Sonntag, 23. Juli 2017

14. Oktober 2008 20:10 Uhr

Für 8,25 Millionen Euro

Augsburg: Ignaz Walter kauft Firmenzentrale zurück

Drei Jahre nach der Pleite von Walter Bau kauft Ignaz Walter die ehemalige Firmenzentrale zurück. Das riesige Gebäude soll wiederbelebt werden. Von Thomas Faulhaber und Christoph Frey

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Gestern, Punkt 13.02 Uhr, war es besiegelt: Für 8,25 Millionen Euro hat Ignaz Walter die ehemalige Firmenzentrale der nach ihm benannten Walter-Bau AG gekauft. Die Pleite des Baukonzerns vor über drei Jahren kostete über 2000 Menschen ihren Job und zog zahlreiche Handwerksbetriebe in den Ruin. Heute noch beschäftigen sich Gerichte mit den Vorgängen. Seit der spektakulären Insolvenz stand die riesige Firmenzentrale im Textilviertel weitgehend leer, nun will der neue, alte Eigentümer sie wiederbeleben.

Walter will die Immobilie, in der einst an die 500 Menschen arbeiteten, erneut als Verwaltungsgebäude nutzen. Einzelheiten nannte er gestern gegenüber unserer Zeitung noch nicht. "Dazu ist es zu früh,", sagte der Unternehmer, der den Banken die Schuld am Zusammenbruch seines Konzerns gibt, welcher vor der Insolvenz fast 10 000 Menschen beschäftigte.

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Lange suchte die Landesbank nach einem Bieter

Die Walter-Hauptverwaltung gegenüber dem ebenfalls Ignaz Walter gehörenden Glaspalast (der jetzt Kunst beherbergt) hatte zuletzt der Bayerischen Landesbank gehört. Diese hatte lange vergeblich versucht, den imposanten Bau loszuschlagen. Zuletzt war bei der Versteigerung nur noch Ignaz Walter als Bieter übrig, dessen Privatvermögen die Unternehmenspleite offenbar weitgehend unbeschadet überstanden hat.

Walters Angaben zufolge kostete der Bau des über 20 000 Quadratmeter fassenden Gebäudekomplexes einst umgerechnet an die 28 Millionen Euro. Schätzungen zufolge liegt der Verkehrswert bei 14,5 Millionen. Mehr als Walter, der am Freitag persönlich zum Versteigerungstermin am Amtsgericht erschienen war, hatte zuletzt niemand geboten.

Aus seiner tiefen Befriedigung über den Kauf machte der Unternehmer im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Hehl: "Das ist eine kleine Genugtuung für die unglaubliche Schweinerei der Bankverbrecher." Diese hätten einem "gesunden Unternehmen die Luft abgedrückt", schimpfte er. Seine nicht unumstrittene Sichtweise hat der gebürtige Augsburger ausführlich im Internet dargestellt (www.prof-walter.de). Unstrittig ist: Wegen eines Finanzierungslochs von 200 Millionen Euro musste einer der größten deutschen Baukonzerne im Februar 2005 die Zahlungsunfähigkeit erklären.

"Schlag ins Gesicht vieler Mitarbeiter"

Die Freude von Ignaz Walter über seinen neuen Besitz kann dagegen Karl Bauer nicht nachvollziehen. Bauer war bis zum bitteren Ende Betriebsratsvorsitzender der Walter-Bau und hat sich vehement für seine Kollegen eingesetzt, die vor dem Aus standen. "Da gab es viele menschliche Schicksale", erinnert er sich.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht vieler Mitarbeiter", sagt Bauer auf Anfrage. Natürlich müsse man trennen zwischen dem Insolvenzverfahren und dem Privatvermögen von Walter, aber über so eine Aktion könne er nur den "Kopf schütteln".

Was Walter mit dem Gebäude vor hat, darüber könne man nur spekulieren, heißt es bei der Stadt. In der Verwaltung gab es früher Überlegungen, das große Gebäude für Behördenzwecke zu nutzen. Doch die pompöse Architektur und der extrem hohe Sanierungsbedarf ließen die Bauverwaltung zurückschrecken. "Auch eine gewisse Portion Eitelkeit" sei da im Spiel, mutmaßte ein Vertreter der Stadtspitze über die Motive des 1936 in Augsburg geborenen Walter, der mit einer Maurerlehre seine Karriere begann.

Mit seiner Firma Walter Beteiligungen und Immobilien AG sitzt der ehemalige Baulöwe Ignaz Walter in bisher angemieteten Büros immer noch in seiner Ex-Firmenzentrale. Als Nachbar hat er einen Mieter, auf den er gar nicht gut zu sprechen ist: den Insolvenzverwalter Werner Schneider. Das könnte sich bald ändern. Das Erste, was Walter machen wird, dürfte die Kündigung des Insolvenzverwalters sein, wird aus gut informierten Kreisen kolportiert.

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Thomas Faulhaber

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