Sonntag, 28. Mai 2017

Landsberg

10. November 2011 00:11 Uhr

Vortrag

Kriegsreporter Till Mayer: Er fährt dorthin, von wo andere flüchten

Die Fotos des Reporters Till Mayer dokumentieren die Grauen des Krieges. Er sieht es als seine Aufgabe an, das zu zeigen, was auf der Welt alles nicht in Ordnung ist. Von Sophia-Marie Schwake

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Leidtragende von „Agent Orange“ in Vietnam. Aufgenommen von Kriegsreporter und Fotograf Till Mayer.

Das Mädchen schluckt schwer und flüstert: „Oh mein Gott!“ Auf der Leinwand ist ein Bild von einem ausgehungerten Kind zu sehen. Das Foto erzielt Wirkung, es herrscht eine betretende Stimmung in der Mensa des Schwabmünchner Leonhard-Wagner-Gymnasiums. Der Blick des Mannes vorne schweift ruhig über die Menge, bevor er beginnt, die Geschichte des abgebildeten Buben zu erzählen.

Journalist und Fotograf

Till Mayer ist Journalist und Fotograf, der seine Aufgabe darin versteht, zu zeigen, was alles auf dieser Welt nicht in Ordnung ist. Für sein Buch „Abseits der Schlachtfelder“ und die gleichnamige Ausstellung, die er in Schwabmünchen, Untermeitingen und in mehreren bayerischen Schulen vorstellt, porträtierte der 39-Jährige Kriegsopfer. Leidtragende von Agent Orange in Vietnam, KZ-Überlebende in Osteuropa, Kriegsopfer im Irak oder der Kosovo-Krise gehören dazu.

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Seine erste Kriegsreportage führte den Bamberger auf den Balkan. Auf eigene Faust fuhr er in das vom Krieg verwüstete Land. „Mit dieser Reportage habe ich mich beim Roten Kreuz beworben, die mir dann einen Auftrag für Ruanda gegeben haben. Wahrscheinlich haben sie nicht gesehen, wie alt ich war.“ Er war gerade 21. Das war der Anfang seiner Karriere als Krisenreporter.

In Äthiopien starben Kinder direkt vor seinen Augen

Seitdem war er viel unterwegs. Unter anderem auch in Äthiopien, wo das Bild eines unterernährten Buben entstand. Diese Reise war eine der schrecklichsten, so Mayer. Er musste erleben, wie direkt vor seinen Augen Kinder verhungerten. Das Bild auf der Leinwand wechselt. Ein schönes Schwarzweiß-Foto erscheint. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass der Bub auf Krücken geht und der Mann keine Hände hat. Über ihn berichtet Mayer mit Bewunderung: Trotz des Verlusts beider Hände bemühe er sich, seinen Mitmenschen Mut zuzusprechen.

Noch heute gibt es fast überall Menschen, die unter Kriegen und ihren Nachwirkungen leiden. „Gemeinsam haben sie alle, dass sie sehr stark sind und dem Krieg und seinen Folgen jeden Tag die Stirn bieten, auch wenn es sie oft ihre ganze Kraft kostet“, so der Reporter. Durch seine Bilder will Mayer an die vielen Kriegsgeschädigten erinnern. Schon der Vortrag kostet Kraft. Wie schafft man es, so viel Elend zu sehen, ohne daran zu zerbrechen? „Man muss eine gewisse Distanz zu den Menschen und ihren Schicksalen aufbauen. Ich konnte ja immer heimkehren in meine heile Welt. Aber natürlich steckt auch ein Stück Krieg in mir“, berichtet Mayer.

Er schämt sich manchmal

Für ihn ist es schwer, zu sehen, wie gleichgültig die Menschen in den reichen Ländern dem Leiden oft gegenübertreten. Doch auch er selbst schämt sich manchmal: „Wenn wir mehr teilen würden, könnten wir die schlimmste Armut überwinden und hätten trotzdem genug, um das Leben zu genießen.“

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