Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

05. Dezember 2015 14:11 Uhr

Dießen

Vorreiter der Abstraktion

„Starke Bilder von Fritz Winter zu sehen. Auch in der Pinakothek der Moderne sind Werke ausgestellt. Von Maren Marteill

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Fritz Winter Atelier: Vernissage „Starke Bilder“ mit Laudator Dr. Friedhelm Häring.

Mit fast mildem Blick scheint Fitz Winter auf das Ausstellungsgeschehen zu blicken. In der Dießener Galerie im Fritz-Winter-Atelier hängt ein Porträtfoto des einstigen Bauhausschülers hoch über dem Ausgang zur Garderobe. Gleich drei Mal wird der sehr mit Dießen verbundene Künstler dieser Tage in großen Ausstellungen geehrt. Im September dieses Jahres wäre er 110 Jahre alt geworden. In München sind seine Arbeiten derzeit in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Vor 40 Jahren eröffnete seine Nichte Helga Gausling im westfälischen Ahlen ein Fritz-Winter-Haus. Es ist das Haus, in dem der Maler, der in Deutschland und Europa zu den wohl wichtigsten abstrakten Künstlern der Nachkriegszeit zählt, seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte.

Nun hat Helga Gausling zum Jubiläum ein Buch darüber herausgegeben und zeigt begleitend dazu Winters Werke. Und in der „Dießener Außenstelle“ präsentiert ihr Sohn Michael derzeit Arbeiten von Winter, die hier bislang noch nicht gezeigt wurden. Nicht von ungefähr wurde für diese Ausstellung auch der Titel „Starke Bilder“ gewählt. „Ich bin stolz, dass es mir nach 23 Dienstjahren gelungen ist, gut 85 Prozent der Bilder hierher zu holen, die noch nie hier waren“, betont der Galerist zur Vernissage.

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So ist Gausling auch ein überaus interessante Mischung gelungen. Zu sehen sind Winters stille, graue Arbeiten auf Papier aus den 1930er Jahren, aber auch die großen, sehr farbigen Werke der späten 50er und 60er Jahre. Dominiert wird die einmalige Ausstellung von dem übergroßen Exponat „Räume horizontal“ von 1969. Die blauen und roten Farbflächen darauf scheinen fast zu vibrieren, ja öffnen unendliche Räume in die Tiefe hinein. Daneben der von weißen Farbnuancen beherrschte „Brautgarten“ von 1961. „Hier will man fast in das Bild hineingreifen, das Rosa entdecken, es haptisch erfahren. Winter gibt hier den Ansatz des sinnlichen Erfülltseins“, erläutert der Kunsthistoriker und frühere Friedberger Museumsdirektor Friedhelm Häring in seiner Einführung.

Ein bedeutendes Werk sei aber auch die „Abschrift der Gesetzestafeln“ von 1958. „Das ist gewaltig“, betont Häring. „Wie in einer mittelalterlichen Schrift erkennen wir hier, da liegt noch etwas drunter, das heißt die alte Schrift gibt noch ein Geheimnis preis. Und Winter ist genau das gelungen, mit einem neuen Sprachgefühl, mit einer neuen Interpunktion“, führt Häring weiter aus. „Ich glaube, dass des Menschen Geist in jene Räume steigen kann und Höhen, die geschlechtlos das All umgeben wie Tag und Nacht.“ So kann man einer Tagebuchnotiz von Fritz Winter entnehmen. Dieses Entschweben in den Raum kann beim Betrachten der Bilder auch in der aktuellen Dießener Ausstellung erfahren werden. „Es ist die Botschaft eines Mannes, der eigentlich keiner von uns ist und der etwas formuliert und uns etwas in die Hand gibt“, erläutert Häring. Einige seiner Bilder legen den Fokus auf Naturassoziationen, ohne dass die Natur selbst Gegenstand der Bilder ist. In anderen sind es die berühmten „moving lines“, die in die Werke hineinziehen. „Da wird die Farbe so aufgebracht, dass sie noch über den großen Farbflächen liegt“, erläutert Häring.

„Wie viele Künstler war auch Winter auf der Suche nach der großen Sinnfrage unserer Existenz“, betont Häring. Und in seinen Bildern leuchtet gerade dies dem Betrachter ganz oft entgegen, so auch in Dießen. Die aktuelle Schau ist hier im Forstanger noch bis zum 14. Februar zu sehen. In der Münchner Pinakothek der Moderne werden die Arbeiten sogar noch bis zum 28. Februar präsentiert, im Fritz-Winter-Haus in Ahlen endet die Ausstellung Ende Januar.

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