Kampfansage an Radl-Rowdys: Die Behörden in Augsburg kündigen Schwerpunktkontrollen an. Von einer Kennzeichenpflicht halten Praktiker wenig. Von Stefan Krog
Polizei und Stadt kündigen für dieses Frühjahr wieder Radler-Schwerpunktkontrollen an Radwegen und Problemstellen wie dem Hochablass an: Die Polizisten und Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes haben es vor allem auf Geister- und Gehwegradler abgesehen. Zwar scheint es, dass sich der sprunghafte Anstieg an Unfällen mit Radler-Beteiligung vom vergangenen Jahr nicht fortsetzt, aber die Unfallzahlen seien immer noch zu hoch, so die Polizei. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) warnt unterdessen davor, nur auf Strafen zu setzen. Nötig seien auch Verbesserungen bei Radwegen.
Zwischen 150.000 und 170.000 Fahrräder dürfte es in Augsburg geben, wenn man bundesweite Zahlen auf die Einwohnerzahl der Stadt umrechnet – das sind mehr als die hier gemeldeten 116.000 Pkw. Vergangenes Jahr wurden 5800 Radler von der Polizei kontrolliert, bei fast der Hälfte wurden Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Das geht von der fehlenden Beleuchtung bis hin zum Benutzen von Radwegen in falscher Richtung. Auch das Telefonieren mit dem Handy beim Fahren fällt darunter. Hier gab es übrigens eine Zunahme um 13 Prozent.
Von den Mitarbeitern des städtischen Ordnungsdienstes kamen weitere 1400 Verwarnungen dazu – mündliche Ermahnungen nicht mit eingerechnet. „Der Großteil der Radler hält sich an die Regeln, aber es gibt eben auch die Radlrambos“, sagt Ordnungsreferent Volker Ullrich (CSU).
Das Problem ist altbekannt, doch vergangenes Jahr gab es mit 1317 Radlerunfällen im Gebiet des Polizeipräsidiums eine Steigerung um 36,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ob es daran liegt, dass sich die Radler weniger an Regeln halten oder das Wetter nur besonders zum Radeln einlud, ist unklar. Aber in 60 Prozent waren laut Polizei die Radler selbst am Unfall schuld – überproportional häufig im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern.
In diesem Frühjahr gab es nun 14 Prozent weniger Unfälle als vor einem Jahr. Allerdings sei dieser Zeitraum zu kurz, um Prognosen für das ganze Jahr zu treffen, so Gerhard Stern, im Polizeipräsidium für Verkehr zuständig. Ein großes Problem sieht die Polizei nach wie vor in Geisterradlern, die in falscher Richtung auf dem Radweg unterwegs sind. Zusammenstöße mit Autofahrern, die an Einmündungen nicht auf Radler von rechts gefasst sind, oder Kollisionen zwischen Radlern können die Folge sein.
ADFC-Vorstandsmitglied Janos Korda hält Kontrollen grundsätzlich für richtig. „Auf dem Gehweg oder in falscher Richtung sollte man natürlich nicht fahren.“ Geisterradler seien auch für andere Radfahrer eine Gefahr. Andererseits weist Korda darauf hin, dass nicht immer böse Absicht oder Faulheit hinter Verstößen steckt. „Man muss schon nach dem Warum fragen.“ Verstöße gebe es besonders da, wo Verkehrsführung und Bedürfnisse von Radlern nicht zusammenpassen, etwa weil Radwege fehlen oder für Umwege sorgen. „Dann fragt sich manch einer, ob es gefährlicher ist, den Radweg in falscher Richtung zu benutzen oder eine viel befahrene Straße an einer Stelle ohne Ampel zu überqueren“, sagt Korda.
Eine Kennzeichenpflicht, wie sie jüngst die Gewerkschaft der Polizei ins Spiel brachte, scheint Experten aus der Praxis nicht besonders sinnvoll zu sein. Ullrich fürchtet vor allem den immensen Verwaltungsaufwand. „Das würde fünf Vollzeitstellen nötig machen“, sagt er. Auch die Polizei winkt ab. „Wenn tatsächlich einer unerkannt abhauen will, nutzt ein Kennzeichen an einem Rad nichts, weil es ja nicht so groß wie ein Autonummernschild sein kann, dann aber kaum noch leserlich ist“, sagt auch Korda. Zu höheren Verwarnungs- und Bußgeldern, wie sie Stadt und Polizei durchaus begrüßen würden, sagt auch der ADFC nicht generell Nein. Ein kleinerer Verstoß kostet momentan zwischen fünf und 25 Euro, ein überfahrenes Rotlicht schlägt für Radler mit 100 Euro zu Buche. Allerdings, so Korda, müssten dann konsequenterweise auch die Strafen für Autofahrer heraufgesetzt werden.
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