell“, erzählt der Drummer. Überhaupt seien die Strecken von einem Konzertort zum anderen immer ein Erlebnis für sich gewesen. „Auf zweispurigen Straßen sind neben uns noch ein Laster, neben dem ein schnelleres Auto und ganz links ein Motorrad halb auf dem Fußweg gefahren. Das ist dort ganz normal“, sagt Kast. „Die Einheimischen fahren mit einer wahnsinnigen Ruhe auf den Straßen“, meint er und gibt ein Beispiel: „Um zwei Uhr nachts hatten wir mal eine Reifenpanne und standen mitten auf der Straße. Tyan und sein Kollege haben den Reifen ganz entspannt ausgewechselt.“

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Außer fast täglich wechselnder Unterkunft und exotischem Essen, seien auch die katastrophalen hygienischen Zustände in Java prägend gewesen. So sei es für die Vöhringer Band ein Kulturschock gewesen, als sie an einem braunen, stinkenden Fluss vorbei fuhren, in dem Frauen Wäsche und Geschirr wuschen.

Sind sie nach diesen Fahrten dann heil in der nächsten Stadt angekommen, ging es entweder in die vorübergehende Unterkunft oder gleich auf die Bühne. Die oft zimmergroßen Konzertorte waren dabei nur Nebensache. Genauso wie die sengende Hitze, die mit 40 Grad die stickige Luft anheizte. Oder der Fliesenboden, der das ausgeliehene Schlagzeug und das Equipment zum Rutschen brachte. Für das feierwütige Publikum und die von der Atmosphäre begeisterten Punkrocker spielte das eine untergeordnete Rolle.

Im Zentrum stand die Musik. Egal welche, egal wie laut, egal auf welcher Sprache. „Die Indonesier haben alles abgefeiert“, erinnert sich Kast. „Die Szene ist so bunt gemischt, von Electro bis Punkrock war alles dabei“, sagt er.

Doch nicht auf jedem angekündigten Konzert durfte SOS auftreten. Weltweit gilt Punkrock in Indonesien zwar als eine der beliebtesten Musikrichtungen. Deren Anhänger werden jedoch von der muslimisch ausgerichteten Justiz oft verfolgt. Auch Kast und seine Bandkollegen blieben davor nicht verschont.

In der Stadt Surabaya, in der die Band ihr vorletztes Konzert spielen wollte, endete der Abend auf dem Polizeirevier. Vor dem Club, in dem SOS auftreten sollte, wurden die drei deutschen Musiker und ihr mitgereister Kumpel von Polizisten abgefangen sowie ihre Reisepässe und Personalausweise abgenommen. „Wir haben uns sehr auf Surabaya gefreut. Aber innerhalb einer Viertelstunde war das Konzert für uns gelaufen“, erzählt Kast. Er meint, dass das ganze Prozedere, bis sie ihre Dokumente wieder hatten, undurchsichtig war. Der Schlagzeuger vermutet, es sei eventuell um Geld gegangen. „Die Indonesier sind sehr freundlich. Da hilft jeder jedem. Aber sie sind eben auch manchmal Schlitzohren“, sagt Kast.

Ihren letzten Konzertauftritt in Indonesien hatten die Punkrocker in Denpasar, der Hauptstadt von Bali. Dort habe auch ein Fan aus Java sie wiedererkannt und wollte ein Foto mit ihnen schießen, erzählt Kast und ergänzt: „Der Fan hat gemeint, wir sehen aus wie Rockstars, aber irgendwie war das unangenehm.“ Im Anschluss folgten ein paar Tage Urlaub auf der Insel, bevor es am 25. September zurück in den gewöhnlichen Alltag nach Deutschland ging.

Ob SOS eine Tour wie diese noch einmal unternehmen würde? Kast überlegt: „Klar. Es war zwar hart, aber das war es wert.“

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