Sonntag, 30. April 2017

25. Dezember 2016 19:25 Uhr

Fliegerbombe in Augsburg

Nach dreieinhalb Stunden war es geschafft

Die erlösende Nachricht kam um 18.50 Uhr: Die Sprengmeister haben die Bombe entschärft. Ihr Job dauerte dreieinhalb Stunden. Eine Zeit, in der Augsburg den Atem angehalten hat.

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Die Stunden bis zur Entschärfung verbrachten nicht nur Polizisten, Rettungskräfte und Stadtspitze in Anspannung. Viele Bürger verbrachten diese Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer, um sich über den Stand der Dinge auf dem Laufenden zu halten. Doch am Ende blieb allen nur eines: abzuwarten. „Das ist auch für mich die Phase, die persönlich am schwierigsten ist – abzuwarten und nichts tun zu können“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl.

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Die Evakuierung der Schutzzone hatte am Sonntag mehr Zeit in Anspruch genommen, als ursprünglich geplant. Die Nachricht, dass das Gebiet evakuiert ist, kam erst kurz nach 15 Uhr. Die Stadt war zunächst davon ausgegangen, dass dieser Prozess bis 12 Uhr abgeschlossen sein könnte. Warum es länger dauerte? Die Rettungskräfte mussten mehr gehbehinderte und bettlägerige Menschen abholen, als sich ursprünglich angemeldet hatten. „Alles, was planbar war, lief aber auch nach Plan“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Der Fund der 1,8 Tonnen schweren Bombe hatte die Augsburger tagelang beschäftigt. Sie lag knapp unter der Oberfläche eines Geländes nahe des Jakobertors, entdeckt worden war sie bei Bauarbeiten für eine Tiefgarage. Hätten die Baggerfahrer einen der drei Zünder erwischt und der Sprengkörper wäre detoniert – die Folgen wären wohl verheerend gewesen.

Fliegerbombe macht Weihnachtsfest zum  Ausnahmezustand

Für viele Augsburger, aber auch für rund 4000 Polizisten und Hilfskräfte aus ganz Bayern war es ein Weihnachtsfest im Ausnahmezustand: Anstatt mit ihren Familien zu feiern, fuhren manche bereits in der Nacht auf Sonntag los nach Augsburg, um rechtzeitig zum Start der Evakuierung da zu sein. Die 54000 Bewohner der Schutzzone in der Innenstadt mussten umplanen und organisieren, wo und wie sie diesen ersten Weihnachtsfeiertag verbringen können. Doch obwohl so viele Menschen betroffen waren, mussten die wenigsten in die Notunterkünfte ausweichen, die die Stadt zur Verfügung gestellt hatte.

 

Die Augsburger Stadtgesellschaft ist an diesem Weihnachtsfest zusammengerückt. Viele öffneten ihre Wohnungen für Fremde und boten ihnen an, den ersten Weihnachtsfeiertag mit ihnen zu verbringen. Kirchengemeinden öffneten ihre Pfarrheime, zahlreiche Einrichtungen boten ihre Räume an, um Bewohnern der Schutzzone „Obdach“ zu geben. Busfahrer der Stadtwerke, Pfleger in Altenheimen und Krankenhäusern und viele andere hatten sich für diesen außergewöhnlichen Feiertag freiwillig zum Dienst gemeldet. „Denn wir sind Augsburger – zusammenstehen“ – das Motto, das die Stadt ausgegeben hatte, wurde am Sonntag in die Tat umgesetzt.

„Ich bin überwältigt von der Kulisse an Hilfsbereitschaft, die in der letzten Woche bemerkbar war“, betonte Oberbürgermeister Kurt Gribl am Sonntagnachmittag. Dies sei für ihn die Weihnachtsbotschaft dieses Jahres.

Bis wieder Ruhe einkehrt in der Stadt, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Während Privatpersonen am Sonntag bereits kurz nach der Entschärfung wieder in ihre Wohnungen zurückkehren konnten, müssen sich viele Bewohner von Heimen noch gedulden. Sie können wohl erst am Montag wieder zurückgebracht werden. Ein Fakt, der unter anderem der Koordinierung der zahlreichen Rettungsfahrzeuge geschuldet ist. Die Bombe selbst wird im Lauf der kommenden Woche aus Augsburg abtransportiert.

Die größte Evakuierungsaktion in Deutschland seit der Nachkriegszeit sorgte am Weihnachtswochenende nicht nur deutschlandweit für Schlagzeilen. Auch die britische Rundfunkanstalt BBC berichtete über die außergewöhnliche Situation.

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Augsburg | Kurt Gribl | Deutschland

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Nicole Prestle

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