Sonntag, 19. November 2017

13. November 2017 19:29 Uhr

Augsburg

Ledvance schließt Werk in Augsburg - Mitarbeiter sind wütend

Ledvance schließt das Werk in Augsburg schrittweise bis Ende 2019. Rund 650 Mitarbeiter sind betroffen - die wütend und enttäuscht reagieren.

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Das Ledvance-Werk in Augsburg wird geschlossen.
Foto: Stefan Puchner, dpa (Symbolbild)

Nach 15 Minuten war bei der Mitarbeiterversammlung am Montagnachmittag alles vorbei. Danach hatten die rund 650 Beschäftigten des Ledvance-Werks in Augsburg Gewissheit: Der ehemalige Osram-Standort wird Ende 2018 geschlossen, der Bereich Maschinenbau soll 2019 folgen. Wie es mit der Logistik und den dort rund 100 Beschäftigten weitergeht, müsse noch erörtert werden. Hier will Ledvance erst ein europaweites Konzept erstellen, ehe Aussagen getroffen werden.

Klar ist aber, dass Ledvance bundesweit 1300 Arbeitsplätze abbauen will. Das Unternehmen rechnet bis 2025 mit einem Rückgang des Marktvolumens im traditionellen Geschäft von nahezu 90 Prozent. Die rapide sinkende Nachfrage nach traditionellen Produkten erfordere daher tiefe Einschnitte.

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Was das für die Mitarbeiter bedeutet, wollte Jes Munk Hansen, Vorsitzender der Ledvance-Geschäftsführung, nicht sagen. „Er ist auf Nachfragen nicht eingegangen und hat dann unter Buh-Rufen den Raum verlassen“, schildert Angela Steinecker, Unternehmensbeauftragte der IG Metall, die emotionalen Momente.

Ledvance-Mitarbeiter wütend: "Die Gefühle fahren Achterbahn"

Als die Ledvance-Beschäftigten kurz vor zwei Uhr die Mitarbeiterversammlung verlassen, sind die Gesichter verkniffen, viele haben sich angesichts des Wetters und der Stimmung tief in ihre Jacken vergraben. „Ohne Worte“, ruft ein Mann in Richtung der Medienvertreter, ehe er in sein Auto steigt. „Ich habe keine Lust, mich über dieses Vorgehen zu äußern“, sagt ein anderer.

Die Stimmung vor Ort schwankt zwischen Wut und Enttäuschung. „Ich bin seit 30 Jahren im Unternehmen, habe immer wieder gezittert, wie es wohl weitergeht. Jetzt ist klar, dass es aus ist. Das kann man kaum glauben“, sagt Christian Bank. Wie es für ihn weitergeht, wisse er noch nicht.

So geht es auch Peter Wyschetzki: „Die Gefühle fahren Achterbahn, ich muss erst einmal überlegen, was ich tue, um noch das Beste aus der Situation zu machen.“

 

Mehr verärgert denn enttäuscht ist dagegen Galip Tirisan: „Das war doch von Anfang an klar, dass die den Standort zumachen wollen. Denen ging es doch nur um die Patente“, ärgert er sich. Bis 2016 trug das Unternehmen den Namen Osram. Dann wurde die Tochtergesellschaft Ledvance gegründet, die schließlich vom chinesischen Konsortium MLS gekauft wurde.

Für zwei junge Ledvance-Mitarbeiter, die ihre Namen nicht veröffentlicht sehen möchten, ist das Aus am Standort eine bittere Enttäuschung. „Wir sind im September noch als neue Azubis eingestellt worden“, erzählt ein junger Mann. „Da hat man noch damit geworben, dass das hier eine der besten Ausbildungsstellen zum Industriekaufmann sein soll. Und es gab den Slogan: Ausbildung sicher abschließen.“ Wie es jetzt für sie weitergehe, wissen sie nicht. Auf der Betriebsversammlung sei nichts dazu gesagt worden.

 

IG Metall will Schließung des Augsburger Ledvance-Werks nicht akzeptieren

Ein Vorgehen, dass die IG Metall aufs schärfste verurteilt. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man so agieren kann. Das ist bodenlos“, sagt IG-Metallvertreterin Angela Steinecker. Die Menschen hätten nach all den Querelen um den Standort in den vergangenen Jahren mehr verdient als die nackte Auskunft, dass Ende 2018 beziehungsweise 2019 Schluss sei.

Abgesehen davon werde die IG Metall die Schließung auch nicht akzeptieren: „Die Menschen, die jetzt noch hier am Standort sind und seit Jahren für dessen Erhalt gekämpft haben, brauchen den Job und wollen arbeiten“, so Michael Leppek, erster Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg. Andreas Jakob, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, ergänzt: „Wir würden den Wandel schaffen und haben schon die entsprechenden Produkte dafür.“ Eine Schließung des Werks als einzige Alternative sei daher inakzeptabel.

Die 650 Ledvance-Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft

Wie es für die 650 betroffenen Mitarbeiter nun weitergeht, bleibt vorerst ungewiss. Die IG Metall will in den kommenden Wochen Gespräche führen und Alternativkonzepte erarbeiten. Oberbürgermister Kurt Gribl hatte bereits am Freitag angekündigt, einen runden Tisch mit der Arbeitsagentur, den Wirtschaftskammern und der Gewerkschaft einzuberufen und so das bewährte Hilfsangebot „Allianz der Arbeit“ zu leisten. Klar ist auch, dass mancher Mitarbeiter bereits seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sondiert.

Ein Wechsel in ein anders Ledvance-Werk scheint dabei ausgeschlossen, denn auch in Eichstätt und Wipperfürth sollen bis 2021 rund 300 Arbeitsplätze angebaut werden. Eine Rückkehrmöglichkeit zur früheren Konzernmutter Osram hält ein Kenner des Unternehmens mangels Stellenausschreibungen und unterschiedlicher Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter für wenig erfolgversprechend. Das hohe Niveau der Fachkräfte aus Augsburg könnte jedoch dafür sorgen, dass diese bei anderen Unternehmen gute Chancen auf einen Neuanfang hätten. Auch die rund 200 ungelernten Mitarbeiter, die es laut Recherche unserer Redaktion bei Ledvance gibt, könnten angesichts der Wirtschaftslage wieder Arbeit finden. Die Leiterin der Agentur für Arbeit in Augsburg, Elsa Koller-Knedlik, hat bereits ihre Hilfe angeboten. „Wir stehen bereit und unterstützen, wo wir können.“

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Andrea Wenzel

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