Samstag, 29. April 2017

Landsberg

25. Februar 2017 17:04 Uhr

Porträt

Er ist vielseitig, empfindsam und kreativ

Bert Praxenthaler erhält den Kunstpreis 2017 des Landkreises. Dafür gibt es mehr als nur einen guten Grund. Von Minka Ruile

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Bert Praxenthaler im Treppenhaus seines Hauses in Epfenhausen. Dort hat er einige seiner Kunstwerke ausgestellt. Unser Foto zeigt das Werk „Stern 3“ aus Lindenholz, Kreidegrund versilbert.
Foto: Thorsten Jordan

Worüber der eine sich „noch immer wundert“, ist für andere längst entschieden. Und während er mit sympathischer Bescheidenheit einwendet, dass es doch „genügend Alternativen gäbe“, hat der Kulturbeirat um Landrat Thomas Eichinger seinen Favoriten klar benannt: „Der Preisträger heißt Bert Praxenthaler“. Also wird am 24. Juni in einem Festakt im Stadttheater die Laudatio auf ihn gehalten werden und wird auch kein anderer als der Epfenhauser Holzbildhauer und Restaurator den Kunstpreis 2017 des Landkreises Landsberg überreicht bekommen. Dafür gibt es gute Gründe – einer davon: die unvoreingenommene Sichtweise des Vergabegremiums auf das, wie er es nennt, „unscharfe Profil“ des Künstlers, in dem sich dessen eigentliche Stärke zeigt.

Schon früh entdeckte der heute 61-Jährige seine Leidenschaft für die Musik, lernte Gitarre und wäre beinahe Robert Fripp, Mitbegründer und kreativer Kopf der Kultband King Crimson, als Profimusiker nach England gefolgt. Keine guten Voraussetzungen für ein harmonisches Familienleben, ahnte er schon damals und „letztendlich habe ich mir in der Kunst mehr zugetraut“, begründet der ausgebildete Holzbildhauer seine Entscheidung, den Freund dann doch alleine ziehen zu lassen und selbst den bereits eingeschlagenen Weg als bildender Künstler und Restaurator weiterzuverfolgen.

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Während seiner Arbeiten am Buxheimer Altar in vielen Pendelfahrten auf die Gegend aufmerksam geworden, zog es den gebürtigen Münchner Jahre später, 1996, mit Frau und damals noch einem, heute zwei Kindern dann auch, allerdings nur von Gauting in den Landkreis Landsberg, nach Epfenhausen. Wichtigstes Umzugsutensil: seine E-Gitarre, die ihn noch heute überall hin begleitet. Ein zweites Instrument hat Bert Praxenthaler mittlerweile in Bamiyan, einer Provinz im zentralen Hochland Afghanistans deponiert. Seit 2004 leitet er dort in einem UNESCO-geförderten Projekt die Sicherung und Restaurierung der Buddhas, deren Zerstörung durch die Taliban 2001 für weltweites Entsetzen gesorgt hatte.

Und so ist aus der seinerzeit angestrebten Häuslichkeit am Ende ein Pendeln in noch viel weiter entlegene Regionen dieser Erde geworden. Die Nachricht von der Geburt seines zweiten Enkelkinds erreichte Praxenthaler vergangenen Dezember beim Einchecken auf dem Kabuler Flughafen. „Das Kind kam etwas zu früh und damit ich zu seiner Begrüßung leider zu spät“, bedauert der Familienmensch dieses Versäumnis und setzt hinzu: „Man muss bei einem solchen Leben auf sich und die Seinen ganz besonders gut achten.“

Dass allein die Sicherung des Materials in Gesteinsbrocken von 50 Kilo bis zu 80 Tonnen nun schon Jahre in Anspruch nimmt, lässt das Ausmaß der gewaltigen Zerstörung erahnen und manifestiert sich eindrucksvoll in den beiden verwaisten, fast turmhohen Felsnischen, in deren Schutz die einst 38 beziehungsweise 56 Meter hohen Buddhafiguren jahrhundertelang das Bild des Bamiyan-Tals geprägt haben.

Die künstlerische Arbeit Bert Praxenthalers bleibt von diesen Eindrücken nicht unberührt. Die in der Welt vorgefundenen Beschädigungen finden ihren Niederschlag in den „Verwundungen“ der aufwendig gestalteten Oberflächen besonders seiner beiden Werkgruppen „Stern“ beziehungsweise „Ei“ - geschnitzte Holzskulpturen, übersät von unregelmäßig geränderten, farblich teils dunkel gefassten Löchern, die Brandmalen gleich sich durch die, so scheint es, verletzliche „Haut“ der Hohlkörper in deren Inneres fressen. Und doch mildert Praxenthaler ab: „Die Welt ist so mit ihren ,Schadensbildern’, aber“, so sein Credo, „gerade daraus erwächst ja auch immer wieder etwas Neues“.

Sei es nun wegen seines Engagements in Afghanistan, seiner Arbeit als Holzbildhauer oder überregional tätiger Restaurator im öffentlichen als auch sakralen Raum, oder aber wegen verschiedener eindrucksvoller Auftragsarbeiten, etwa des bronzenen Thomas-Morus-Reliefs in der Kauferinger Pfarrkirche sowie zahlreicher weiterer bis in die Bereiche der Installation und des Happenings reichender künstlerischer Aktivitäten – für die Vergabe des Kunstpreises 2017 verkündet der Landkreis Landsberg völlig zu Recht: „Der Preisträger heißt Bert Praxenthaler“. Und außer dem Geehrten selbst wundern sich darüber vermutlich nur wenige.

Schnell lenkt dieser am Ende des Gesprächs die Aufmerksamkeit von seiner Person zurück auf die Kunst: „Ich würde mir wünschen, dass die Leute nicht alles nur so im Vorbeigehen mitnehmen und sich lieber weniger, das dafür aber umso genauer anzuschauen.“

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