Montag, 26. Februar 2018

15. November 2016 17:40 Uhr

Augsburg

Was wird aus Straßen mit brauner Vergangenheit?

2013 forderten die Grünen: Bei Streitfällen soll geprüft werden, ob die Namensgeber in das System der Nationalsozialisten verstrickt waren. Was wurde daraus?

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Die Dr.-Mack-Straße wurde nach einem Arzt benannt, der in der Zeit der Nationalsozialisten Zwangssterilisationen vornahm.
Foto: Silvio Wyszengrad

Wer ins Bezirkskrankenhaus fährt, muss durch die Dr.-Mack-Straße. Die Straße, die nach dem Arzt Max Mack benannt wurde, der in der Zeit der Nationalsozialisten Zwangssterilisationen vorgenommen haben soll. Mit dem Kinofilm über das Schicksal des Jungen Ernst Lossa hat sich nun ein Leser unserer Zeitung an diese Straße und an ein Thema erinnert, das die Grünen-Stadtratsfraktion 2013 angestoßen hatte. Damals forderten die Grünen, eine Kommission einzusetzen, die sich mit kritischen Straßennamen aus der NS-Zeit befassen soll. Ist seitdem etwas geschehen?

Die Kommission gibt es schon längst. Die strittigen Straßennamen allerdings auch noch. Bislang hat sich hier nichts geändert. Es gibt sie also noch, die Bürgermeister-Widmeier-Straße in Haunstetten etwa. Xaver Widmeier wurde 1919 Bürgermeister von Haunstetten. 1933 trat er aus der SPD aus und der NSDAP bei. Nach Informationen der Grünen war er in der NS-Zeit am Ausbau des KZ-Außenlagers Haunstetten beteiligt.

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Auch die Hans-Watzlik-Straße (benannt nach dem Schriftsteller, der Loblieder auf Adolf Hitler schrieb) in Lechhausen oder die Professor-Messerschmitt-Straße (Flugzeugbauer) im Univiertel haben ihre Namen behalten, um weitere umstrittene Beispiele zu nennen. Die strittigen Namen sind immer noch auf Straßenschildern präsent. Das Thema ist aber nicht vergessen, betont Thomas Weitzel auf Nachfrage. Doch wie der Kulturreferent der Stadt Augsburg sagt, muss erst noch eine andere Aufgabe beendet werden. „Wir widmen uns den Stolpersteinen und den alternativen Erinnerungszeichen. Das ist unser primäres Ziel, das wir zum Abschluss bringen müssen.“

Wie sollen Gedenktafel aussehen?

Stelen und Tafeln sollen neben am Boden verlegten Stolpersteinen in Augsburg in Zukunft an Holocaust-Opfer erinnern. Doch wie sollen sie aussehen? Dazu läuft derzeit noch ein offener Wettbewerb. Laut Weitzel steht er vor der Finalisierung. „Tolle Entwürfe“, so Weitzel, wurden von Agenturen eingeschickt. Ende November soll darüber entschieden werden. Dann wird der Sieger-Entwurf dem Stadtrat vorgestellt. Weitzel rechnet im Dezember mit einem Stadtratsbeschluss. „Bevor diese Alternativen nicht stehen, können die Stolpersteine nicht verlegt werden“, erklärt er die zeitliche Abfolge.

Im Frühjahr des kommenden Jahres dann sollen die Erinnerungszeichen und die Stolpersteine in der Stadt angebracht werden. Dann wolle man sich den umstrittenen Straßennamen zuwenden. Auch das wird keine leichte Aufgabe. Da ist sich der Kulturreferent schon jetzt sicher. „Das wird eine intensive Diskussion, die kontrovers geführt wird.“ Zum einen seien unter den umstrittenen Namen auf den Straßenschildern Grenzgänger, bei denen der historische Bezug nicht eindeutig klar sei. Zum anderen würde man Straßennamen heutzutage nicht einfach so austauschen. „Denn einen Namen einfach zu löschen, kann auch bedeuten, die Geschichte auszublenden“, sagt Weitzel. Eine mögliche Lösung wäre auch, einen Namen in den richtigen Kontext zu stellen. Mit einem zusätzlichen Schild etwa.

Gründe fordern Kriterien

Das sieht auch Grünen-Stadträtin Verena von Mutius so. Ihrer Meinung nach müssten zunächst Kriterien aufgestellt werden, wann ein Straßenname problematisch ist. Dann erst sollte die Bewertung erfolgen. „Allerdings ist bei manchen Straßen klarer, dass eine Umbenennung erforderlich ist“, sagt sie. Die Dr.-Mack-Straße am Bezirkskrankenhaus ist für die Grünen-Politikerin solch ein Beispiel.

Dass die Kommission mit dem Thema Stolpersteine und Erinnerungszeichen in den letzten Monaten viel zu tun hatte, sieht sie auch so. „Aber die kritischen Straßennamen in Augsburg sind nach wie vor ein wichtiges Thema. Das müssen wir vorantreiben.“

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Ina Kresse

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