Sonntag, 19. November 2017

09. März 2017 06:00 Uhr

Gesellschaft

So läuft das Ringen um günstigen Wohnraum

Das „Haus Delphin“, eine Einrichtung für sozial schwache und oft suchtkranke Menschen, hat eine neue Bleibe gefunden. Doch es gibt auch Verlierer: Mehrere Mieter, darunter Familien, müssen aus ihren Wohnungen raus.

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Das Betreute Wohnen „Haus Delphin“ ist in die Inninger Straße umgezogen. Dafür mussten andere Mieter ihre Wohnungen verlassen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Von Jörg Heinzle

Die einen ziehen in das Haus ein, die anderen müssen gehen. Der Umzug des betreuten Wohnangebots „Haus Delphin“ in ein Gebäude in der Inninger Straße in Haunstetten ist fast abgeschlossen. Rund 35 überwiegend sozial schwache, suchtkranke Menschen haben damit eine neue Bleibe gefunden. Aus dem alten, einige hundert Meter entfernten Gebäude, hatte das „Haus Delphin“ ausziehen müssen. Hier plant ein Investor nun Wohnungen und Apartments. Doch es gibt auch Verlierer in der Geschichte: Alle Mieter, die bisher in dem Mehrfamilienhaus an der Inninger Straße lebten, müssen jetzt ausziehen.

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Wohnraum geht verloren

Der Fall zeigt, wie das Ringen um bezahlbaren Wohnraum in der Stadt läuft. Und wie der Wohnraum teils auch verloren geht. Es waren relativ günstige Wohnungen, die sich in dem Haus befanden. Auch Menschen mit kleinerem Einkommen und Rentner mit überschaubarer Rente konnten sich die Miete noch leisten. Rund 1000 Euro warm – das musste eine Familie mit vier Kindern für eine rund 110 Quadratmeter große Wohnung pro Monat bezahlen. Die Familie stammt von den Philippinen, sie ist im Jahr 2014 hier eingezogen. Jetzt stehen Kisten in der Wohnung, die Schränke sind ausgeräumt, die Möbel schon teilweise abgebaut. Die Familie zieht in diesen Tagen um. Die Mutter sagt: „Zuerst wussten wir nicht, wo wir hin sollen. Jetzt haben wir zum Glück etwas gefunden.“

Doch die Suche war mühsam. Die Familie hat nun ein Haus angemietet. Es ist um einiges teurer, etwa 1500 Euro sind jetzt im Monat fällig. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in Augsburg. Das zeigte jüngst auch der Fall zweier Häuser in der Ulmer Straße in Oberhausen. Ein Münchner Investor plant dort Apartments und eine Jugendherberge. Die Mieter müssen ebenfalls alle aus ihren günstigen Wohnungen raus.

Nicht unter Druck gesetzt

Im Dezember hat die Familie mit philippinischen Wurzeln davon erfahren, dass das Mehrfamilienhaus in der Inninger Straße in ein Betreutes Wohnen umgewandelt wird. Unter Druck gesetzt habe der neue Besitzer des Gebäudes sie nicht, erzählt die Mieterin. Sie habe auch Verständnis für die neue Nutzung: „Diese Menschen müsse ja auch irgendwo leben.“ Aber es war klar, dass die Familie irgendwann raus müssen. Die Eltern wollten ohnehin so schnell wie möglich ausziehen. Sie hatten kein gutes Gefühl dabei, dass ihre Kinder mit mehreren Dutzend Suchtkranken in einem Haus leben sollen. Auch anderen Familien ging es so. Inzwischen, so erzählt man sich im Haus, hätten alle eine neue Bleibe gefunden. Probleme mit den Bewohnern des „Haus Delphin“ habe es bisher keine gegeben, berichten die Mieter, die derzeit noch in Gebäude leben. Eine Frau erzählt: „Die Leute waren bisher alle freundlich zu mir und ruhig.“

Nachbarn fürchten Belästigungen

Skeptisch sehen auch mehrere Nachbarn in dem Viertel den Einzug des Betreuten Wohnens. Sie fürchten Belästigungen durch Betrunkene und eine Wertminderung ihrer Häuser. Was einige ebenfalls störte: Frank Pöschl, der Pflegedienstleiter des „Haus Delphin“, ließ im Hof des Hauses mehrere Wohncontainer aufstellen, in dem nun Bewohner seiner Einrichtung so lange unterkommen, bis alle Mieter aus den Wohnungen auszogen. Weil er für die Container vorher keine Genehmigung eingeholt hatte, bekam Pöschl auch Ärger mit der Stadt. Eine Sprecherin der Stadtverwaltung betonte aber, dass man aus Rücksicht auf die schwierige Lage der Betroffenen nicht den sofortigen Abbau der Container anordne.

Wann alles frei ist

Frank Pöschl sagt, er gehe davon aus, dass er die Container nur noch fünf Wochen benötige. Bis dahin seien voraussichtlich alle bisherigen Mieter ausgezogen und die Wohnungen frei. Er setzt darauf, dass die Ängste bei den Nachbarn nachlassen, wenn es im Alltag keinen Ärger gebe. Pöschl hat das Gebäude in der Inninger Straße nicht selbst gekauft. Er hat es von einem Investor angemietet. Für den Investor ist die Nutzung als Betreutes Wohnen offensichtlich lohnender als das Vermieten einzelner Wohnungen. Ehemalige Ladenflächen im Erdgeschoss hat Frank Pöschl zusammen mit Mitarbeiterin überwiegend in Eigenregie in einen Aufenthaltsbereich umgestaltet. Im „Haus Delphin“ leben viele Menschen, die zuvor in anderen Einrichtungen nicht klargekommen sind – oft wegen ihrer Alkoholsucht. Einige stünden vermutlich auf der Straße, wenn sie hier nicht untergekommen wären.

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