Donnerstag, 29. Juni 2017

18. Juni 2017 19:05 Uhr

Cosby-Prozess

Geplatzter Prozess: Nur ein Etappensieg für Bill Cosby

Die Geschworenen konnten sich nicht einigen, deshalb bleibt US-Star Bill Cosby auf freiem Fuß. Wieso das für den gefallenen Comedian nicht mehr als ein Etappensieg ist. Von Thomas Seibert

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US-Entertainer Bill Cosby am Samstag vor dem Gerichtsgebäude.
Foto: dpa

Am Ende stand schiere Erschöpfung: Auch nach mehr als 50 Stunden Beratung über sechs Tage hinweg konnten sich die Geschworenen im Prozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby nicht auf ein einstimmiges Votum einigen. Der fast 80-jährige Fernsehstar verließ deshalb am Samstag als freier Mann den Gerichtssaal der Stadt Norristown im Bundesstaat Pennsylvania, wo er sich wegen sexuellen Missbrauchs verantworten musste.

So entschied es Richter Steven O’Neill. Er wünscht sich allerdings eine Neuauflage des Prozesses in spätestens vier Monaten. Der Schauspieler sei gegen Kaution auf freiem Fuße. Es war also allenfalls ein Etappensieg für den Mann, der vielen Amerikanern als sympathischer „Dr. Huxtable“ aus der „Cosby-Show“ in Erinnerung geblieben ist. Zumal Cosbys Ruf auch ohne Verurteilung ruiniert ist.

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Dutzende weitere Frauen erhoben Vorwürfe

Staatsanwalt Kevin Steele hatte Cosby vorgeworfen, als prominenter Unterstützer der Temple University in Pennsylvania 2004 die damalige Basketballtrainerin Andrea Constand sexuell missbraucht zu haben. Constand sagte vor Gericht aus, Cosby habe ihr in seinem Haus drei Pillen „zum Entspannen“ gegeben – die Präparate hätten sie gelähmt, sie habe sich nicht wehren können, als sich der Star an ihr verging. Neben Constand hatten Dutzende weitere Frauen ähnliche Vorwürfe erhoben. Die meisten dieser rund 60 Fälle sind längst verjährt, doch sie zeichnen das Bild eines Mannes, der seine Bekanntheit, seinen Einfluss und seinen Reichtum über Jahrzehnte hinweg ausnutzte.

Cosby und seine Verteidiger betonten, die sexuellen Handlungen seien stets im beiderseitigen Einvernehmen abgelaufen. Der Staatsanwaltschaft gelang es nicht, jeden der zwölf Geschworenen vom Gegenteil zu überzeugen. Auch nicht im angeklagten Fall. Es ist nicht unüblich, dass Geschworene in Strafprozessen in den USA zunächst zu keinem einstimmigen Urteil kommen, sich dann aber doch noch einigen. In diesem Fall aber blieb eine Einigung aus, das Verfahren endete als „mistrial“ (fehlerhaft geführter Prozess). Cosby drohten mehrere Jahre Haft. Er selbst äußerte sich nicht.

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Pennsylvania | USA

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