Montag, 22. Januar 2018

14. Januar 2018 09:00 Uhr

Bellenberg

Freie Fahrt für Lehmtransporte auf Feldwegen

Der Gemeinderat hat die Ersatzstrecke zum Bellenberger Ziegelwerk befürwortet. Derzeit beantragt die Firma Wiest die Genehmigung zur Ablagerung weiteren Rohstoffs – dann soll gebaut werden. Von Regina Langhans

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Vom Rastplatz „Reudelberger Forst West“ an der A7 sollen die Transporte zum Ziegelwerk nach Bellenberg geführt werden.
Foto: Regina Langhans

Auf dem einen oder anderen Weg würde der Lehm in die Ziegelei kommen – das ist den Gemeinderäten nach der Diskussion in der jüngsten Sitzung klar geworden. So entschieden sie sich für das, ihrer Auffassung nach „kleinere Übel“, wie es der Zweite Bürgermeister Kurt Bucher nannte. Sie stimmten dem Ausbau bestehender Feldwege – bis auf Gemeinderat Siegfried Baum – zu. Etwa 30 Zuhörer hatten die Sitzung mitverfolgt.

Bürgermeisterin Simone Vogt-Keller kommentierte die schwierige Lösungsfindung folgendermaßen: „Als Gemeinderat wollen wir in erster Linie unsere Bürger entlasten, gleichzeitig sind wir allen Gruppen im Ort verpflichtet, auch unserer Wirtschaft.“

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Wie berichtet, sollen sich die Lehmtransporte zur Ziegelei Bellenberg in den nächsten drei Jahren noch vermehren. Der Schwerlastverkehr in den Orten Tiefenbach, Emershofen und Bellenberg könnte deshalb weiter zunehmen. Nun machten die Gemeinderäte den Weg für eine Ersatzstrecke frei: Lehmtransporter können künftig die Abfahrt vom Autobahnparkplatz „Reudelberger Forst West“ über bestehende gemeindliche Feldwege zur Ziegelei nutzen. Angesichts des zu erwartenden höheren Schwerlastverkehrs auf den regulären Straßen hatte die Autobahndirektion Kempten den Parkplatz dazu freigegeben. Für den Autobahnverkehr wäre der Rastplatz für die Dauer der Transportfahrten dann gesperrt.

Da sich bei dem Vorhaben Eingriffe in die Natur nicht vermeiden lassen, legten der Bund für Vogelschutz und die Familie Schewetzky des in der Nähe befindlichen Reiterhofs Beschwerde ein. Damit war Diskussionsstoff geboten, denn auch Ziegelwerk-Geschäftsführer Markus Wiest und Anton Grehl der Firma SGWM Umwelt waren in die Sitzung gekommen, um Beweggründe der Firma darzulegen. Aber auch, um einen fast fertigen Plan für den Ausbau zu präsentieren, dessen Kosten sie trägt.

Als erstes informierte Wiest über die neueste Entwicklung für seine Firma, die Aussicht hat, in den nächsten drei Jahren durch den Bau des Albvorlandtunnels noch weitaus mehr Rohstoffe zu beziehen. Die Transporte von der Baustelle Stuttgart 21 würden im Sommer enden. Wiest informierte, dass er bereits damals wegen einer Behelfsausfahrt am Reudelberg angefragt hatte. Erst seine zweite Anfrage habe nun Erfolg.

Wie Wiest sagte, sei die hochwertige Tonerde aus der Baustelle Stuttgart 21 anfangs „in irgendwelche Gäben“ verfüllt worden. Ihre Verwertung in der Ziegelei könne nun mithelfen, deren Bestand zu sichern: „Um Ziegel nach modernsten Erkenntnissen herzustellen, reicht die eigene Tonerde nicht mehr aus, wir haben schon früher dazugekauft.“ Musste Wiest bislang eigene, zu wenig gehaltvolle Erde wegschütten, könne er sie nun mischen, was die eigenen Ressourcen schone. Von der, etwa drei Jahre währenden Rohstoffzufuhr könne sein Ziegelwerk zehn Jahre profitieren.

Bei einer ersten, nichtöffentlichen Besprechung hatte die Gemeinde Vorgaben für den Wegeumbau gemacht, deren Ausarbeitung den einen oder anderen Kritiker im Gremium versöhnlich stimmen konnte: Anders als befürchtet, soll für die zu teerenden Wege eine Breite von 5,5 Metern ausreichen. Das würde langsames Fahren bei Gegenverkehr erzwingen und Flächen schonen. Insgesamt müssten 1700 Quadratmeter von angrenzenden Landwirten hinzugekauft werden – die Abfahrt vom Autobahnparkplatz nicht eingerechnet, da diese zurückgebaut wird. Bis auf fünf Bäume blieben alle anderen Gehölzgruppen bestehen, ebenso die Biotope, da der Weg zwischen ihnen hindurchführe. Ein Stück des Wassergrabens müsse verrohrt werden. Für die Einfahrt in die Ziegelei gebe es drei Varianten: Zwei erforderten Grundstückspachtungen. Bei der dritten, auch im Rat favorisierten Lösung, bleibe die Fahrbahn einspurig und erhalte eine Ampel zur Regelung des Gegenverkehrs.

Die Diskussion im Gremium offenbarte den Wunsch, später möglichst viel zurückzubauen. Die Bürgermeisterin stimmte zu, ohne sich in der Sitzung schon genauer festlegen zu wollen. Sie sagte: „Jetzt geht es darum, ob wir grundsätzlich bereit sind, die Transporte auf gemeindlichen Wegen zu gestatten.“ Details würden dann vertraglich zwischen Kommune und Ziegelwerk festgelegt. Für Markus Wiest, der nun die Genehmigung zur Anlieferung von bis zu einer Million Tonnen Lehm pro Jahr beim Landratsamt beantragt, ist es ein Stück weit Planungssicherheit. Fortgesetzt würden die Lehmfahrten allemal, nötigenfalls mit weniger Kapazität und weiterhin auf öffentlichen Straßen, so Wiest. Die Gemeinderäte sahen das ähnlich und stimmten der auf drei Jahre befristeten Maßnahme zu.

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