Dienstag, 12. Dezember 2017

31. Dezember 2015 00:03 Uhr

Schachturnier

Strateginnen am Brett

Zwei Frauen bieten männlicher Konkurrenz die Stirn. Dabei gehen sie ihre Duelle ganz unterschiedlich an

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Frauen und Schach – eine Kombination, die bei internationalen Meisterturnieren hierzulande noch nicht allzu oft vorkommt. Doch in Augsburg beim zehnten Ibis-Accor-Meisterturnier, das noch bis zum 4. Januar im Hotel Ibis am Königsplatz ausgetragen wird, bieten zwei Spielerinnen der männlichen Konkurrenz eindrucksvoll die Stirn. Beide Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch die Liebe zum Schach verbindet sie – die erst 17-jährige Studentin Josefine Heinemann aus Magdeburg und die 41-jährige Maria Manakova aus Moskau.

Über die Schul-AG kam Josefine Heinemann im Alter von sechs Jahren zum Schachsport und zeigte gleich so viel Talent und Ehrgeiz, dass sich schnell erste Erfolge einstellten. Sie wurde mehrfache deutsche Meisterin im Jugendbereich und erhielt in diesem Jahr ihre erste Berufung in die Frauen-Nationalmannschaft. „Natürlich wollte ich mich beweisen, habe den Druck aber nicht als besonders stark empfunden“, sagt die 17-Jährige, die ihr Abitur bereits in der Tasche hat und in Magdeburg Wirtschaftsmathematik studiert. Mit dem sechsten Platz beendete ihr Team die Mannschafts-Europameisterschaft, auch sie konnte einige Punkte dazu beitragen. Während der Saison spielt Josephine Heinemann an Brett eins der Zweitligamannschaft von Aufbau Elbe Magdeburg. Dabei hat sie den Augsburger Turnierorganisator Johannes Pitl so beeindruckt, dass er sie kurzerhand zum Turnier über den Jahreswechsel einlud. Mindestens drei Stunden täglich investiert die junge Frau in ihr Schach-Training, eine Laufbahn als Profispielerin kann sie sich trotzdem nicht vorstellen. „Das ist für Frauen sehr schwer. Es gibt schon mehr Männer, die vom Schach leben können.“

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Eine, die mit dem Schachsport zumindest die Basis für ein gutes Auskommen und eine gewisse Bekanntheit gelegt hat, ist die gebürtige Russin Maria Manakova. Seit ihrer Heirat mit einem Serben spielt sie für den serbischen Verband, lebt seit einiger Zeit aber in Moskau. Die Erfolgsliste der Großmeisterin aus Kasan ist lang: Teilnahmen an Europameisterschaften, mehrere Male Moskauer Klubmeisterin, serbische Meisterin sowie Teilnahmen am Super-Finale in Russland, an Schach-Olympiaden und einer Weltmeisterschaft zieren ihre Vita.

Doch weil sich die quirlige Russin noch für so viele andere Dingen begeistern kann, muss Schach bisweilen hinten anstehen. „Wenn ich immer nur Schach spielen müsste, würde ich aufhören damit. Gerade erst habe ich drei Monate Pause gemacht. Ich habe mein erstes Auto bekommen und die Zeit mit Autofahren und Tanzstunden verbracht“, erzählt Manakova freimütig. Nebenbei arbeitet sie als Musikerin, Schauspielerin und zuletzt auch als Fernsehmoderatorin in einer Talkshow beim TV-Sender Russia 1. Bleibt da noch genügend Zeit, um Schach zu trainieren? Nicht immer, sagt Maria Manakova. Doch sie lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Auch nicht, als sie in Augsburg ihre ersten beiden Partien verliert. Prompt gelingt ihr danach der erste Sieg. „Natürlich möchte ich hier gut Schach spielen. Und ich bin guten Mutes. Auch wenn für mich ein bisschen mehr Kontrolle gut wäre“, gesteht Manakova, dass sie sich für eine Schachspielerin manchmal zu viel von ihren Emotionen leiten lässt.

Bei ihren nächsten Aufgaben könnte sich das allerdings als Vorteil erweisen. Sie will demnächst ihre eigene Schachschule gründen und Kindern das Spielen beibringen. „Ich denke, das ist meine wahre Mission. Schach fördert bei Kindern die Konzentration, die Fantasie und das logische Denken. Und sie lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und auch mal zu verlieren“, beschreibt Manakova die Vorzüge des königlichen Spiels.

Während sie gerade neue Schwerpunkte im Schach für sich findet, arbeitet Josefine Heinemann akribisch an ihrer sportlichen Karriere. Sie will beim Turnier in Augsburg eine Meister-Norm holen – was nur mit einer bestimmten Punktzahl gelingt. Doch ihre Chancen stehen gut.

„Die Konkurrenten sind noch nicht so richtig in Kampfstimmung“, hat Josefine Heinemann festgestellt. Sie dafür um so mehr: Mit derzeit zwei Siegen und zuletzt einem Remis gegen Wolfgang Mack ist die kühle Strategin auf einem guten Weg, ihr nächstes Etappenziel zu erreichen.

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Ein Artikel von
Andrea Bogenreuther

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