Montag, 23. Oktober 2017

12. Oktober 2017 07:00 Uhr

Memmingen/Neu-Ulm

Prozess am Landgericht: Missbrauchsopfer ist glaubwürdig

Die Sachverständige hat keine Zweifel an den Aussagen des Mädchens, das vergewaltigt worden sein soll.

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Sachverständiger belastet den Angeklagten mit neuen Beweisen.
Foto: Alexander Kaya

Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch eines minderjährigen Mädchens hat vor Kurzem beim Landgericht Memmingen die psychiatrische Sachverständige ihr mit Spannung erwartetes Gutachten abgegeben. Sie bezeichnete die Aussagen des Kindes als durchaus glaubwürdig.

Nach dem Gutachten, dass sich über mehrere Stunden hinzog, appellierte der vorsitzende Richter Jürgen Hasler an den Angeklagten: Ein Geständnis angesichts einiger schwerer Beweismittel in den vorangegangen Prozesstagen könne sich durchaus positiv auswirken. Bisher hat sich der 38-Jährige vor Gericht nicht geäußert. „Sie können Pluspunkte sammeln“, sagte Richter Hasler, „wenn dadurch der Verzicht auf Aussage des Opfers möglich wird.“ Eine zusätzliche Schmerzensgeldzahlung könne zudem den Strafrahmen nach unten verschieben. Der liegt üblicherweise nicht unter zwei Jahren – und kann bis deutlich mehr als fünf Jahre betragen.

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Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft, weil er seine damals neunjährige Stieftochter vergewaltigt haben soll (wir berichteten). Zudem waren auf seinem Rechner pornografisches Bild- und Videomaterial entdeckt worden. Außerdem Fotos des zur Tatzeit neunjährigen Missbrauchsopfers – die Tochter seiner damaligen Freundin – allerdings in bekleidetem Zustand. Darüber hinaus wurden Internetverbindungsdaten ermittelt, die das Interesse des Mannes an sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen dokumentieren.

Schwerpunkt des Verhandlungstages war das umfangreiche Gutachten der Münchner Sachverständigen Dorothee Griebel. Sie hatte in zwei Sitzungen Gespräche mit dem Missbrauchsopfer geführt. Dabei ging es vor allem um die Glaubwürdigkeit des Kindes. An Hand zahlreicher Beispiele erläuterte die Sachverständige, warum sie die meisten Aussagen des Mädchens zu den Übergriffen des Angeklagten nicht anzweifelt.

Untersucht wird, ob die Aussagen konsequent und nachvollziehbar seien. So hatte das Mädchen unter anderem über einen Sturz mit Inlinern berichtet, bei dem sie einen Speichenbruch erlitt. In der Schule hatte sie jedoch erzählt, dass sie über einen Stein gestolpert sei, um nicht zum Gespött der Klasse zu werden. Diese Erklärung sei durchaus nachvollziehbar, so die Sachverständige.

Bei den konkreten Anklagepunkten hatte die Neunjährige einige Übergriffe durchaus drastisch beschrieben. So habe sie der Angeklagte in einem Fall festgehalten, um Geschlechtsverkehr mit ihr zu vollziehen. Auch andere sexuelle Praktiken konnte das Opfer schildern. Einmal sei die Mutter auf dem Flur vorbei gegangen, als sie mit dem Angeklagten im Kinderzimmer im Bett gelegen hatte. Sie verhielt sich jedoch still. Aufgeflogen waren die Missbrauchsfälle erst, als sie sich ihrer Mutter anvertraut hatte. Gegenüber den Vernehmungen bei der Polizei hat die Sachverständige bei ihrer Befragung einige Abweichungen festgestellt, da die Neunjährige einige Vorfälle nicht mehr so drastisch beschrieb. Das sei jedoch nicht ungewöhnlich. Insgesamt gesehen stufte die Psychiaterin die Aussagekonstanz als „ausreichend“ ein. Bei einigen Schilderungen habe das Mädchen „originelle Details“ genannt. „Da muss man erst mal drauf kommen“, sagte die Sachverständige. So etwas könne das Mädchen nicht erfunden haben.

Vor der Sachverständigen hatte eine Freundin der Mutter von einem Gespräch mit dem Kind berichtet, in der es von sexuellen Übergriffen des Angeklagten gesprochen hatte. Allerdings habe sie nicht tiefer einsteigen wollen, so die Zeugin, denn es wäre nicht ihre Aufgabe gewesen, das Problem zu lösen.

Beim nächsten Prozesstag am Freitag, 13. Oktober, soll eine Ärztin der Ulmer Uniklinik über gynäkologische Untersuchungen beim Opfer berichten. Zudem hofft die Strafkammer auf ein Geständnis.

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