Ballgeflüster vom Augsburger Presseball 2011: Von leuchtenden Cocktails, vermeintlichen Prinzessinnen und einem Veilchen, das keines war.



Blau schweben sie in den Händen der Ballgäste durch die „Blue Bar“: Cocktails, in denen scheinbar blaue Eiswürfel leuchten. Es sind kleine LED-Leuchten, die nicht nur die Flüssigkeit, sondern auch die Besucher strahlen lassen. Der Gastronom Harry Winderl bietet an diesem Abend einen besonderen Drink an. Royal Blue heißt er, passend zum Motto des Abends – Blau. Gin, Blue Curaçao, Zitronensaft, Cranberry-Saft, weißer Rohrzucker und Limette befinden sich in dem Getränk, das zur Hochzeit von Kate Middleton und Prinz William kreiert wurde. 24 Mitarbeiter arbeiten in seinen beiden Bars im Keller, 5800 Gläser hat Winderl im Einsatz, damit sie bei dem Ansturm der Gäste nicht ausgehen.
Thomas Pohl, Oliver Baur und ihr Freundeskreis haben an diesem Abend genug Zeit, einen Cocktail und stimmungsvolle „blaue Stunden“ in der „Blue Bar“ zu genießen. Sie haben sie für sich entdeckt. „Erst einmal einen Schluck trinken, dann tanzen“, lautet ihr Motto – so wie das vieler Gäste. Sie genießen das Ambiente des Textilmuseums, das ganz in blaues Licht getaucht ist, genießen es, in dieser außergewöhnlichen Atmosphäre Leute zu treffen, die ausgefallenen Kleider der Damen zu begutachten, von denen viele das Motto Blau aufgegriffen haben. Die ganze Nacht wollen sie dann aber doch nicht in der Bar verbringen, die im Untergeschoss des Textilmuseums liegt.
Zum Auftritt von Stargast Adel Tawil, der Stimme von „Ich+Ich“, gehen sie nach oben. Hits wie „Vom selben Stern“, „Pflaster“ oder „Stark“ haben ihn berühmt gemacht. Der Auftritt ist eine willkommene Abwechslung für ihn. Seit einigen Wochen ist er wieder im Studio, arbeitet an einem Solo-Album. Augsburg hat er in guter Erinnerung: 2008 gab er hier ein ausverkauftes Konzert und auch im Großen Ballsaal des Textilmuseums springt gleich nach wenigen Liedern der Funke über. Martina Weinert klatscht, singt seine Hits Zeile für Zeile mit. „Für mich ist die Show der Höhepunkt des Abends“, sagt sie.
Während der Show geht es eng zu
Einig ist sie sich da mit vielen. Im Großen Saal geht es während der Show eng zu, auch sonst sind die Tanzflächen immer gut gefüllt. Da hilft das Motto, das Errol Paul sich und seiner Tanzpartnerin Vanessa Lieal für den Abend gegeben hat: „Platz bekommt man nicht, Platz nimmt man sich.“ Mal wieder richtig tanzen zu können, freut viele Gäste an diesem Abend besonders. Und dazu haben sie viel Gelegenheit. Im Großen Saal im ersten Stock des Textilmuseums spielen „Fink & Steinbach“, im Kleinen Ballsaal im Erdgeschoss Michael Gans’ Band „Smile“, Dena Davies und Roald Raschner im Restaurant „nunò“ und „Lounge and the City“ (Camillo und Bastian Walcher sowie Tina Frank) in der Blue Bar.
Die vielen Räume, die unterschiedlichen Stile schätzt eine Besucherin, die wegen ihres Outfits für viel Aufsehen auf dem Ball sorgt: Julia Diederich. Mit einem glitzernden Diadem im Haar und einem weißen Kleid mit weit schwingendem Rock tanzt die junge Frau wie eine Prinzessin durch den Abend. „Nein, das ist kein Brautkleid“, erzählt sie, als sie sich im Schminkservice der Parfümerie Naegele von dem Visagisten Thomas Schuster das passende Make-up auftragen lässt. Die Freiburgerin liebt Bälle, geht auch auf den Wiener Opernball, und das nicht nur von Berufs wegen. Sie ist Eventmanagerin und leitet eine Gala-Bigband. Der Augsburger Presseball hat es ihr wegen seiner „weiten Atmosphäre“ angetan. „Er kann mit großen Bällen mithalten“, lobt sie.
Flair wissen viele zu schätzen
Dieses Flair wissen viele zu schätzen, darunter Stammgäste, die der Veranstaltung seit Jahren treu sind. Doch auch bei jungen Leuten sind Bälle wieder sichtlich „in“. Jessica Renner und Pierre Sauer zählen dazu. „Es macht Spaß, sich schön anzuziehen, in elegantem Kleid bzw. mit Fliege“, sagen sie. Der Farbe Blau sind sie nicht gefolgt. Jessica Renner trägt edles Violett. Das Kleid hatte sie für eine Aufführung von „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen gekauft.
Karlie Wasser aus Augsburg trägt dagegen die Farbe des Abends im Gesicht: Sie hat sich ein blaues Auge gemalt, noch etwas Spitze darunter gelegt – ein Hingucker des Abends. „Von der Farbwahl hab ich erst erfahren, als ich mir bereits ein beiges Ballkleid gekauft hatte. Auf einen blauen Farbtupfer wollte ich dennoch nicht verzichten“, sagt sie.
Blaue Servietten, blaue Seife, der blaue Teppich oder die durchdringende blaue Beleuchtung – die ausgetüftelte Dekoration ist auch in diesem Jahr ein Bonbon für die Gäste. Ursula Baier Pickartz, die neue Leiterin des zentralen Stadtmarketings, genießt diese blauen Stunden sehr. Eine Farbe, die sich ausgesprochen gut für einen Ball eignet, wie sie sagt. Sie muss es wissen: Sie organisierte unter anderem den Opernball mit dem Motto „Ja, das Meer ist blau, so blau“.
Blau, das ist auch die Lieblingsfarbe von Willi Peter Ihle. „Mein Lehrer Herr Krug fragte mich in der ersten Klasse, was meine Lieblingsfarbe sei. Ich sagte Blau. Das hat sich seither nicht geändert“, so der Geschäftsführer der Bäckerei Ihle.
Ein blaues Bild von Miró hat Tourismusdirektor Götz Beck bereits in jungen Jahren für sich eingenommen. Seither ist für ihn die Farbe Blau etwas ganz Besonderes – genauso wie der Augsburger Presseball.
Ein großes Kompliment zollt Beck, der für die Kongresshalle verantwortlich ist, den Organisatoren. „Mit viel Leidenschaft haben sie das tim mit Ball-Atmosphäre gefüllt. Aber ich freue mich schon auf den Jubiläums-Presseball in der frisch sanierten Kongresshalle im nächsten Jahr. Das wird bombastisch.“
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