Sonntag, 24. September 2017

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Formentera ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, nachdem die Insel noch in den 70er-Jahren fest in der Hand deutscher Touristen war. Die Insel ist längt kein Geheimtipp mehr - außer in der Vorsaison.

«Heute kommen wir hier nicht rum», sagt Asier Fernández. Die Flagge an der Spitze der sandigen Landzunge von Es Trucador zeigt Rot. Dort, wo sich das Wasser kräuselt, entstehen Schaumkronen. Die Stelle ist für das kleine Schlauchboot im Moment nicht schiffbar. Fernández zeigt Touristen regelmäßig die Inselwelt, auch den Ableger Formenteras, die kleine Privatinsel Espalmador. An diesem Tag aber verbieten die Turbulenzen in Meerenge die Passage. Dabei kann bei ruhiger See sogar zu Fuß durch das flache Wasser von Insel zu Insel gewatet werden, auch wenn die Behörden immer wieder vor den unberechenbaren Strömungen warnen.

In der Vorsaison, die auf Formentera bis Ende Mai geht, kommt niemand auf diese Idee. Noch muss auch kein Tourist auf die ausgelagerten Strände Espalmadors flüchten, die Formenteras bekannten Sandabschnitten im Norden in nichts nachstehen. Sobald die Temperaturen auf sommerliche Werte klettern, sieht das anders aus: Jährlich fallen nach Angaben der Tourismusbehörde rund 800 000 Touristen über die kleinste Baleareninsel her.

Es geht ruhig zu - bis die Temperaturen steigen

Bis auf zwei Stand-up-Paddler, die der Gruppe im Schlauchboot begegnen, ist heute weit und breit kein Mensch zu sehen. Im Sommer dagegen ankern die Jachten Seite an Seite, sagt Touristenführer Miguel Tur: «Arabische Ölscheichs stoppen hier oder russische Oligarchen.» Im «Es Molí de Sal», einem Fischrestaurant der Spitzenklasse, soll sogar schon häufiger der ehemalige spanische König Juan Carlos I. getafelt haben.

Doch von Formenteras elitärer Seite ist im Moment nichts zu spüren. Einfache Touristen haben die Insel fast für sich. Die Ausflügler im motorisierten Schlauchboot steuern die erste Bucht von Formenteras kleiner Schwester an. Fernández lässt den Anker ins seichte Türkis rasseln. Obwohl Espalmador ein Privateiland ist, darf es wie jede Küste von jedermann besucht werden. «Im Abstand von 200 Metern zum Strand bleibt das Land öffentlich nutzbar, das schreibt ein Gesetz vor», erläutert der Skipper.

Das Wasser ist kalt, die Strände sind leer

Die Füße gleiten in das noch nordseekalte, knietiefe Wasser. Das von kurzärmeligen Neoprenanzügen gewärmte Grüppchen watet zum verwaisten Strand, auf dem tausende tennisballgroße Gebilde herumliegen. «Das sind Seebälle. Sie entstehen aus den Fasern des Neptungrases», sagt Fernández. Die abgestorbenen Blätter verfilzen in der Brandung langsam zu Bällen. Die großen Seegraswiesen zwischen Formentera und Ibiza haben das Gebiet zum Unesco-Welterbe gemacht.

«Neptungras bindet doppelt so viel CO2 wie eine gleich große Fläche Amazonas-Regenwald», erklärt der Skipper. Die Unterwasserwiesen sind für Formenteras fast karibisch anmutende Strände verantwortlich. Sie filtern das Wasser und schützen die Küsten vor Erosion. Welchen Effekt das hat, darüber staunen all die Touristen, die eine solche Sandlandschaft im Mittelmeer nicht für möglich gehalten hätten. (dpa)

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