Der verdächtige 18-Jährige hatte sich Monate vor dem Mord an Lena in Emden selbst bei der Polizei angezeigt - wegen seiner pädophilen Neigungen. Gegen den Verdächtigen war dann wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelt worden. Doch die Polizei versäumte eine richterlich angeordnete Hausdurchsuchung bei dem jungen Mann. Weitere Schritte wurden offensichtlich nicht unternommen.
Polizei bestätigt Panne
Nach der Selbstanzeige sei am 30. Dezember ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss ergangen, der jedoch nicht umgesetzt wurde, bestätigte der stellvertretende Osnabrücker Polizeichef, Friedo de Vries. Die Umstände dieser Panne müssten jetzt mit polizeiinternen Ermittlungen aufgeklärt werden. Über mögliche Konsequenzen innerhalb der Polizei könne noch nichts gesagt werden, sagte de Vries. Das interne Verfahren laufe erst seit Dienstag.
Der Mord an der elfjährigen Lena in Emden
Samstag (24. März), gegen 17.00 Uhr: Lena und ein gleichaltriger Freund brechen zu Hause mit ihren Fahrrädern auf. Sie wollen Enten füttern in den Emder Wallanlagen.
Samstag, 17.30 bis 19.00 Uhr: Die Kinder halten sich im Bereich des Parkhauses neben einem Kino auf. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge während des Verbrechens nicht dabei war. Er läuft nach Hause und informiert seine Mutter, dass er seine Freundin verloren hat. Diese verständigt die Eltern des Mädchens. Bei der Suche im Parkhaus entdeckt ein Wachmann die Leiche.
Samstag, 19.30 Uhr: Die Polizei wird alarmiert und untersucht den Tatort. Das tote Mädchen wird zur Obduktion in die Gerichtsmedizin nach Oldenburg gebracht. Die Polizeiinspektion Leer/Emden richtet die Mordkommission «Parkhaus» mit 40 Beamten ein.
Sonntag, 17.46 Uhr: Die Polizei verbreitet eine erste Pressemitteilung über das Verbrechen.
Montag, 18.00 Uhr: 1500 überwiegend junge Menschen treffen sich nach Aufrufen im Internet auf dem Emder Bahnhofsvorplatz zu einer Schweigeminute. Anschließend legen sie Blumen vor dem Parkhaus nieder und zünden Kerzen an.
Dienstag, gegen 19.00 Uhr: Die Polizei nimmt einen 17 Jahre alten Emder in der Wohnung seines Vaters fest. Noch am selben Abend wird er vernommen - der junge Mann legt kein Geständnis ab.
Mittwoch, gegen 18.45 Uhr: Das Amtsgericht Emden erlässt Haftbefehl gegen den Berufsschüler.
Donnerstag, 12.00 Uhr: Die Ermittler informieren auf einer Pressekonferenz über den bisherigen Ermittlungsstand.
Freitag: Der 17-Jährige ist entlastet und wieder auf freiem Fuß. Nach Angaben der Ermittler kann er als Täter ausgeschlossen werden.
Freitag: Lena wird im engsten Familienkreis auf dem Emder Stadtfriedhof beerdigt.
Samstag (31. März): Polizei und Staatsanwaltschaft geben bekannt, dass sie einen 18-jährigen Tatverdächtigen festgenommen haben. Am Tatort gesicherte DNA-Spuren hätten den Verdacht gegen den Mann erhärtet, so die Behörden.
Polizeisprecher Andreas Wieck sagte, bei den Ermittlungen innerhalb der Polizei gehe es nicht darum, mehr Öl ins Feuer zu gießen. Es werde nicht nur gegen einen Beamten ermittelt.
Experte: Hätte Verdächtigen nicht aus den Augen lassen dürfen
Die schwere Ermittlungspanne bringt der Polizei scharfe Kritik ein. Sie hätte den mutmaßlichen späteren Mörder der elfjährigen Lena nicht aus dem Blick lassen dürfen, als sich dieser wegen Besitzes von Kinderpornografie selbst angezeigt habe, sagte Rudolf Egg, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle, in der ARD. Im Interesse des Opferschutzes könne man so jemanden nicht einfach wieder gehen lassen.
Am vergangenen Wochenende hatte der 18-Jährige die Tötung der elfjährigen Lena gestanden. Er sitzt wegen Mordes in Untersuchungshaft. In der Wohnung des Tatverdächtigen sollen Gegenstände vom Tatort im Fall Lena und vom Tatort einer versuchten Vergewaltigung im November 2011 beschlagnahmt worden sein.
Mordfall Lena: Taucher suchen in Emden nach Beweisen
Heute sollen Polizeitaucher nach Beweismitteln in den städtischen Wallanlagen in Emden suchen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei ankündigten. Zur Tatwaffe machte die Polizei keine Angaben. AZ, dpa, afp