Donnerstag, 14. Dezember 2017

27. September 2017 07:00 Uhr

Schwabmünchen

Kleine Kinder schreien nicht ohne Grund

In Schwabmünchen startet ein Workshop für Eltern. Im Interview gibt die Sozialpädagogin Cathrin Fürst Tipps im Umgang mit Kleinkindern.

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Manche Babys schreien stundenlang und rauben ihren Eltern den letzten Nerv. Bei einem Workshop in Schwabmünchen bekommen Eltern Tipps zu den Herausforderungen und den Umgang mit Kleinkindern.
Foto: Alina Novopashina, dpa (Symbol)

Das Kind will nicht schlafen oder schreit viel? Viele Eltern fühlen sich gerade in den ersten Monaten hilflos und wünschen sich Unterstützung. Denn Mutter oder Vater zu sein ist schön, aber manchmal auch anstrengend und belastend. In Schwabmünchen gibt es einen Workshop, der über die Entwicklungsstufen von Kindern in den ersten vier Lebensjahren informiert. Wir haben mit Sozialpädagogin Cathrin Fürst über das Abenteuer Eltern-Sein gesprochen.

Was ist der wichtigste Tipp, den Sie für Eltern haben?

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Cathrin Fürst: Es wäre schön, wenn es Eltern gelänge, die Aufgabe Elternsein als Geschenk anzusehen und dabei unaufgeregt zu sein. Vieles ist ganz normal, was ein Kind macht. Die Eltern sollten dem Kind immer zeigen, dass sie für es da sind. Die unterschiedlichen Entwicklungsstufen sind für alle Beteiligten eine Herausforderung – einen selbst, den Partner, das Kind. Aber jedes Kind ist anders und ändert sein Verhalten im Laufe der verschiedenen Stufen auch ganz oft. Wir wollen den Eltern zeigen, welche Fähigkeiten und Stärken in jedem von ihnen stecken. Eltern sollten auch viel auf ihr Bauchgefühl hören. Es ist wichtig, sich auf das Kind einzulassen, seine Wünsche und Bedürfnisse deuten zu lernen und dabei als Eltern einen für die eigene Familie passenden Weg der Erziehung zu finden.

Wer soll mit dem Workshop angesprochen werden?

Fürst: Unsere Zielgruppe sind alle Eltern und nicht nur Mütter und Väter, die bereits in einer Problemlage sind. Wir wollen die unterschiedlichen Entwicklungsphasen von Kindern in den erst vier Jahren ansprechen; das heißt, die Herausforderungen aber natürlich auch die schönen Gegebenheiten herausarbeiten. Es ist eine Mischung aus Bildung und gemeinsamem Erleben. Die Teilnehmer können Fragen einbringen, über Alltagserfahrungen sprechen und sich gegenseitig austauschen. Denn die Eltern sind die Experten ihrer Kinder.

Auch für die Eltern verändert sich in dieser Zeit vieles

Wie viele Entwicklungsphasen gibt es eigentlich bei Kindern?

Fürst: Entwicklungspsychologisch betrachtet lernt ein Kind zu keiner anderen Zeit mehr neue Dinge als in den ersten vier Lebensjahren. Es lernt beispielsweise krabbeln, gehen und sprechen, selbstständig essen, seine Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Aber nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern verändert sich in dieser Zeit vieles – das Leben eines Paares, wenn es zum Elternpaar wird. Was passiert, wenn man das erste Mal loslässt und das Kind in die Krippe kommt? Wie verändert ein Geschwisterchen das Leben des Kindes? Wie ist das mit dem Sauberwerden? Das alles ist manchmal ein anstrengendes Abenteuer.

Welche Phase bereitet den Eltern am meisten Probleme?

Fürst: Ich möchte es nicht als Probleme, sondern als Herausforderungen bezeichnen, denn wir wollen lieber in Lösungen denken. Sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern ist jede Entwicklungsstufe neu und man muss erst „hineinwachsen“, Manche Eltern stehen in den ersten Monaten vor der Herausforderung, dass das Kind dauernd schreit. Es gibt auch Väter, die am Anfang Angst davor haben, dass sie das Kind „kaputt machen“. Bei anderen Eltern wird es schwierig, wenn ihr Kind die ersten Zähne bekommt oder in die Krippe oder in den Kindergarten geht. Trotz dieser Herausforderungen darf man die vielen schönen Glücksmomente nicht vergessen. Erwachsene sollten sich bewusst sein, was sie gemeinsam schon alles erreicht und überstanden haben.

Ein Überangebot an Erziehungsratgebern

Was hat sich in der Erziehung in den vergangenen Generationen geändert?

Fürst: Es gibt Veränderungen in der familiären Strukturen wie zum Beispiel weniger Großfamilien. Kinder werden früh fremdbetreut und müssen dementsprechend früher in einer Gruppe zurechtkommen. Sie lernen jetzt also mehr von draußen und nicht mehr so viel in der Familie. Viele Eltern sind heutzutage durch das Überangebot an Erziehungsratgebern aber auch verunsichert oder gar verwirrt. Hinzu kommt die Doppelbelastung von Beruf und Erziehung. Früher war meist die Frau daheim und für die Erziehung verantwortlich. Inzwischen arbeiten viele Mütter und die Väter übernehmen immer mehr Erziehungsverantwortung.

Konflikte gibt es bei der Erziehung zuweilen auch mit den Großeltern. Wie kann man dem entgegentreten?

Fürst: Großeltern können eine gute Ergänzung bei der Erziehung sein. Jeder weiß, wie gut dass die eigenen Eltern bei einem selbst hinbekommen haben. Das Wissen der Großeltern kann man nutzen und sich von ihnen einen Rat holen.

Erwachsene sollen berechenbar sein

Ist die Gefahr nicht groß, dass bei einem etwas erlaubt ist und beim anderen nicht?

Fürst: Kinder können sehr gut unterscheiden, dass bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Dinge erlaubt sind. Gerade bei Großeltern dürfen Kinder meist etwas mehr – und das ist auch in Ordnung. Man sollte als Erwachsener allerdings klare Vorgaben machen, berechenbar sein und die Kinder mit Liebe erziehen. Es sollte auf keinen Fall zu einer Konkurrenz zwischen den Erziehenden kommen. Bei wichtigen Dingen sollten sich die Erwachsenen absprechen, gerade die Eltern.

Eine Frage, die viele beschäftigt, lautet: Soll das Kind bei den Eltern im Bett schlafen?

Fürst: Da gibt es keine Generalantwort. Ich sage immer: Was sich für einen nicht gut anfühlt, sollte man nicht machen. Eltern sollten versuchen zu verstehen, warum das Kind das gerade jetzt möchte und diese ganz besondere Nähe sucht. Aus meiner Sicht könnte es durchaus okay sein, wenn das Kind zeitlich begrenzt im Bett der Eltern ist – zum Beispiel wenn es in die Krippe kommt und deswegen verunsichert ist.

Wie sollten Eltern bei einem Quengeln reagieren?

Fürst: Da ist es ähnlich wie beim Schlafen. Es kann 1000 Gründe geben, warum ein Kleinkind schreit. Hat es Schmerzen? Und wenn ja, wo? Hat es Hunger? Ist es müde? Eltern müssen lernen, die Signale richtig zu deuten und in diese Aufgabe hineinwachsen.

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Ein Artikel von
Michael Lindner

Schwabmünchner Allgemeine
Ressort: Lokales

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