Freitag, 15. Dezember 2017

21. April 2017 00:32 Uhr

Heimatabend

Vorhang auf für Céline und Toni

Ohne Trachtenverein wären sie heute kein Paar. Wie der Schuhplattler in Frankreich den „Holzhacker“ tanzte und das Herz einer jungen Frau gewann. Heute ist sie in Familie, Verein und Lechhausen voll integriert

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Céline Dojat folgte Toni Kürzinger vom Volkstrachtenverein Lechhausen vor zweieinhalb Jahren nach Augsburg. Die deutsche Sprache beherrscht sie schon so gut wie perfekt. Nur die kulinarischen Facetten Deutschlands und Bayerns halten für sie so manche Überraschung bereit.
Foto: Annette Zoepf

Es klingt wie das Happy End in einem Heimatfilm. Ein junger Bursche verreist mit Trachtlern des befreundeten Meringer Vereins, tritt im südfranzösischen Ambérieu-en-Bugey als Plattler auf die Bühne, wirft bei einem Showtanz namens „Holzhacker“ ein Holzklötzchen ins Publikum und schon ist es passiert. Céline Dojat steht mit Freundin Astrid im Publikum, fängt das Hölzchen auf und holt sich von Toni ein Autogramm. Dann ist jedoch erst einmal Funkstille zwischen ihr und Kürzinger-Junior aus Lechhausen, bevor er sich aus der Deckung wagt.

Heute, fast fünf Jahre später, sitzt ein charmantes Paar in der Gaststube des Oberbayerischen Volkstrachtenvereins Augsburg-Lechhausen, lächelt an manchen Stellen seiner Erzählung etwas verlegen und lässt Revue passieren, wie alles begann. Das Vereinsheim in der Landwehrstraße ist inzwischen zu Célines zweiter Heimat geworden, obwohl das, wie beide sagen, anfangs nicht leicht gewesen sei. In der ersten Zeit hätten sie sich nur auf Englisch unterhalten – jetzt spricht die 27-jährige Französin aus der Nähe Lyons „besser deutsch, wobei sogar manchmal schon bayerisch durchkommt“. „Wir sind zwar in Deutschland“, sagt sie, „aber Bayern ist schon was ganz Besonderes.“ Und weil sie weiß, dass diese Feststellung auch missverstanden werden könnte, präzisiert sie: „Im positivsten Sinne.“

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Wenn am Samstagabend wieder der Frühlingsheimatabend der Lechhauser Volkstrachtler stattfindet, wird Céline mit von der Partie sein. Bei vorangegangenen Heimatabenden hatten die Mitglieder ihre Anwesenheit mit Begeisterung und Respekt quittiert. „Da ist ja die Céline dabei“, gibt Toni Kürzinger wieder, was ihm im Vorbeigehen so zu Ohren kam. Dabei stand seine Freundin, mit der er mittlerweile in der Nähe des Plärrers wohnt, sogar auf der Bühne. Sogar „beim Drehen“ habe sie mitgemacht, wobei sie ihr Licht durchaus nicht so unter den Scheffel stellen müsse, wie sie es tue. Dennoch geht Céline davon aus, dass sie diesmal weniger auf der Bühne, als hinter der Schenke steht.

Mit Fleiß hatte Céline, die nach ihrem Studium des internationalen Managements heute beim Anhänger-Hersteller Humbaur in Gersthofen arbeitet, alle sprachlichen Barrieren überwunden. Trotzdem erinnert sie sich noch gut, wie schwer es ist, „immer nur eine fremde Sprache zu hören“. Am gewöhnungsbedürftigsten seien jedoch die kulinarischen Unterschiede gewesen. „Viel Spätzle, viel Wurst“, sagt sie, „kaum Käse.“ Toni Kürzinger meint, die deutsche Küche sei für französische Gaumen „viel zu einfach“. Und Céline erinnert sich dabei besonders an ein Essen: „Sulz an Weihnachten“, sagt sie, „da war ich erschrocken.“

Mittlerweile fühlt sich die Französin in Augsburg integriert. Die Mütter der Beiden lernen, wie Céline und Toni erzählen, die jeweils andere Sprache oder frischen bereits vergessene Vokabeln wieder auf. Tonis Mutter half für den Auftritt beim Heimatabend mit dem Trachtengewand aus, die Schwester half beim Anziehen. Papa Kürzinger stellte sich als Partner für den Kronentanz zur Verfügung. So wird Deutschland für die „Zu’groaste“ zu einem Erlebnis. Vor allem aber eines beschreibt sie als „besonderes Gefühl“: das Tragen von „Tracht“. Eine gewisse Bewunderung spricht aus Toni Kürzingers Erzählung, da ihm schon der Umzug nach Oberhausen nicht leicht fiel. Den Stadtteil Lechhausen nennt er „das Zentrum seines sozialen Umfeldes“ mit Elternhaus und Trachtenverein. Der in der Mühlhauser Filiale arbeitende Sparkassen-Fachwirt bildet sich nun im Fernstudium zum Betriebswirt weiter. Und weil er weiß, dass seine Herzdame alles liebt, was eine Bäckerei bietet, wird er ihr künftig Eclairs oder Pain au chocolat aus der Boulangerie im Spickel liefern. Das wäre, wie er meint, eine gute Gelegenheit, um den Fauxpas mit der Sulz etwas wettzumachen.

Karten zum Preis von 9 Euro sind bei Christine Dierl unter der Rufnummer 0821/707316 (ab

18 Uhr) erhältlich.

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Ein Artikel von
Silvia Kämpf

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