Dienstag, 2. September 2014

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18. Dezember 2012 12:12 Uhr

Leitartikel

Das Drama der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank ist mächtig. Aber sie hat ihre Macht offenbar überschätzt. Das Institut erlebt eine Krise.

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Auf die Deutsche Bank prasselt es derzeit knüppeldick ein. 500 Beamte, die die Zentrale durchsuchen, eine Gewinnwarnung, eine teure Niederlage im Kirch-Prozess. Das Institut erlebt eine Krise. Dämme, hinter denen sich Altlasten über Jahre aufgestaut hatten, brechen plötzlich binnen kurzer Zeit.

Die Deutsche Bank ist mächtig. Aber sie hat ihre Macht offenbar überschätzt.

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Am deutlichsten geworden ist dies zuletzt durch den Beschwerdeanruf von Co-Chef Jürgen Fitschen bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, dass die Razzia in Frankfurt übertrieben gewesen sei. Fitschen ist eigentlich ein geachteter und zurückhaltender Mann. Jetzt muss er sich fragen lassen, ob er denke, dass die Deutsche Bank über der Justiz stehe? Und ob es doch mehr zu verbergen gibt als immer gesagt wird? Fitschen ist plötzlich in die Defensive geraten. Und eine Bank verliert Vertrauen.

In den Jahren vor der Finanzkrise hatte es das Institut in vielen Bereichen zu weit getrieben. Es stieß in rechtliche und moralische Grauzonen vor. Jetzt, Jahre später, muss die Bank die Kosten für die kurzfristigen Gewinne von früher tragen. Zwar handelte sie in vielen Fällen nicht schlechter als andere Großbanken wie UBS oder Goldman Sachs. Aber eben auch nicht besser. Heute erhält die Deutsche Bank die Quittung dafür, dass ihre Mitarbeiter in der Libor-Affäre Zinssätze manipulierten. Dass sie Teil eines betrügerischen Handels mit CO2-Zertifikaten waren. Und dass sie in den USA Geld mit Eigenheimbesitzern verdienten, die ihr Kauf in den Bankrott trieb. Geschäfte mit Nahrungsmitteln und Waffen musste bereits Ex-Chef Josef Ackermann eindämmen.

Die Bank kennt ihre Probleme. Dass sie Fehler machte, das hat Jürgen Fitschen bereits öffentlich gesagt und einen „Kulturwandel“ versprochen. Fehler, Kulturwandel, das alles klingt reuig, fast unterwürfig.

Dabei braucht die Republik eine starke Deutsche Bank: Die neuen Kraftwerke der Energiewende, neue Industrieanlagen, für dies alles sind Sparkassen und Volksbanken zu klein. Ein seriöses Investmentbanking für Fusionen und Börsengänge ist wichtig für eine Volkswirtschaft. Nicht zuletzt waren die Chefs der Deutschen Bank oft gute Berater der Politik. Das Problem ist, dass die heutigen Chefs Fitschen und Anshu Jain gerade selbst in die Skandalflut gerissen werden. Fitschen hat mit seinem Anruf bei Bouffier Ansehen und Vertrauen verspielt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, weil er eine umstrittene Umsatzsteuererklärung unterschrieben hat. Jain war früher Investment-Chef. Unter seinem Dach fanden umstrittene Immobiliengeschäfte und die Libor-Manipulation statt. Was wusste Jain?, fragen deshalb viele.

Damit die Wirtschaft einen seriösen, verlässlichen, starken Partner bekommt, muss die Deutsche Bank individuelles Fehlverhalten aufklären. Sollten Fitschen und Jain zu angeschlagen sein, ist einer gefordert: der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Der frühere Vorstand der Allianz AG und Freund Joschka Fischers kennt das Finanzgeschäft. Er muss in Zukunft die Einhaltung der Regeln sicherstellen. Letztlich aber muss die Deutsche Bank ihre Selbstüberschätzung überwinden.

Das Geschäft der Zukunft kann in der Euro-Krise nicht mehr Spekulation sein. Es geht um Dienstleistung, die sich nahe an Privatkunden und Firmen bewegt und ihnen einen verlässlichen Partner bietet. Dieses Maß an Seriosität ist die Bank auch ihren Mitarbeitern schuldig, die trotz großen Drucks mit Engagement und Freundlichkeit in den Filialen arbeiten.

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