Dienstag, 19. September 2017

24. August 2012 12:01 Uhr

Ausbildung

Azubis wollen nicht zum Metzger oder Bäcker

Viele Schulabgänger haben kein Interesse für Beruf in der Nahrungsmittelbranche

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Dillingen/Buttenwiesen Noch zehn Tage, dann beginnt das neue Ausbildungsjahr. Viele Betriebe im heimischen Handwerk freuen sich auf die neuen Lehrlinge. Andere wiederum finden keine. Vor allem die Nahrungsmittelbranche tut sich schwer. Hans Jürgen Graf, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordschwaben mit Sitz in Dillingen ist vor allem in Sorge um die Metzgereien und Bäckereien in der Region. Auszubildende für Fachverkäuferin in diesen beiden Berufsgruppen seien kaum zu bekommen. Auch das Interesse bei den Jugendlichen, den Metzgerberuf zu erlernen, werde von Jahr zu Jahr geringer.

Bis Anfang dieser Woche lagen dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft lediglich vier Ausbildungsverträge vor. Dabei gibt es in den beiden Landkreisen Dillingen und Donau-Ries, für die die Hans Jürgen Graf zuständig ist, insgesamt 54 Meisterbetriebe im Fleischerhandwerk. Zum gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es immerhin noch zwölf Verträge, 2010 gar 19. Ähnlich rückläufig wie beim Ausbildungsberuf Fleischer ist die Situation beim Ausbildungsberuf Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Fleischerei. Für dieses Jahr sind bisher neun Lehrverträge eingegangen, im Vorjahr waren es noch 17. Noch schlechter ist die Situation bei den Bäckern. Bis zum vergangenen Montag waren in Nordschwaben erst vier Lehrverträge für den Beruf zur Fachverkäuferin unterschrieben.

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Das nachlassende Interesse für eine Ausbildung in der Nahrungsmittelbranche liegt nach Ansicht von Hans Jürgen Graf auch am demografischen Wandel. Weil jedes Jahr weniger Bewerber vorhanden sind, hätten die jungen Leute bei der Suche nach einer Lehrstelle die Qual der Wahl. Wer Angebote von mehreren Firmen habe und sich zwischen einem kleinen Familienbetrieb oder Unternehmen wie Eurocopter oder Grünbeck entscheiden könne, der bevorzuge in der Regel den größeren Betrieb, so Graf.

Dabei bezahlen kleine Handwerksbetriebe längst keine Hungerlöhne mehr. „Einer ausgelernten Fleisch- und Wurstverkäuferin zum Beispiel steht laut Tarifvertrag bereits im ersten Jahr nach erfolgreicher Prüfung bei 169 Stunden im Monat ein Bruttogehalt von 1845 Euro zu, das entspricht einem Stundenlohn von 10,92 Euro“, rechnet Hans Jürgen Graf vor. Nahezu identisch sei die Vergütung bei den Verkäuferinnen in den Bäckereien.

Für Metzgermeister Johann Fischer aus Buttenwiesen ist vor allem ein oft falsch dargestelltes Klischee die Ursache, dass Schulabgänger immer weniger Interesse für den Metzgerberuf haben. „Bei uns läuft längst keiner mehr mit einer blutverschmierten Schürze durch den Betrieb“, so der 48-Jährige. Vielmehr sei der Umgang mit Hightech-Maschinen inzwischen gang und gäbe. Im Laden, wo Fischer seine Ware verkauft, kann er keine Verkäuferin brauchen, die Probleme mit dem Rechnen hat. Eine Zwei in Mathematik sollte eine Bewerberin aus der Mittelschule für eine Ausbildung schon vorweisen können.

Gerne würde Fischer in diesem Jahr wieder einen Lehrling einstellen. Doch er bekommt keinen. Und das, obwohl im vergangenen Jahr insgesamt drei Praktikanten im Betrieb waren. Diejenigen, die kurzfristig dann doch Interesse zeigen, seien solche, die von anderen Firmen nicht genommen wurden. „Und jetzt sollen wir den Lückenbüßer spielen?, fragt sich der Metzgermeister. Das mache er nicht noch einmal, nachdem es diesbezüglich schon schlechte Erfahrungen gegeben habe.

Fischer macht sich um die Zukunft seines Handwerks große Sorgen. Die Tatsache, dass im kommenden Berufsschuljahr in Nordschwaben nur noch eine einzige gemischte Klasse für Metzger und Verkäuferinnen gibt, sage alles aus. „Als ich noch zur Berufsschule ging, waren es insgesamt acht Klassen. Je vier für Metzgerlehrlinge und vier für angehende Fachverkäuferinnen“, erinnert sich der Buttenwiesener Geschäftsmann.

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Ein Artikel von
Günther Herdin

Wertinger Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Wertingen

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