Sonntag, 23. Juli 2017

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Vor gut 130 Jahren war Dinkelsbühl ein kleines, verschlafenes Nest in Mittelfranken. In den Ort lockte wenig. Doch dann kamen junge Maler aus München. Von tmn

Die Kreativen hatten die Akademie der Künste erfolgreich absolviert. Nun waren sie in Franken mit dem Fahrrad unterwegs. Nach ihrer Rückkehr schwärmten sie in ihren Kreisen von der mittelalterlichen Stadt zwischen Nürnberg, Würzburg und Stuttgart, die komplett erhalten war, mit einer Stadtmauer sogar.

 

In München hatte niemand je von dem Ort gehört – doch die Maler machten sich auf ins Abenteuer, Richtung Norden. 1889 war das, zwölf junge Männer ließen sich über den Sommer in der Provinz nieder. Und dann malten sie: Landschaften und Gewässer, Fachwerk, Giebel und Patrizierhäuser. Sie malten, was sie sahen – und das war vielfältig.

Am Schnittpunkt zweier Handelsachsen

Durch Dinkelsbühl führten im Mittelalter zwei wichtige Handelsstraßen, von der See nach Italien und von Worms über Prag nach Krakau. Schon im Jahr 928 wurde der Ort wohl das erste Mal erwähnt.

Reichtum erlangte die Stadt durch die Handwerker – vor allem die Wolltuchmacher und die Schmiede sorgten für Einnahmen. „286 000 Sensen und Sicheln haben sie in alle Welt exportiert“, erzählt Robert Krauß, der die Touristen mit einer Pferdekutsche durch die kopfsteingepflasterte Innenstadt führt. Woher man das so genau weiß? Kein Stück verließ die Stadt, ohne dass Zoll dafür entrichtet wurde.

Das Münster St. Georg gehört bis heute zu den größten gotischen Hallenkirchen, die es in Süddeutschland gibt. Ganz vollendet wurde sie nie, denn auf der Rückseite der Sakristei sollte ein 100 Meter hoher Glockenturm entstehen. Dazu kam es nicht. Doch auch der jetzige, 54 Meter hohe Turm, der über 222 Stufen zu erklimmen ist, bietet eine gute Aussicht über die dicht bebaute Stadt mit ihren bunten Häusern und schmalen Straßen.

Schwedischer Angreifer mit weichem Herz

1632, so ist überliefert, stand ein schwedischer Obrist vor den Stadtmauern. Der Schwede bedrängte die Stadt – und die Räte waren sich nicht einig, ob man kämpfen oder sich ergeben sollte. Doch die Entscheidung hing am Ende nicht von den Räten ab, sondern von ein paar Kindern, die die „Kinder-Lore“ flugs eingesammelt hat. Zusammen mit ihnen stellte sich die junge Frau dem Obristen des Schwedenkönigs. Die Kinder rührten den Krieger demnach so, dass er die Stadt zwar einnahm, es aber keine Zerstörung oder Plünderung gab.

Diese Geschichte ist zwar nicht historisch belegt – aber sie ist bis heute die Grundlage für die Kinderzeche, eines der größten Feste der Stadt. Jedes Jahr wird das Ereignis nachgespielt, mehr als 1000 Dinkelsbühler sind dann auf den Beinen und spielen mit.

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