Montag, 20. Mai 2013

22. August 2011 12:41 Uhr

Mord in Augsburg

Tödliche Hatz vor den Augen der Nachbarn

Ein 42-Jähriger jagte sein 38-jähriges Opfer quer durch den Hof einer Wohnanlage, ehe er ihm die Kehle durchschnitt. Immer mehr Details werden im Mordfall von Lechhausen bekannt.

Erst waren es laute Schreie, dann furchtbare Szenen, die Bewohner einer Wohnanlage in Lechhausen am Sonntagabend vor ihren Balkonen und Fenstern miterleben mussten: Ein 42-Jähriger rannte einem 38-jährigen Mann hinterher, den er zuvor schon mit einem Messer verletzt hatte. Als er ihn nach einer Jagd quer durch den Innenhof der Wohnanlage eingeholt hatte, schnitt er ihm die Kehle durch. Der 38-Jährige starb am Tatort. Polizei und Staatsanwalt sprechen von Mord.

Die Tat hatte sich gegen 19.35 Uhr zwischen den Mehrfamilienhäusern an der Ecke Zugspitz-/Curtiusstraße abgespielt. Das Opfer Hans K. war gerade im Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses unterwegs, in dem seine Lebensgefährtin Walburga S. lebt.

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Nach Informationen unserer Zeitung soll der Verdächtige Miro B. in einem Fahrradabstellraum neben der Eingangstür des Hauses seinem Opfer aufgelauert haben. Laut Polizei stach der 42-Jährige unvermittelt mit einem Küchenmesser auf den 38-Jährigen ein. Nach den Ermittlungen der Polizei ist Walburga S. die ehemalige Lebensgefährtin des Verdächtigen.

Das verletzte Opfer flüchtete nach draußen

Das verletzte Opfer flüchtete nach draußen. Dort spielten sich dann die dramatischen Szenen ab, von denen die Nachbarn auch gestern noch geschockt waren. „Hilfe, Polizei“, habe eine Frau aus Leibeskräften geschrien, erinnern sich mehrere Anwohner. Offenbar handelte es sich dabei um Walburga S., die den Männern nach draußen gefolgt war. Etliche Nachbarn wählten gleichzeitig die Notrufnummer der Polizei. Um selbst etwas zu unternehmen, sei alles zu schnell gegangen. „Ich habe die Männer gesehen und mir gedacht, dass der hintere den verletzten Mann vorne gleich einholen wird“, berichtet eine Nachbarin. Eine Spur vertrockneten Bluts zeichnete den Weg auch gestern noch nach.

Nach etwa 100 Metern dürfte der 42-Jährige den 38-Jährigen dann eingeholt haben. Mehrere Passanten versuchten durch Rufen, den Verfolger von seiner Tat abzubringen – ohne Erfolg. Hans K. blieb leblos vor einem Hauseingang liegen.

Augenzeugen zufolge entfernte sich der mutmaßliche Täter seelenruhig. „Ich bin wegen des Lärms runtergegangen. In zehn Metern Entfernung habe ich einen Mann gesehen, der in aller Ruhe davongegangen ist. Dann habe ich auf einmal sein Messer gesehen, wie er es an einem Busch abgewischt und es sich dann hinten in den Hosenbund gesteckt hat“, so ein Anwohner.

Laut Polizei fuhr Miro B. mit dem Auto davon. Ein Zeuge schlug dem rasant davonfahrenden Auto des Verdächtigen noch mit der Hand aufs Dach. Der Mann mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien wurde von der Polizei kurz darauf in seiner Wohnung im Herrenbach festgenommen. Gestern Vormittag liefen die Vernehmungen. Am Vorabend hatte die Feuerwehr die Wohnanlage für die Spurensicherung bis in die Nacht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Die Leiche des Opfers wird obduziert. Noch ist unklar, ob die anfänglichen Messerstiche oder der Schnitt am Hals letztlich zum Tod geführt haben.

Der Untersuchungsrichter erließ Haftbefehl wegen Mordes, nachdem der Angriff nach jetzigem Ermittlungsstand heimtückisch erfolgte. In der Vernehmung beim Richter gestern Nachmittag räumte der Beschuldigte in wenigen Worten ein, den 38-Jährigen getötet zu haben, heißt es. „Zum Motiv laufen die Ermittlungen noch“, so Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

Zu untersuchen dürfte sein, ob der mutmaßliche Täter psychisch krank ist. Möglicherweise handelte er aus Eifersucht. Kripo-Chef Klaus Bayerl bestätigte auf Anfrage, dass der mutmaßliche Täter seiner früheren Freundin nach der Trennung nachgestellt hatte. Laut Nachbarn hielt sich der Verdächtige immer wieder in der gepflegten, bürgerlichen Wohnanlage auf. Offenbar hatte die Frau bei Gericht ein Annäherungsverbot gegen Miro B. erwirkt. Unklar war gestern, wann die Anordnung erlassen wurde und warum sich sein wiederholtes Auftauchen trotzdem nicht verhindern ließ. Auch ob die Polizei gegen den Verdächtigen in der Vergangenheit wegen Stalkings ermittelt hatte, war unklar. Der getötete Hans K. und die Frau waren offenbar erst seit mehreren Monaten ein Paar.

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Kriminalität | Lechhausen | Messer

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