Sonntag, 20. August 2017

07. Juli 2015 06:42 Uhr

Versorgung

Wo fließen die Energie-Gewinne hin?

Zur Aufteilung der Erlöse zwischen Stadtwerken und Thüga werden neue Einzelheiten bekannt. Die Kosten für die Vorbereitung des Zusammenschlusses gehen in die Millionen – unabhängig davon, ob es zur Fusion kommt

i

110 Millionen Euro Gewinn gab es im vergangenen Jahr
Foto: Anne Wall

Am Sonntag entscheiden die Augsburger darüber, ob die Stadtwerke-Energiesparte mit dem Energieversorger Erdgas Schwaben fusionieren soll oder nicht. Ein gewichtiges Thema in der Diskussion ist, wer in welchem Maß von dem Zusammenschluss profitieren würde. Wir klären einige wichtige Fragen:

Um wie viel Geld geht es?

ANZEIGE

2014 machte Erdgas Schwaben rund 50 Millionen Euro, die Stadtwerke-Energiesparte um die 60 Millionen Euro Überschuss. Bei den Stadtwerken ist für die Zukunft noch eine Steigerung prognostiziert. Zusammen machten die Firmen 2014 also um die 110 Millionen Euro Gewinn. Im Fall einer Fusion kämen früher oder später noch weitere 11,5 Millionen Euro jährlich aus Synergiepotenzial (Stelleneinsparungen ohne Kündigungen, Zusammenlegung der IT) zusammen, so die Rechnung der Stadt.

Wie läuft die Gewinnaufteilung?

„Es wird niemandem etwas weggenommen“, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Ziel sei, dass alle Beteiligten von der Fusion profitieren. Die Gegner halten dagegen, dass die Stadt künftig nicht mehr alleiniger Herr über ihre Stadtwerke-Energiesparte wäre. Ein fusioniertes Unternehmen hätte künftig die Stadtwerke (rund 70 Prozent) und den bundesweiten Stadtwerke-Zusammenschluss Thüga (30 Prozent) als Eigner, weil die Thüga schon jetzt bei Erdgas Schwaben Mehrheitsgesellschafter ist. Diese Aufteilung haben Wirtschaftsprüfer errechnet, die zuvor beide Unternehmen bewertet haben. Der Wert soll etwa gleich groß sein und zusammen bei 1,3 Milliarden Euro liegen. An diesem 70:30-Verhältnis wird sich auch die Gewinnaufteilung orientieren. Im Fall einer Fusion sollen sowohl Stadtwerke als auch Thüga laut Planungen mehr Geld als bisher bekommen, weil das neue Unternehmen durch die Synergie mehr erwirtschaftet.

Wie verhält es sich mit der „Gewinngarantie“ für die Thüga?

Es ist tatsächlich so, dass die Thüga von den ihr 30 zustehenden Prozent einen Teil als fixen Betrag zugesichert bekommt, der Rest wird über einen variablen Bestandteil zugewiesen. Grund ist unter anderem das steuerliche Konstrukt innerhalb der Stadtwerke, das es erlaubt, die Gewinne des Energiegeschäfts mit den Verlusten aus dem Verkehr vor der Versteuerung gegenzurechnen. So reduziert sich die Steuerlast. Letztlich sagt das Finanzamt, wie viel Geld aus den 30 Prozent fix an die Thüga gehen muss. Problem: Falls der neue Energiekonzern überraschend in massive Probleme geraten sollte, könnte der Fixbetrag höher sein als das, was der Thüga aufgrund der tatsächlichen Gewinne zusteht. Dann muss nachverhandelt werden. Diese Regelung sei ein „Skandal“, so die Bürgerinitiative gegen eine Fusion. Die Stadtwerke argumentieren, dass vertraglich zwischen Stadtwerken und Thüga festgehalten sein würde, sich in diesem Fall auf eine Reduzierung des fixen Anteils zu verständigen.

Wie schnell sind die 11,5 Millionen Euro Synergie-Gewinn jährlich realistisch?

Das ist frühestens 2020 so weit. Nicht alle Maßnahmen – etwa Stellenstreichungen durch Fluktuation – ließen sich sofort umsetzen, sollte es zur Fusion kommen. Umgekehrt fallen auch hohe Kosten an, die zumindest am Anfang die errechneten Synergie-Potenziale auffressen. Ab 2017 soll aber laut Wirtschaftsprüfern schon ein Plus im Saldo stehen. 2020 gäbe es in dieser Rechnung so gut wie keine Kosten mehr, dafür dauerhaft 11,5 Millionen Euro Zusatzgewinn. Allerdings sind bei dieser Summe Mehraufwendungen für die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter (diese gibt es bisher schon, aber der garantierte Sockelbetrag wird aufgestockt) nicht enthalten. Die Stadtwerke machen geltend, dass diese Summe mit einem erwarteten steuerlichen Effekt gegengerechnet werden kann. Nicht eingerechnet sind auch die Einmalkosten im Vorfeld der Fusion, etwa die Machbarkeitsstudien samt Unternehmensbewertungen und der umstrittenen Werbekampagne. Diese Kosten fallen in jedem Fall an, egal ob es zur Fusion kommt oder nicht.

Wie planen die Stadtwerke?

Die Stadtwerke werden sich, unabhängig von einer Fusion, schlanker aufstellen. Durch das Drehen an mehreren Schrauben sollen fünf Millionen Euro jährlich eingespart werden. Zudem ist eine Änderung in der Netzgesellschaft, unabhängig ob mit oder ohne Fusion, geplant. Die Änderung bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Stadtwerke-Energietochter und der Netztochter und der Frage, wo welches Personal angestellt ist. Die Netzentgelte – teil einer jeder Stromrechnung, unabhängig vom Anbieter – sollen dadurch aber nicht oder nur minimal steigen, so Stadtwerke-Chef Klaus-Peter Dietmayer.

i

Schlagworte

Augsburg | Kurt Gribl | CSU

Ihr Wetter in Augsburg-Stadt
20.08.1720.08.1721.08.1722.08.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter9 C | 20 C
8 C | 21 C
11 C | 23 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Stefan Krog

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


Augsburger Geschichte



Alle Infos zum Messenger-Dienst
Beilage: Ferien Journal

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region