Freitag, 19. September 2014

11. Juni 2013 14:40 Uhr

Hochwasser

Elbe steigt um zwölf Zentimeter

Die Hochwasserwelle rollt weiter durch Ost- und Norddeutschland. An der Saale und der Elbe brechen Deiche. Forderungen nach Konsequenzen aus der Katastrophe werden laut.

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Die Deiche an der Elbe müssen weiterhin einem enormen Wasserdruck standhalten. In Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hoffen die Helfer weiterhin, der Elbeflut mit Deichen zurückzuhalten. In Sachsen-Anhalt wurde Fischbeck im Landkreis Stendal durch gigantische Wassermengen überflutet, nachdem am Montag ein Deich gebrochen war. Die Bundeswehr warf Sandsäcke aus Hubschraubern ab, um die Fluten einzudämmen.

Hochwasser: Kritisch ist die Lage in Schleswig-Holstein

Das Hochwasser wälzt sich jetzt mit aller Macht durch Schleswig-Holstein und Brandenburg. In schleswig-holsteinischen Lauenburg warteten die Menschen auf den Scheitel der Fluten. Der Pegelstand der Elbe sei seit Montagabend um zwölf Zentimeter auf 9,57 Meter gestiegen, pro Stunde steige das Wasser noch um einen Zentimeter, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Das langjährige Mittel liegt bei etwa fünf Metern. Deichläufer und Hubschrauber inspizierten die Deiche auf Schäden. Etwa 400 Bewohner der Altstadt hatten das bedrohte Gebiet bereits bis in der Nacht zum Montag verlassen müssen. Der Scheitelpunkt in Lauenburg soll hier erst am Donnerstag erreicht werden.

Bedrohlich blieben auch die Wassermassen der Elbe im Norden Brandenburgs. "Der Wasserstand der Elbe scheint stabil zu sein", sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Seit den frühen Morgenstunden stagnierte der Pegelstand bei 7,75 Metern (Mittelwert: 2,77 Meter). Steigerungen seien aber jederzeit möglich. Vor allem die Flutung der Polder habe die Situation in der Prignitz entschärft.

Deichbruchstelle bei Fischbeck unter Kontrolle

Die Deichbruchstelle an der Elbe bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ist nach Angaben des Krisenstabes der Landes unter Kontrolle. Der Deich breche nicht noch weiter auf und die Fließgeschwindigkeit des aus dem Flussbett strömenden Wassers sei nun gringer, sagte Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU). Zuvor hatte die Bundeswehr mit Hubschraubern große Sandsäcke in die Fluten geworfen.

Trotzdem stehen der Ort Fischbeck und mehrere Quadratkilometer Land südlich der Mündung der Havel in die Elbe unter Wasser. Dramatisch war die Situation auch an der Mündung der Saale in die Elbe. In Magdeburg entspannte sich die Lage weiter. In Sachsen-Anhalt sind weiter Rund 9000 Soldaten im Einsatz. Dies teilte ein Bundeswehrsprecher mit.

Nach der Flut: Verspätungen im Fernverkehr der Bahn

Die Sperrung einer Elbbrücke wegen Hochwassers in Sachsen-Anhalt verursachte weiter Verspätungen im Fernverkehr der Bahn. Betroffen sind die ICE-Verbindungen Berlin-Köln und Berlin-Frankfurt am Main.

In Niedersachsen erreichte das Elbe-Hochwasser nach Einschätzung der Katastrophenschutzstäbe seinen Höhepunkt weitgehend. "Seit gestern steht im Landkreis Lüchow-Dannenberg das Wasser auf stabilem Niveau", erklärte eine Sprecherin des Katastrophenschutzstabes in Lüchow.

Aufatmen in Dömitz und Boizenburg: Die Elbe erreichte in Mecklenburg-Vorpommern ihren Höchststand. Seit Dienstagmorgen stagniert der Wasserstand in Dömitz bei 7,20 Meter, am Mittwoch soll er dann auf 6,95 Meter sinken.

Altmeier will Enteignungen nicht ausschließen

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) forderte länderübergreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz wie Bauverbote am Wasser oder gezielte Vorflutflächen. Auch Enteignungen dürfe man nicht ausschließen, sagte er der Passauer Neuen Presse. "Sie müssen aber immer die Ultima Ratio bleiben", betonte Altmaier.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, macht sich für die Einführung eines "Hochwasserschutz-Beschleunigungsgesetzes" stark. "In einem solchen Gesetz sollte klar werden, dass, auch wenn der Naturschutz betroffen ist oder es Bürgerproteste gibt, im Zweifel der Hochwasserschutz Vorrang hat", sagte er der Rheinischen Post.

Landsberg fügte hinzu: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass ein Jahrhunderthochwasser nur alle 100 Jahre einmal auftritt." Bis die Schäden des jetzigen Hochwassers beseitigt seien, dauere es mindestens zwei bis drei Jahre. Die Schäden würden sich voraussichtlich auf mindestens zehn Milliarden Euro belaufen.

Verband warnt vor Kartoffelknappheit durch Hochwasser

Das aktuelle Hochwasser könnte  Auswirkungen auf die Kartoffelernte in Deutschland haben. Die Folge  seien womöglich ein knapperes Angebot und steigende Preise, warnte  der Bundesverband der obst-, Gemüse- und Kartoffelverarbeitenden  Industrie (BOGK) in der Bild-Zeitung . «Es wird  Ausfälle geben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es regional zu  Versorgungsengpässen mit Pommes, Knödeln und Chips kommt», sagte  BOGK-Geschäftsführer Horst-Peter Karos.

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