Mittwoch, 18. Oktober 2017

21. April 2017 00:35 Uhr

Römisches Museum

Die Legionen stehen vor und in Augsburg

Paula Print und die Kinder hören von Kaiser Augustus, von Raufbolden, schweren Kettenhemden, der Art sich zu schminken, leichtem Schuhwerk und schwerem Gepäck Von Paula Print und Peter K. Köhler

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Paula Print liest gerne. Besonders gerne mag sie es, wenn Texte in Sprechblasen stehen und mit Bildern unterlegt sind. So kommt es oft vor, dass sie so gefesselt von einer Geschichte ist, dass sie ein fünfmaliges „Paaaauuula“ total überhört. Etwas kleinlaut ruft sie dann in die Küche zurück: „Ich kann grad nicht, die Legionen stehen vor Augsburg.“

Von den Abenteuern der Comic-Helden Asterix und Obelix kann sie, wie sie meint, außerdem eine ganze Menge lernen. Vor allem als Augsburgerin. Denn beide haben gerne mit römischen Soldaten gerauft. Es war auch ein römisches Heer, das die Stadt vor mehr als 2000 Jahren gegründet hat. Eigentlich sei Augsburg anfangs nur ein Militärlager gewesen, in dem die Soldaten lebten, erfährt sie. Es sei dort angesiedelt gewesen, wo heute Oberhausen ist. Woher die Zeitungsente Paula Print das weiß? Sie hat die Führung „Von den alten Römern...“ im Römischen Museum mitgemacht.

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Und die Soldaten sind nicht ganz zufällig hierher gekommen, heißt es dort. Es war Augustus, der Kaiser von Rom und dem riesigen Römischen Reich, der ihnen den Befehl gegeben hat, die Rätern und Vindeliker zu vertreiben, die damals in unserer Gegend gelebt haben. Denn die Römer wollten die ganze Welt beherrschen, und da fehlten ihnen noch etliche Gebiete.

Ein solches Reich konnten natürlich nicht nur echte Römer erobern und besetzen. „Ziemlich sicher waren hier auch Soldaten aus Ägypten, Spanien und anderen Ländern, die längst unter römischen Herrschaft standen“, erzählte die Museumsführerin Elena Betz.

Das Lager nannten die Soldaten „Augusta Vindelicorum“ – „Augusta“ zu Ehren des Kaisers, „Vindelicorum“, weil es im Gebiet der Vindeliker lag. Ganz einfach also. Den Ort nannte man, als die Römer wieder abgezogen waren „Augustusburg“ und später Augsburg, wie es heute noch heißt.

Für die Soldaten war es eine arge Schinderei, aus Italien bis zu uns zu kommen. Denn sie hatten nur ein paar Karren für ihre Vorräte, die Männer mussten den ganzen langen Weg zu Fuß gehen, auch über die Alpen. Da gab es damals noch keine bequemen Passstraßen.

Die Soldaten hatten nicht einmal gute Stiefel, sondern nur Sandalen, die sie mit Lederriemen schnüren mussten. Wenigstens waren an den Sohlen mehrere Stollen befestigt, ähnlich, wie bei Fußballschuhen denkt Paula und schaut sich ihre Füße genauer an.

Damit sind sie beim Gehen sicher nicht so leicht ausgerutscht. Trotzdem steht auch für Klarissa fest: „Die Römer spinnen ja wirklich.“ Denn mit solchen Schuhen könne man doch nur im Sommer laufen. ...und in den Bergen schon gar nicht“, ergänzt sich Paula ihren Teil. Wenn es im Winter schneie, da sind sich Klarissa und Paula einig, bekomme man mit solchem Schuhwerk außerdem sofort eine zünftige Erkältung.

Doch bei den Soldaten im Museum gab es noch mehr zu sehen. Eine mannshohe Figur trägt zum Beispiel ein Kettenhemd. Das sieht aus wie ein Pullover, für den man statt Wolle Draht verwendet hat. Der schützte die Soldaten vor den Waffen der Feinde. „Der sieht aber schon sehr schwer aus“, findet Jokel. Elena gibt ihm recht: „Die Ausrüstung der Soldaten mit Kettenhemd, zwei Schwertern, Helm und anderen Sachen wog über 30 Kilogramm. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie sie mit dem schweren Gepäck noch kämpfen konnten.“

Doch das Leben in Augsburg hatte auch schönere Seiten. Die Frauen kannten zum Beispiel bereits Kosmetik und konnten ihre Haare färben. Doch als Elena ein paar Beispiele erzählt, verziehen die Kinder angewidert ihre Augen: Holzkohle als Wimperntusche oder Lippenstift aus Ochsenblut – „nein, das muss man nicht haben“, stellt Serafina entschieden fest. Und Paula fällt dabei der Spruch ein, dass leiden muss, wer schön sein will. „Naja“, denkt sie sich, „mein Schnabel ist und bleibt immer orange.“

Ob auch Augustus geschminkt war, weiß man nicht. Geschadet hätte es ihm nicht. Denn die große Figur auf den Brunnen beim Rathaus, zeigt den Kaiser laut Elena Betz bestimmt nicht naturgetreu: Er sei sehr klein gewesen und habe unreine, schlechte Haut gehabt. „Also bekamen die Künstler den Auftrag, den Augustus so darzustellen, wie man sich einen Kaiser vorstellt, also groß, stark und schön.“

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