Samstag, 29. April 2017

Landsberg

10. Juli 2014 15:21 Uhr

Explosion in Landsberg

Frau riecht Gas und zündet sich trotzdem Zigarette an

Zwei Schwer- und mehrere Leichtverletzte hat die Explosion eines Hauses in Landsberg gefordert. Die Ermittler wissen jetzt, wie es dazu kam. Von Dieter Schöndorfer und Margit Messelhäuser

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Eine offenbar fehlerhaft umgebaute Leitung und das dort austretende Gas scheinen die Ursache für die folgenschwere Explosion in einem Mehrfamilienhaus an der Augsburger Straße vom Mittwochabend zu sein. Die beiden dabei schwer verletzten Frauen wurden mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen. Nach Auskünften der Polizei sei ihr Zustand derzeit stabil. Noch am Donnerstagvormittag war man im Präsidium davon ausgegangen, dass keine Lebensgefahr bei den 46 und 30 Jahre alten Opfern besteht.

Immer wenn der Landsberger Stadtrat Wolfgang Weisensee überstürzt eine Stadtratssitzung verlassen muss, dann hat sich irgendwo in der näheren Umgebung ein Unglück ereignet. So auch am Mittwochabend. Kurz nach 18.20 Uhr erhielt Weisensee während einer Finanzausschusssitzung einen Anruf, zog sich anschließend sofort die signal-gelbe Notarztjacke über und verließ den Sitzungssaal des Rathauses. Er musste nicht weit fahren.

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Nur wenige Gehminuten vom Hauptplatz entfernt an der Augsburger Straße hatte sich in einem Mehrfamilienhaus eine schwere Gasexplosion ereignet. Blutende Menschen liefen umher, zwei Frauen hatten schwere Verletzungen erlitten und wurden von Rettungshubschraubern in Spezialkliniken für Brandopfer geflogen. Laut Auskunft von Jürgen Weigert, Pressesprecher im Polizeipräsidium Oberbayern Nord, wurden vier weitere Personen verletzt, die zur Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden: „Einer von ihnen konnte am selben Abend die Klinik bereits wieder verlassen.“

Gaszufuhr wurde nach Explosion sofort gestoppt

Markus Kittl, Sprecher der Geschäftsführung von Schwaben Netz, erklärte noch am Unfallabend: „Zwei unserer Rohrmeister von der Betriebsstelle Kaufbeuren waren kurz nach 19 Uhr am Unglücksort.“ Dort hätten sie sofort die Erdgasversorgung des Hauses komplett gesperrt. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde von den Fachleuten „offenbar unsachgemäßes Handeln an der Gasinstallation“ vermutet.

Auch die Brandfahnder der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck nahmen sofort die Ermittlungen auf. Wenige Stunden später liegen erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor. Laut Jürgen Weigert sei in dem Haus, das derzeit von den Besitzern renoviert wird, im Erdgeschoss eine Gasleitung rückgebaut worden.

Der am Ende der Leitung angebrachte Verschluss scheint jedoch fehlerhaft ausgeführt worden zu sein, sodass dort, vermutlich von den Bewohnern unbemerkt, Gas austreten konnte. Am Mittwoch waren vier Männer gerade damit beschäftigt, im Erdgeschoss des Hauses, das vom Fußballclub Türkspor Landsberg auch als Vereinsheim genutzt wird, frischen Estrich zu verlegen.

Die Opfer rochen Gas - doch eine Frau zündete sich eine Zigarette an

Gegen 18.20 Uhr hielten sich die vier Männer und zwei Frauen dann im ersten Stock des Hauses auf. Dabei, so Jürgen Weigert weiter, hätten die Personen bereits Gasgeruch wahrgenommen. Dennoch traf eine der beiden Frauen einen folgenschweren Entschluss. Sie wollte rauchen. Als sie sich eine Zigarette anzündete, kam es sofort zu einer schweren Explosion.

Deren Wucht war so stark, dass das Haus massiv beschädigt wurde. Ein Fenster auf der Westseite wurde aus seiner Verankerung gesprengt, einzelne Besteckteile lagen sogar bis auf dem Parkplatz des benachbarten Geländes eines noch nicht eröffneten Supermarkts, der gut zehn Meter entfernt ist. Das Dach des Mehrfamilienhauses wurde massiv in Mitleidenschaft gezogen, die Schäden gehen in die Hunderttausende – die Polizei schätzt eine Summe von 300.000 Euro.

An Training ist nicht mehr zu denken gewesen

Die beiden Frauen, eine 30, die andere 46 Jahre alt, erlitten schwere Verletzungen und wurden von Rettungshubschraubern in Spezialkliniken ausgeflogen. Am Vormittag hatte eine Polizeisprecherin noch bestätigt, dass keine Lebensgefahr besteht. Am Donnerstagnachmittag relativiert Jürgen Weigert: „Die Frauen haben schwere Verbrennungen erlitten. Ihr Zustand ist derzeit stabil.“

Unter den Verletzten ist auch der Vorsitzende von Türkspor Landsberg, er war einer der Männer, die auf der Baustelle arbeiteten. Wie es ihm geht, konnte Türkspor-Trainer Adem Sadak am Donnerstag noch nicht sagen: „Ich will ihn erst besuchen. Bislang konnte ich nur kurz mit seinem Bruder sprechen.“

Sadak selbst war kurz nach der Explosion zum Vereineinsheim gekommen. „Wir hatten am Abend unser erstes Training nach der Sommerpause.“ Er selbst wollte nur noch die Bälle holen und dann ins Landsberger Sportzentrum zurück. „Später sind die Spieler dann alle auch runtergekommen.“ An Training sei natürlich nicht mehr zu denken gewesen.

Dank an die Rettungskräfte

Überhaupt spielen der Sport und auch das Vereinsheim selbst momentan keine Rolle, sagt Sadak. „Für uns alle ist nur wichtig, dass die Verletzten wieder gesund werden.“

Landsbergs Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl, die im Rathaus die Sitzung geleitet hatte, war noch am Abend zur Unglücksstelle geeilt. In einer Stellungnahme bedankte sie sich am Donnerstag für den Einsatz der Rettungskräfte: „All diesen gut ausgebildeten Kräften ist es zu verdanken, dass den Verletzten schnell geholfen und das Gebäude gesichert werden konnte.“

Insgesamt waren 137 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Die Brandfahnder der Kripo waren am Donnerstag noch bis in den Abend vor Ort.

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