Montag, 24. Juli 2017

07. März 2017 00:36 Uhr

Religion

Im Alltag für Aufklärung kämpfen

In Hainsfarth wird die Woche der Brüderlichkeit gefeiert. Was Juden und Christen verbindet Von Friedrich Woerlen

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Feierten die Woche der Brüderlichkeit in Hainsfarth (von links): Gertrud Kellermann, Lena Engelhardt, Kantor Nikola David, Sigi Atzmon, Dr. Peter Hirschberg, Dekan Konrad Bayerle, Pfarrer Uli Tauber und Pfarrer Tomasz Swat.
Foto: Wörlen

Die Woche der Brüderlichkeit 2017 wurde am Sonntag in der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth mit einer christlich-jüdischen Gemeinschaftsfeier eröffnet. Das Motto der Veranstaltung „Nun gehe hin und lerne“ stammt aus einer Talmud-Erzählung über Rabbi Hilel, der auf die Frage, was denn die jüdische Religion ausmache, geantwortet hatte: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Thora, alles andere ist nur die Erläuterung: nun gehe hin und lerne.“

Wie Sigi Atzmon, die Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge Hainsfarth, sagte, entspricht die Kernaussage dieses Satzes auch der christlichen Lehre, wurde aber in den Jahren des Völkermordes gegenüber dem Flehen von sechs Millionen Juden außer Kraft gesetzt. Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit stellten sich als „eingreifende Gegenbewegung“ dem wieder auflebenden Antisemitismus entgegen und treten mit einem unverzichtbaren Bildungsauftrag für Überwindung der Sprachlosigkeit, für Toleranz und Mitmenschlichkeit ein. Das diesjährige Motto stelle die Frage, ob man in den vergangenen Jahren etwas dazu gelernt habe. Trotz Skepsis antwortete Sigi Atzmon „Ja, ein wenig“. Im Bemühen um Achtung der Menschenwürde und Ächtung des Rassismus seien aber neue Herausforderungen zu bestehen.

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Pfarrer Uli Tauber aus Oettingen stellte aus seiner persönlichen Lernerfahrung heraus fest, dass die lang tradierte Gegensätzlichkeit zwischen Judentum und Christentum nicht zutreffe. Vielmehr sollten Christen und Juden in Freundschaft und Brüderlichkeit zusammenleben, damit Rabbi Hilel und Jesus am Ende feststellen können: „Sie haben etwas gelernt“. Dekan Konrad Bayerle wies darauf hin, dass Jesus die Menschenliebe der Gottesliebe gleichstellt, und dass die Unmenschlichkeit, mit der dagegen verstoßen wurde, nur mit großer Offenheit für andere Sichtweisen und Überzeugungen, mit Lern- und Änderungsbereitschaft überwunden und für die Zukunft ausgeschlossen werden kann.

Gertrud Kellermann, die Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Augsburg und Schwaben, betonte die große Bedeutung von Studium und Lehre für die jüdische Religion. Juden und Christen – leider noch nicht alle –, so stellte sie fest, hätten gelernt, dass sie gleichberechtigte und gleichwertige Kinder Gottes sind.

Pfarrer Peter Hirschberg, Studienleiter am Evangelischen Bildungszentrum in Bad Alexandersbad, spekulierte in seinem Vortrag nicht über vorhandene oder fehlende Lernfähigkeit, sondern plädierte dafür, praktisch an ihrer Verbesserung zu arbeiten und in der Praxis weiter ernst zu machen mit dem Grundsatz, dass jeder Mensch um seiner selbst willen wertvoll und liebenswert ist.

Was vor wenigen Jahren im Verhältnis zwischen Christen und Juden noch revolutionär erschien, sei heute selbstverständlich. Auch der Vatikan sehe die Beziehungen zum Judentum nicht als interreligiösen Dialog, sondern als Teil des ökumenischen Prozesses, die Juden als „Ältere Brüder im Glauben“. Die göttliche Verheißung könne den Juden nicht abgesprochen werden, wenn sie für Christen gelten soll.

Nach einem langen Lernprozess mit Tiefpunkten im christlichen Antijudaismus und im Völkermord würden Christen und Juden zu der Einsicht kommen, dass beide im Bund mit Gott stehen. Im Alltag ist gegen Ausgrenzung und für Aufklärung zu kämpfen. Rationale Einsichten müssten von den Köpfen in die Herzen vordringen. Mit starken Worten wandte sich der Referent gegen Rassismus, Rechtsradikalismus und Intoleranz, die gefährlicher und furchterregender seien als andere Krisenerscheinungen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Sigi Atzmon schloss eine würdige und dem Anlass angemessene Feierstunde. Der Zuspruch vonseiten der Öffentlichkeit hätte größer sein dürfen.

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