Sonntag, 17. Dezember 2017

16. September 2017 08:25 Uhr

FC Augsburg

Marcel Heller - ein Profi, der nie einer werden wollte

Marcel Heller spielte noch als A-Jugendlicher bei seinem Heimatverein. Er hatte einfach nur Spaß am Fußball. Dass er den auch im Profigeschäft hat, ist für ihn ganz wichtig.

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Marcel Heller kann sich unglaublich schnell auf eine neue Situation umstellen. Nicht nur auf dem Platz. Der ehemalige Darmstädter hat bewiesen, dass er dies auch im wahren Leben beherrscht. Auf der turnusmäßigen Pressekonferenz vor der Partie des FC Augsburg bei Eintracht Frankfurt kamen Fragen eines Journalisten auf Heller zu, mit denen er eher nicht gerechnet hat.

Grund war ein Interview, dass Frankfurts Star Kevin-Prince Boateng in Die Welt gegeben hat. Boateng zeigte kürzlich beim Torjubel ein T-Shirt mit der Nummer 34. Die trug auch der Amsterdamer Abdelhak Nouri, der vor zwei Monaten in einem Testspiel gegen Werder Bremen eine Herzattacke erlitt und bleibende Schäden davontrug.

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Im Interview verglich Boateng jetzt Fußballer mit „Robotern“. Darin greift er vor allem die Medien an. Boateng sagt unter anderem, dass der Selbstmord des ehemaligen Nationaltorwarts Robert Enke (2009) auch „zu einem Prozent mit der Presse und dem ganzen Trubel zu tun hat“. Boateng gestand, dass es auch bei ihm Tage gab, an denen er gesagt habe, dass er nicht mehr könne. Es gab weitere emotionale Antworten von Boateng: „Es kann ja mal passieren, dass du schlecht spielst. Note Sechs? Okay, die habe ich verdient. Aber es werden persönliche Sachen geschrieben, die dir wehtun. Das darf nicht sein.“

Am Samstag muss der FCA in Frankfurt gegen das Team von Nico Kovac antreten. Nach dem 3:0 Heimsieg gegen Köln haben die Augsburger großes Selbstbewusstsein getankt und wollen die Herausforderung annehmen.

Marcel Heller: "Immer eine Riesenerwartungshaltung"

Der Fragesteller wollte von Heller wissen, was er von den Aussagen Boatengs hält. „Das ist schwer und muss jeder Einzelne für sich entscheiden. Von außen heißt es immer, wie schön es sein muss, Profifußballer zu sein, aber die meisten wissen nicht, unter welchem Druck man da manchmal steht. Da ist immer eine Riesenerwartungshaltung.“

Heller selbst hatte damit noch keine Probleme: „Persönlich bin ich mit der Situation bisher gut zurechtgekommen. Aber ich kenne einige, die ziemlich unter Druck stehen oder standen. Das hat sich dann auch gewaltig auf die Leistung ausgewirkt.“ Der 31-jährige Stürmer versucht, das zu erklären: „Du bist im Kopf so eingestellt, dass du Leistung bringen musst. Wenn du keine bringst, spielst du auch nicht. Das ist schwer, damit umzugehen. Vor allem wenn du weißt, wenn du einmal schlecht spielst, dann spielst du im nächsten Spiel nicht mehr.“

Große Ratschläge kann aber auch Heller nicht geben: „Das ist in wenigen Worten nur schwer zu sagen. Für dieses Thema würde man mehr Zeit benötigen, aber ich denke, das hat auch viel mit Abschalten oder mit Ablenkung zu tun.“ Der Umgang mit den Medien war bisher für Heller okay. Auch in Augsburg? „Ich bin ja noch nicht so lange hier. Es ist aber in Ordnung und von meiner Seite kann es auch so bleiben, wie es ist“, so Heller.

Baum über Heller: "Gut in Augsburg angekommen"

Er macht den Eindruck, dass er mit beiden Beinen fest im Leben steht. Vielleicht liegt das auch daran, dass der ehemalige U-21-Nationalspieler lange gar nicht den Wunsch hatte, Profifußballer zu werden. „Ich habe früher nur mit meinen Freunden gekickt und habe bis zur A-Jugend nur für meinen Dorfverein gespielt. Dabei wollte ich nur Spaß haben. Ich hatte nie das Ziel, Profi zu werden. Am Ende hat es sich aus dem Spaß aber doch zum Profifußball entwickelt.“

Wenn nichts schiefläuft, dürfte der „Spaßfußballer“ Heller am Samstag in der Startaufstellung stehen. Der Ex-Darmstädter empfahl sich jedenfalls zuletzt mit einer starken Leistung beim 3:0-Sieg über den 1. FC Köln. Sein Trainer Manuel Baum hat ihm jedenfalls schon Hoffnungen gemacht: „Marcel hat das zuletzt richtig gut gemacht und gegen Köln für viel Wirbel gesorgt. Er ist gut in Augsburg angekommen.“

Lesen Sie hier mehr zur Rolle von Boateng bei Frankfurt.

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Ein Artikel von
Wolfgang Langner

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

Die Torschützenkönige der Bundesliga