Samstag, 24. Juni 2017

19. Januar 2017 18:07 Uhr

Landkreis Günzburg

Mann missbraucht Elfjährige und überträgt die Tat im Videochat

Ein 46-Jähriger aus dem Landkreis Günzburg vergreift sich an einer Elfjährigen. Er filmt und fotografiert die Taten. Das Mädchen schweigt. Doch ein Lehrer hilft bei der Aufklärung.

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Ein Mann hat seine Cousine missbraucht und die Tat gefilmt. Jetzt stand er vor Gericht.
Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa, Symbol

Es sind heftige Vorwürfe, die am Donnerstag vor der fünften Strafkammer des Memminger Landgerichts zur Anklage kommen. So heftig, dass das Gericht die Öffentlichkeit zu Beginn des Prozesses ausschließt und alle, die nicht am Prozess beteiligt sind, aus dem Saal schickt.

Die Eltern des Opfers, die mit dem Günzburger Anwalt Walter Deistler als Nebenkläger auftraten, haben den Ausschluss beantragt. Aus Rücksicht auf das Opfer und seine Familie akzeptiere das Gericht den Antrag, so begründet es der Vorsitzende Richter Jürgen Hasler. Der Angeklagte, unauffällig in ein schwarzes Poloshirt und eine Jeans gekleidet, lauscht regungslos.

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Vor dem Saal ärgert sich der Adoptivvater des Angeklagten über den Ausschluss. Er wolle Bescheid wissen über die Taten des Sohnes seiner Ex-Frau, von denen er erst vor kurzem erfahren habe. Ob er das wirklich will? Denn die Taten, für die der heute 46-jährige Mann aus dem Landkreis Günzburg schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt wird, sind schlimm.

Die Tat wird per Videochat übertragen

Im Juli 2013 bringt er seine damals elf Jahre alte Cousine in seiner Wohnung dazu, sich auszuziehen und nackt vor der Kamera zu posieren. Unter den 222 Bildern, die dabei entstanden sind, befinden sich auch detaillierte Aufnahmen der Geschlechtsteile. Die gesamte Tat überträgt der damals 43-Jährige per Videochat „live“ an einen anderen, „Paul“ genannten Mann. Einige Tage später lockt er das Mädchen wieder in seine Wohnung. Der gleiche Ablauf, wieder ist „Paul“ online, wieder muss das Kind sich ausziehen. Dieses Mal kommt sogar Sexspielzeug zum Einsatz. 135 Bilder und 14 Videos dokumentieren die Tat. Dass er die Kinderpornos später an Gleichgesinnte schickt und sie bald im Netz landen, wird dem Mann am Ende zum Verhängnis.

Eine Spezialeinheit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) stößt auf die Bilder. „Sie durchsuchen gezielt einschlägige Chatrooms und ihnen fällt es auf, wenn dort neue Bilder auftauchen“, erklärt Christoph Ebert, Oberstaatsanwalt in Memmingen. Die erfahrenen Fahnder könnten anhand der Aussprache und des Aussehens der Kinder auf den entsprechenden Videos die Tatorte räumlich recht genau verorten, sagt Ebert. Den Durchbruch im Fall aus dem Landkreis Günzburg bringt eine sogenannte Schulfahndung.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig

Ein Foto des Opfers wird an Schulen im schwäbischen Raum verschickt, ein Lehrer erkennt das Mädchen. Die Memminger Ermittler übernehmen, das Mädchen berichtet schließlich von den Taten ihres Cousins. Im März 2016 findet man bei einer Durchsuchung umfangreiches kinderpornografisches Material. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Vor Gericht gibt der Beschuldigte alles zu und erspart dem Opfer somit eine erneute Vernehmung. Das wirkt sich mildernd auf seine Strafe aus. Die Strafkammer, bestehend aus zwei Richtern und zwei Schöffen, verurteilt den 46-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Außerdem soll der Mann 10000 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlen. Mit dem Urteil bewegt sich das Gericht nahe an der Forderung der Verteidigung. Anwalt Thomas Maurer hatte drei Jahre und sechs Monate gefordert, Staatsanwalt Sebastian Murer dagegen sechs Jahre. Da alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichten, ist das Urteil bereits rechtskräftig.

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Ein Artikel von
Alexander Sing

Mittelschwäbische Nachrichten/Günzburger Zeitung
Ressort: Sport/Lokalnachrichten


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