Das Jahr 2010 war ein gutes für Bernd K. (Name von der Red. geändert). Bis jetzt. Er hat wieder eine Wohnung, er bekommt seine Probleme nach und nach in den Griff, er arbeitet seit mehreren Monaten. Doch das Jahr wird wohl nicht so gut enden, wie es angefangen hat. Sein Job steht auf dem Spiel. Von Ines lehmann

Genauer, auf dem Prüfstand: Der 23-Jährige hat einen Ein-Euro-Job. Und die werden von den Arbeitsagenturen gerade kritisch unter die Lupe genommen (AZ berichtete). Der Bundesrechnungshof hatte Mängel in der Vergabepraxis der Ein-Euro-Jobs an Langzeitarbeitslose festgestellt. Außerdem erhöhten die Billig-Jobs nicht die Chancen, von Hartz IV zurück in den Arbeitsmarkt zu finden.
Im Sozialkaufhaus "Contact" in Haunstetten beweisen tagtäglich mehrere Mitarbeiter das Gegenteil. Von den elf Festangestellten sind laut Roswitha Kugelmann, die den Laden leitet, fast alle ehemalige Ein-Euro-Jobber mit jetzt festem Arbeitsverhältnis und Gehalt.
Zusätzlich beschäftigt Kugelmann 30 Mitarbeiter, die von Hartz IV und der Aufwandsentschädigung in Höhe von einem Euro leben. Durch die Ein-Euro-Jobber konnte Kugelmann mehrere Projekte anschieben wie die Möbel-Aufbereitungs-Werkstatt, den Mini-Heimwerkermarkt und zwei angeschlossene Second-Hand-Läden in der Hochstift- und in der Herrenbachstraße.
Die Mittel für die 30 Mitarbeiter wurden Roswitha Kugelmann bereits gestrichen, die Arbeitsagentur (Arge) musste Kürzungen in Höhe von 25 Prozent in Kauf nehmen, denen vor allem Ein-Euro-Jobs zum Opfer fallen werden (siehe Infokasten). "Äußerst fatal" nennt Roswitha Kugelmann diese Entwicklung. Nicht nur, dass jeder fehlende Mitarbeiter ein Loch in den Arbeitsablauf reißt. "Hinter jedem Ein-Euro-Job steht ein Mensch."
Oft sind es Langzeitarbeitslose oder Obdachlose mit Sucht- oder psychischen Problemen, manchmal beidem. Sie stehen dem Arbeitsmarkt so fern, dass sie daran nur langsam wieder herangeführt und motiviert werden können. Die Ein-Euro-Jobs hält Kugelmann für ein wirksames Mittel, genau das zu erreichen.
Anders Gabriele Wagner von der Arge Augsburg. Für sie ist der Ein-Euro-Job "die nachrangigste Maßnahme, um Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu bekommen". Wagner gibt "konkreten Qualifizierungsmaßnahmen immer den Vorrang". Der Topf, aus dem diese und die Ein-Euro-Jobs bezahlt werden, wird immer kleiner. Fünf Millionen Euro weniger stehen der Stadt Augsburg im nächsten Jahr zur Verfügung. Von den insgesamt 900 Ein-Euro-Jobbern in Augsburg werden sich nach vorsichtiger Schätzung 700 wieder in die Gruppe der Arbeitslosen einreihen (müssen). "Das wird sich nächstes Jahr in der Arbeitslosenzahl widerspiegeln", so Wagner. Auch ihr tue es weh, gute Projekte streichen zu müssen. Allerdings, so die Arbeitsvermittlerin, seien die Ein-Euro-Jobs auch missbraucht worden, um "Menschen am Friedhof Laub zusammenkehren oder das Büro putzen" zu lassen.
Der Sozialdienst katholischer Männer (SKM) ist "nicht ganz so stark betroffen" von den Streichungen. Von insgesamt 68 Ein-Euro-Jobs werden 56 weiter gefördert, erklärt Geschäftsführerin Christiane Schmid. Auch sie sieht Kürzungen in dem Bereich kritisch, denn die Erfolge seien da: Von 30 Ein-Euro-Jobbern im Jahr 2009 fanden neun wieder einen festen Job, heuer waren es von 68 elf Menschen, die wieder einer regelmäßigen Arbeit nachgehen.
Bernd K. ist - bis jetzt noch - in der Werkstatt von "Contact" tätig, in der Möbel restauriert und hergerichtet werden. Die Arbeit, sagt er, habe ihn zurück in ein normales Leben geführt, "ein Leben, dass Sinn macht und für das ich mich nicht zu schämen brauche". Nur, wie lang dieses Leben noch dauert, weiß er nicht. »Kommentar
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