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27. September 2011 06:00 Uhr

Festival der Nationen

Wenn Klänge ganz gefangen nehmen

Quadro Nuevo begeistern bereits zum dritten Mal mit einer furiosen musikalischen Reise Von Manfred Gittel

Arabesken, Balkon-Swing, Balladen, waghalsige Improvisationen, dafür sind sie bekannt – Quadro Nuevo, auch im Steigenberger wieder ein Erlebnis.
Foto: M. Gittel

Bad Wörishofen Applaus gab es viel – vor allem nachdem bekannt wurde, dass „Quadro Nuevo“, die laut Werbung „europäische Antwort auf den Argentinischen Tango“ in gut einem Jahr wieder da sein wird, an gleicher Stelle, wenn auch zu späterer Stunde.

Sie sind inzwischen Stammgäste des Festivals der Nationen: die ECHO-Preisträger 2010 und 2011 im Bereich bester Live Act Jazz. Zum dritten Mal waren sie im Steigenberger-Hotel „der Sonnenhof“ zu Gast und begeisterten einmal mehr. „Grand Voyage“ hatten sie versprochen und es wurde eine große Reise: durch Orte und Länder, durchTöne und Klänge sowie durch ihre CDs. Und da hat sich in den letzten 15 Jahren seit der Gründung doch so einiges und vor allem immer wieder Hörbares angesammelt.

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Mulo Francel: Saxophone, Klarinetten; D.D. Lowka: Kontrabass, Perkussion; Andreas Hinterseher: Akkordeon, Vibrandoneon; Evelyn Huber: Harfe, Salterio – das sind sie die „Quadro“, die Vier. Von Polen über Betzigau und Bad Saulgau nach Bad Wörishofen gekommen begannen sie mit dem „Lied der Straße“, gaben klanghaften Einblick in ihre „großen Reisen“ an fremde, weit entfernte, sonderbare, geschichtsbeladene Orte wie das frühere Antiochien, in dem noch alle Religionen friedlich nebeneinander leben.

Die Künstler bilden eine Einheit mit ihren Instrumenten

Man weiß nicht, worauf man sich mehr freuen soll: auf die humorvoll-hintergründigen Bemerkungen von Mulo Francel oder auf die virtuosen Klänge. Alle Facetten musikalischer Möglichkeiten werden den Instrumenten entlockt, was man nur tun kann, wenn man sie perfekt beherrscht, mit ihnen verwachsen ist, eine Einheit bildet. So kann man auch Töne und Klänge erzeugen, die man so noch nie gehört hat, wird eine Harfe, wird ein Saxophon gar zum Schlaginstrument. Temporeich, wechselhaft wie die Gefühle, die ausgedrückt werden sollen; herausströmend und doch verhalten, losgelassen, ungebremst und doch zurückhaltend, langsam und leise bis nahe dem Hauch von einem Nichts – und dann wieder explodierend, drängend, voluminös, melancholisch, witzig, weinend und lachend, lasziv, wiegend, tanzend, träumerisch, schwankend – und immer eines: große Musik, große Reise: große musikalische Reise. Man schließt fast zwangsläufig die Augen, ist mittendrin in Orten, in Gefühlen, fremden Gefühlen, die plötzlich zu den eigenen werden, kann Musik riechen, schmecken ja mit allen Sinnen auf einmal genießen. Der Herzschlag schlägt nicht mehr im eigenen Takt sondern im Takt der Klänge, fremder Klänge – improvisiert, original.

Applaus gab es viel, doch wenig Szenenapplaus, denn jeden Ton wollte man hören, nichts verpassen, kein Solo, keinen geradezu artistischen Fingerlauf – und vor allem sich keine Überraschung, Stimmungsschwankung entgehen lassen bei Stücken wie „Samba für einen Gleitschirm“ einem „Tango für Hansi“, „Paprika edelsüß“ oder beim „Lied des Meeres“. Da war es wieder, das Grenzenlose, Unfassbare, Weite, Befreiende wie es derzeit wohl kaum jemand so treffend in Klänge zu fassen weiß wie Quadro Nuevo.

Und Zugaben gab es auch – unkompliziert, weil den Vieren das Spielen Spaß macht, weil die Musik ihnen selbst Kraft gibt. Man spürt es und ist froh, dass es nur ein Jahr dauert bis zum nächsten Wiedersehen.

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