Freitag, 9. Dezember 2016

05. August 2011 19:00 Uhr

Therapiehunde

Sozialarbeiter auf vier Pfoten

Thomas Wolsch und seine Lebensgefährtin Daniela Rottenau züchten in Burgau Labradore

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Thomas Wolsch züchtet in Burgau Labradore. Der Vater der Welpen, Dijon, hilft als Therapiehund Kindern und Jugendlichen mit Alkoholproblemen.
Foto: Schneid

Burgau Balu ist der farblich hellste Hund, Brooke die einzige Hündin. Die anderen vier Labrador-Welpen erkennen die Hundezüchter Thomas Wolsch und seine Lebensgefährtin Daniela Rottenau aus Burgau an der Farbe des Halsbandes. Die vier Welpen haben einen berühmten Papa: Der Rüde Dijon hilft bei der Caritas Augsburg als Therapiehund Kindern und Jugendlichen mit Alkoholproblemen.

Die vier Welpen sind eine quirlige Rasselbande. Sie sind erst neun Wochen alt und schon sehr verspielt. So haben die Welpen beispielsweise eine Schwäche für Turnschuhe, deren Schnürsenkel sie in kürzester Zeit aufziehen. Beliebt sind auch blaue Jeans, an denen man so schön zerren und seine Beißerchen schärfen kann. Nicht einmal die Hundeleine ist vor ihnen sicher. Machtkämpfe und Scheinangriffe, bei denen die Jungtiere testen, wie weit sie gehen können, ohne den anderen ernsthaft zu verletzen, gehören ebenso zum Tagesprogramm, wie ein erholsames Nickerchen nach dem Toben auf dem Feld.

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Zweieinhalbjährige Ausbildung

Der 43-jährige Thomas Wolsch ist der Züchter der Tiere. Er ist gelernter Heilerziehungspfleger. Er hat sich 2008 an einem Institut für soziales Lernen mit Tieren weitergebildet. Diese zweieinhalbjährige Fortbildung hat er mit seinem reinrassigen Hund Dijon, Vater der sechs Welpen, durchlaufen. Seither ist der Labrador bei der Caritas Augsburg offiziell als Therapiehund genehmigt. Der Burgauer ist für das Caritas-Projekt „HaLT“ (Hart am LimiT), einem Frühinterventionsprogramm im Alkoholbereich für Kinder und Jugendliche, zuständig. An der Seite seines Herrchens versucht Dijon momentan, sieben bis acht Jugendliche mit Alkohol- und Suchtproblemen wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Auch gewalttätige oder sozial auffällige Heranwachsende im Durchschnittsalter von 14 Jahren unterstützen der Tierliebhaber und sein vierbeiniger Partner. Bei einer tiergestützten Therapiesitzung sei es ganz wichtig, dass die Chemie zwischen Tier und Mensch stimmt, sagt Wolsch. Seine Aufgabe vor der Sitzung ist es deshalb, einen passenden Vierbeiner auszusuchen und auf das Handicap der Jugendlichen abzustimmen. Hat der Heilerziehungspfleger vor, mit den Jugendlichen am See zu baden oder eine Fahrradtour zu machen, so fällt seine Wahl auf Aylin. „Sie hat Ausdauer und Kraft“, weiß der 43-Jährige. Die Hündin sei sehr aktiv, Dijon hingegen strahle Ruhe aus und „legt schon mal seinen Kopf auf den Schoß“, so der Burgauer. „Es ist ein ganz anderes Zugehen auf Menschen.“ Emilia, Mutter der sechs Welpen, ist immer mit der 40-jährigen Daniela Rottenau bei Hypnosesitzungen und Reikibehandlungen dabei. Zu den Aufgaben eines Therapiehundes gehört, die ernste Situation bei Therapiesitzungen aufzulockern. „Hunde gehen unvoreingenommen auf die Jugendlichen zu“, sagt Wolsch.

So habe auch er einen schnelleren Zugang zu ihnen. Die Heranwachsenden streicheln den Hund, reden über das Tier und schon sei der Heilerziehungspfleger mitten im Gespräch mit den jungen Menschen. „Sie sind dann auch offener“, sagt der Hundezüchter. „Man nimmt immer so kleine Hintertürchen, um an die Jugendlichen heranzukommen.“ Einmal haben die Jugendlichen ihn gefragt, ob der Hund eine Rolle machen könne.

Lernen, mit Misserfolgen umzugehen

Der 43-Jährige hat dies verneint und sie aufgefordert, es ihm beizubringen. Zusammen mussten die Heranwachsenden überlegen, wie sie dem Hund das Kunststück am besten lernen könnten. Durch ständiges Ausprobieren ihrer Strategien mussten die Jugendlichen auch das ein oder andere Mal erkennen, dass sie nicht immer erfolgreich waren. „Sie müssen auch lernen mit Misserfolgen umzugehen, ohne gleich einen Schrank zu zertrümmern“, sagt Wolsch. Es sei wichtig, dass sie den Umgang mit solchen erfolglosen Situationen auch auf ihren Alltag beziehen können. Der Burgauer erzählt, dass er oft in einem Seniorenheim für demenzkranke Menschen mit seinem Hund Dijon zu Besuch war.

Jedes Mal habe er eine Frau beobachtet, die einsam und regungslos in ihrem Rollstuhl gesessen hat. Der Therapiehund sei einmal ohne jegliche Aufforderung auf die alte Dame zugegangen und habe nach einer Weile seinen Kopf auf ihren Schoß gelegt. Zum ersten Mal seit einem halben Jahr habe sich die alte Dame bewegt und sich über ihren neuen „Gesprächspartner“ gefreut.

Doch nicht jeder Hund ist der Herausforderung als Therapiehund gewachsen. Das Tier muss beispielsweise lernen, richtig auf Menschen zuzugehen, erklärt Wolsch. Es muss gehorsam und lernwillig sein. Außerdem darf der Hund keinesfalls aggressiv sein und sich nicht so leicht erschrecken lassen. Diesen Ansprüchen genügen Labradore. „Labradore sind sehr robuste Familienhunde“, sagt Rottenau. Sie seien sehr umgänglich, lernwillig und könnten sich gut in die Gemeinschaft einfügen. „Sie sind ideale Spielgefährten“, ergänzt die 40-jährige Burgauerin.

Dass einer der sechs hellen Labrador-Welpen später in die Fußstapfen von Dijon oder der trächtigen Aylin treten wird, ist momentan eher unwahrscheinlich, da sie verkauft werden. Um einen weiteren Hund als Therapiehund auszubilden, fehlt dem Burgauer die Zeit. Dennoch könnte sich der Heilerziehungspfleger eines der Jungtiere als Therapiehund gut vorstellen. Schon jetzt, nach neun Wochen, erkenne er, wer die Aufgaben eines Therapiehundes gut erfüllen könne, so der Hundeliebhaber.

Weitere Informationen zu den Welpen unter

www.labrador-vom-kraeutergarten.de

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Schlagworte

Burgau | Dijon | Caritas | Augsburg

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Ein Artikel von
Alexandra Schneid

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär


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