Freitag, 20. Oktober 2017

24. Februar 2016 03:00 Uhr

Vöhringen

Vom Modegeschäft zur Zeitarbeitsfirma

Nach der Schließung seines Geschäfts in Vöhringen ist Peter Kuhn durch schwierige Zeiten gegangen. Nun orientiert sich der Endfünfziger beruflich neu. Von Ursula Katharina Balken

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Fachgespräche am Computer mit Martin Hartmann, Partner von Peter Kuhn in der Geschäftsführung, der die Firma übernehmen wird, wenn Kuhn sich zur Ruhe setzen will.
Foto: Ursula Katharina Balken

Wer Peter Kuhn nach seinem Befinden fragt, blickt in ein strahlendes Gesicht und die Antwort ist kurz und knapp: „Gut.“ Das war vor fünf Jahren anders. In den Monaten, bevor er das Modegeschäft „Classica“ an der Ulmer Straße in Vöhringen schließen musste und auch wollte, hatte Lächeln bei ihm Seltenheitswert. „Ich bin durch wirklich schlechte Zeiten gegangen, aber ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer nach vorn geschaut, wenngleich es auch Kraft gekostet hat.“

Peter Kuhn leitet jetzt zusammen mit seinem Partner Martin Hartmann seine eigene Zeitarbeitsfirma und betont: „Sicher, es gibt schwarze Schafe in dieser Branche, aber ich möchte die Menschen, mit denen ich zu tun habe, nicht enttäuschen.“ Seine Einstellung ist einfach und überzeugend. „Ich möchte niemanden ausnutzen, durch den ich mein Geld verdiene.“

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Die Schließung des Modegeschäftes 2011 war für die Vöhringer Innenstadt ein herber Verlust. Kuhn berichtet über die Faktoren, die zur Schließung geführt haben. Dabei betont er nachdrücklich: „Ich bin nicht in Insolvenz gegangen und habe auch nicht pleite gemacht. Wir haben die Aussichtslosigkeit unserer Situation erkannt und haben geschlossen.“ Übrigens hätten alle Angestellten als Fachverkäuferinnen wieder einen Job gefunden. Als Gründe für das Aus nennt Kuhn der sicher notwendige Umbau der Ulmer Straße, aber der schlechte Zugang zu seinem Geschäft habe den Umsatz zurückgehen lassen. Auch der Bau der Umgehungsstraße wirkte sich negativ auf die Innenstadt, speziell auf sein Modefachgeschäft , aus. „Hätte ich vor Übernahme des Ladens gewusst, dass es eine Umgehung von Vöhringen geben wird, hätte ich die Finger von der Sache gelassen.“

Da kann Kuhn aus Erfahrung reden. Viele Jahre war er Schulungsleiter in Diensten des Moderiesen C&A mit 1500 Niederlassungen in Europa. Er war zuständig für den Bereich Süddeutschland.

Um Leben in die Innenstadt zu bringen, arrangierte Kuhn „Shopping & Music by Night“, Osteraktionen, Weinfeste im Zelt. „Das hat die Menschen in der Stadt zwar begeistert, aber es gab keine Nachhaltigkeit, es zeigte langfristig keine Wirkung.“ Umsatzsteigerungen gab es nicht, im Gegenteil, die Zahlen rutschten in den roten Bereich. Und zwar so dramatisch, dass sich Peter Kuhn entschloss, eine Stelle anzunehmen, um zusätzlich Geld zu verdienen. Er arbeitete als Disponent in einer Ulmer Zeitarbeitsfirma. Denn die Verbindlichkeiten bei der Bank mussten ja irgendwie minimiert werden. Der Entschluss, das Geschäft zu schließen, fiel im Mai 2011. Der Räumungsverkauf spülte nochmals Geld in die Kasse „und in harten, langwierigen Verhandlungen mit der Bank trafen wir eine gute Vereinbarung, sodass keine Verbindlichkeiten zurückblieben“. Kuhn räumt ein, dass es ein „großes Aufatmen war“ und sich für ihn neue Perspektiven für das Leben ergaben. Und die hießen, sich selbstständig machen.

Jetzt hat er im alten Geschäft im hinteren Teil ein modernes Büro mit sieben Angestellten und ist zusammen mit Martin Hartmann Chef der Firma Classica consulting GmbH. Die Aufgabe einer Zeitarbeitsfirma bestehe darin, Firmen zu akquirieren, die Mitarbeiter mit erforderlichen Qualifikationen suchen, erklärt Kuhn. Er arbeite mit der Jobbörse beziehungsweise dem Arbeitsamt zusammen. Wer Arbeit sucht, dessen Profil wird an Kuhn übermittelt und der versucht, ihn bei einer Firma unterzubringen. Zwischen dem Bewerber und Kuhn finden Gespräche statt. „Da ist das Spektrum weit, vom einfachen Mann mit Migrationshintergrund über Meister im Handwerk bis zu Hochschulabsolventen. Wir sorgen für eine ordentliche Bezahlung und sind auch zuständig dafür, dass Sozialabgaben ordnungsgemäß abgeführt werden. Das nehmen wir sehr genau. Wir halten, was wir versprechen“, betont Kuhn. Für ihn gilt, was heute in der Wirtschaft selten geworden ist, er nennt es „die menschliche Komponente“. Und vielleicht liegt es daran, dass er weiß, wie es sich anfühlt, auf verlorenem Posten zu stehen. Aus seiner Erfahrung sagt er: „Aber es gibt immer eine Lösung im Leben.“

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