Montag, 20. November 2017

25. Oktober 2017 00:33 Uhr

Ausstellung

Wo das Wünschen noch etwas hilft

Im Museum der Augsburger Puppenkiste geht es jetzt in magische Welten. Auch Eberzahn, Amulett und Pentagramm braucht’s im Reich der Hexen, Feen und Zauberer

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Ach, hätte sich Jakob nicht so vorwitzig über das Kräuterweiblein auf dem Markt belustigt! Ein Dasein als Zwerg Nase wäre ihm erspart geblieben. Aber auch die hohe Kochkunst, die ihn das Weiblein in sieben Jahren Dienst lehrte, und die Bekanntschaft mit der verzauberten Gans im Herzogshof, die eigentlich ein hübsches Fräulein ist. Die ganze Geschichte auf einem Blick erzählt nun das Eingangsbild der gestern eröffneten neuen Ausstellung des Museums der Augsburger Puppenkiste. Vom Wünschen und Verwünschen handelt die Schau und führt in bezaubernde und verzauberte Welten.

Alle sieben Bilder der Inszenierung des grimmschen Märchens von 1959 zeigt die Installation; sogar hinter die Schlosskulisse darf der Besucher in die Küche des Zwergs und in seinen Vorratskeller lugen. Wo könnte sich die Fantasie eines Puppenspielers mehr ausleben als im Reich des Magischen? Hier ist die Welt der Gesetze der Physik enthoben, hier können wunderliche Gestalten auftreten. Etwa Aladin mit seiner Wunderlampe und einem fliegenden Teppich. Oder die sieben Todsünden aus dem „Faust“, darunter die gemästete Gefräßigkeit in Schweinchenrosa oder der spindeldürre giftgrüne Geiz.

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Dornröschen ist der Klassiker unter den Verwünschungen – die eine, missgünstige Fee, die nicht an die Wiege der kleinen Prinzessin gebeten wurde, und ihr den hundertjährigen Schlaf einbrockte. Viele Puppentheater hätten der „Kiste“ Figuren zu Dornröschen angeboten. Doch Theaterleiter Klaus Marschall bestand auf Vielfalt. „Ich habe sehr darum gebeten, etwas mehr ins Ausland zu schauen“, berichtet er.

So kam ein buntes Panoptikum zustande. Ein Dornröschen aus Italien ist darunter mit einer bitterbösen Fee und einer bezaubernden Prinzessin; ganz fein sind die Köpfe geschnitzt und aufwendig die Puppen eingekleidet. Aus Österreich gelangten zartgliedrige Figuren des Marionettentheaters Schloss Schönbrunn und federleichte, pludrige Ballettfiguren in die Vitrinen. Aus Norvich kam very british eine dramatische Inszenierung „Die Schöne und das Biest“. Und aus Spanien ein Papiertheater.

Schon die mittelalterlichen Heldensagen und Volksbücher lieben es, die Schicksalmächte auftreten zu lassen. Held Fortunatus zieht mit einem spendablen Geldsack und dem Wunschhut aus. Guerrino Meschino („der Klägliche“), von Piraten entführt, muss erst die eigene edle Abkunft wiederentdecken, ehe er der Prinzessin am Hof von Konstantinopel seine Liebe zu gestehen wagt. Die verwegenen Seemänner auf dem Fliegenden Holländer sind auf ewig dazu verdammt, im rauen Meer zu schippern und andere Schiffe ins Unglück zu stürzen.

Stets einen Hoffnungsschimmer verbreiten indes die Märchen. Wünschen weist in die Zukunft, dafür genügt manchmal schon ein Boot aus Pappe, worin sich zwei Großstadtkinder auf die Suche nach ihrem Traumkontinent aufmachen. Der Hexenzauber verpufft, wo sich eine gute Seele zeigt. Der böse Fluch wird gebrochen. Oder er dient der Besserung eines Bösewichts, wie die großen Ohren, die der kleine Muck dem Sultan verpasst. Doch es gilt auch, sich das Richtige zu wünschen und nicht unmäßig zu werden wie des Fischers Frau. Oder wie die gierigen Bürger, die an der goldenen Gans kleben bleiben.

Zur Volkskunde, die in den Ausstellungen der Puppenkiste immer vermittelt wird, zählt diesmal eine Vitrine mit Amuletten, Neidfeigen, Pentagrammen, Eberzahn und Nagel aus dem Hexenarchiv des Volkskundemuseums Hamburg. Auf afrikanische Zaubertradition verweist die 100 Jahre alte Kraftfigur eines Hundes mit zackig gestelltem Rückenhaar aus dem Kongo. Ihren eigenen Zaubertrank dürfen die Kinder in der Hexenküche brauen, allerlei Tinkturen, Mäuse und Spinnen, Schlangen und Skorpione liegen bereit. Vielleicht sind ein paar Harry Potters darunter, die ihr Vorbild als modellierte Marionetten von Florian Moch entdecken. Etliche Hexen warten im Teufelsofen auf kindliche Erkundung.

Einem guten Zweck dienen die Wunschpunkte des Sams: Die Puppenkiste animiert damit zu Spenden für die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, um Kindern in prekären Verhältnissen ein paar Wünsche zu erfüllen – 10 Euro für einen Kinobesuch, 50 Euro für Fußballschuhe…

Augsburg, Spitalgasse 15; Laufzeit bis 18. März, geöffnet täglich außer Montag von 10 bis 19 Uhr. Führungen: Tel. 0821/4503450, Homepage: www.puppenkiste.com Zur Ausstellung gibt es Aktionen im Museum, z. B. Zauberworkshops mit Richie dem Britannier

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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