Samstag, 3. Dezember 2016

28. Januar 2016 17:29 Uhr

Nördlingen

Kinder geschlagen: Lehrerin der "Zwölf Stämme" muss in Haft

Erstmals ist ein Mitglied der Zwölf Stämme zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Die Lehrerin soll Buben brutal mit Ruten geprügelt haben. Sie selbst spricht von „Disziplinierungen“.

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Polizeiaktion bei den Zwölf Stämmen in Klosterzimmern (September 2013).
Foto: Hummel

Zum Schluss wendet sich Daniela Meyer (Name geändert) an zwei ihrer Opfer, die im Gerichtssaal anwesend sind. Zwei Geschwister. In deren Familie habe es große Probleme gegeben, sagt Meyer. Das habe Raum geschaffen für „Selbstmitleid und Opfergeist“. Sie, die Angeklagte, habe als Erzieherin und Lehrerin nur helfen wollen. „Es tut mir leid, wenn die Disziplin nicht so empfangen werde konnte, wie sie gemeint war.“

Es sind Sätze einer Überzeugungstäterin. Denn was Meyer als „Disziplin“ bezeichnet, sind Schläge mit einer Rute. Die beiden Opfer, Bruder und Schwester, müssen sich angesichts dieser Sätze sichtlich zusammenreißen. Die beiden sind vor Jahren aus der Gemeinschaft „Zwölf Stämme“ ausgestiegen, Daniela Meyer, eine stämmige Frau mit Pausbacken, war ihre Lehrerin, als die Sekte in Klosterzimmern noch eine eigene Schule betreiben durfte.

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Das Jugendschöffengericht am Nördlinger Amtsgericht verurteilt die 56-Jährige schließlich zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung in sechs tateinheitlichen Fällen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Mitglied der Zwölf Stämme wegen der Erziehungspraktik der Sekte auf der Anklagebank sitzt, Kinder mit Ruten zu schlagen. Aber bislang ging es um Bewährungsstrafen. Die Mitglieder mussten nicht ins Gefängnis.

„Sie war sehr brutal, sehr kalt“

Dass das dieses Mal anders ist, liegt nicht nur an der Vielzahl der Vorfälle in dem Fall oder daran, dass die Angeklagte brutaler als die anderen agierte. Es liegt auch an ihrer Uneinsichtigkeit. Sie habe schon immer gewusst, dass Kinder neben Liebe und Aufmerksamkeit auch Grenzen brauchten, sagt Meyer. Und als sie zum Glauben gefunden habe, „habe ich gesehen, dass es bessere Wege gibt, ein Kind zu disziplinieren, als die Hand“. Die Rute. Und von der machte sie bei den Zwölf Stämmen reichlich Gebrauch, wie Zeugenaussagen belegen. Sechs Fälle zwischen 2004 und 2013 listet die Anklage auf. Die damaligen Opfer sind heute bis zu 23 Jahre alt.

Es habe gereicht, im Unterricht eine Frage zu wiederholen,  um geschlagen zu werden, sagt ein zehn Jahre alter Junge, dessen Aussage auf Video aufgenommen wurde und im Gerichtssaal abgespielt wird. „Sie war sehr brutal, sehr kalt“, sagt der 23 Jahre alte Aussteiger, dessen Schwester ebenfalls als Zeugen auftritt. Und die folgendes schildert: „Bei Widerworten ist sie sauer geworden und hat nur noch härter zugeschlagen.“ Als Staatsanwalt Matthias Ernst die Angeklagte fragt, ob es stimme, dass quasi täglich gezüchtigt worden sei, antwortet Meyer lapidar: „Wann immer die Kinder das gebraucht haben.“

Die angeklagte Lehrerin zeigt vor Gericht keine Reue

Am Dienstag hatte eine Mutter der Zwölf Stämme auf der Anklagebank im Amtsgericht gesessen. Sie gestand, ihren Sohn zwei Mal mit einer Rute auf den Hintern geschlagen zu haben und hielt vor Gericht einen reflektierten und emotionalen Vortrag über ihren Glauben und ihre juristische Schuld. Sie machte den Eindruck einer Frau, die mit sich rang.

Diesen Eindruck hinterlässt Daniela Meyer nicht. Zwar gesteht sie die Vorwürfe im Kern ein. Doch Reue zeige sie nicht, wie Staatsanwalt Matthias Ernst in seinem Plädoyer feststellt. Daneben besitze sie die Unverfrorenheit, die Verantwortung für die Folgen ihrer Taten auf die Opfer abzuschieben. Er plädiert auf drei Jahre Haft. Strafverteidiger Alexander Knief fordert hingegen eine Bewährungsstrafe für seine Mandantin. Ohne ihr Geständnis wäre es möglicherweise nicht zu einer Verurteilung gekommen, argumentiert er. Das Gericht unter Vorsitz von Gerhard Schamann entscheidet sich für eine Strafe ohne Bewährung. Meyer sei die „Disziplinarbeauftragte“ der Zwölf Stämme gewesen, sagt Schamann. „Sie ist von fast allen als Schlimmste und Brutalste beschrieben worden und hat nicht die geringste Reue gezeigt.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Ein Artikel von
Jan Kandzora

Lokalredaktion Nördlingen
Ressort: Lokalnachrichten

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