Dienstag, 21. November 2017

22. Februar 2016 00:33 Uhr

Landwirtschaft

Pediküre und eine Rallye

Entgegen des Klischees ist der Februar für Bauer Markus Hemmerle kein „Kanapee-Monat“. Denn der Terminkalender des Landwirts ist gut gefüllt

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„Im Märzen der Bauer“ hieß es zu Beginn unserer Serie. Seitdem begleiten wir Bauer Markus Hemmerle aus Apfeltrach durchs Jahr. Letzte Folge.

„Und wann kommt jetzt der Kanapee-Artikel?“, hat ihn kürzlich einer gefragt. Markus Hemmerle schmunzelt. Kanapee-Monat? Das war der Februar vielleicht früher mal. Der moderne Landwirt verbringt in diesem Monat viel Zeit im Büro, bei Besprechungen und vor allem der „Generalversammlungsrallye“, wie Markus Hemmerle sie nennt. „Ich habe mich gefragt, was ich im Februar so mache – und dann hab ich gesehen: Mein Terminkalender ist voll!“

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Milcherzeugergemeinschaft, Erzeugering, Maschinenring, Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh, Bauernverband, Futtertrocknung, Jagdgenossenschaft, Jungzüchterversammlung, Zuchtverband, Viehzuchtgenossenschaft, Maschinengemeinschaft in Apfeltrach oder die des Maschinenrings: Überall wird auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und für das neue Jahr geplant. Hemmerle schaut, dass er an möglichst vielen Treffen teilnehmen kann. „Es ist wichtig, miteinander zu sprechen“, findet er. Bei den Maschinengemeinschaften geht es zum Beispiel darum, die einzelnen Geräte zu analysieren. Wie rentabel sind die Maschinen? Werden welche ausgetauscht? Wo wird investiert? Die Summen, um die es geht, sind nicht ohne – und so ist es wichtig, dass keine Konflikte brodeln, die über die Zeit zu Problemen hochkochen.

Auf vielen Versammlungen gibt es neben den Jahresberichten Fachvorträge, beispielsweise zur Tiergesundheit oder dem Pflanzenbau sowie eine Einschätzung über die Zukunft – ein Grund, warum Markus Hemmerle dorthin geht: „Ich brauch’ Fingerspitzengefühl, wohin der Markt geht.“ Wie kommt der Milchpreis zustande? Warum? Wie lange bleibt er so? „Ich muss mich dafür interessieren, weil ich noch eine Zeit lang davon leben will“, sagt der 35-Jährige. Die Landwirtschaft, das sei nicht mehr nur der eigene Betrieb. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Bauern in Vereinen und Verbänden organisiert. Und so ist der Februar unter anderem der Monat mit dem vollen Terminkalender.

Daneben muss das Bauernjahr geplant werden. Beispielsweise geht der Pflanzenschutzberater mit dem Landwirt die Düngeplanung an und auch der Antrag für die Dieselrückvergütung muss gestellt werden. Auf einem Online-Portal muss Hemmerle zudem seine Nährstoffbilanz eintragen: „Ich hab nix davon, aber ich muss es machen.“ Denn falls er dies bei einer Betriebskontrolle nicht vorweisen kann, wird ihm Geld gestrichen.

Ein weiterer Termin im Februar war der Besuch des Klauenpflegers. „Wenn ich aufs Konto schau, dürfte ich den nicht anrufen“, sagt Markus Hemmerle angesichts des niedrigen Milchpreises. „Aber das ist wichtig für meine Mannschaft.“ Er sei der Erste in Apfeltrach gewesen, der einen professionellen Klauenpfleger engagiert habe, inzwischen haben einige Landwirte nachgezogen, erklärt Hemmerle. „Das rechnet sich absolut.“ Der Klauenpfleger einer Spezialfirma aus dem Landkreis Dillingen erkenne Fußerkrankungen auf den ersten Blick und behandle sie auch gleich richtig. Zudem bekomme man als Landwirt einen Überblick über den Klauenzustand der gesamten Herde. Weil die Tiere nicht in der freien Natur leben, fehlt ihnen der natürliche Abrieb; gerade auch durch die weichen Gummimatten im Stall. Weil das Horn nicht gleichmäßig wächst, schneidet es der Klauenpfleger. Die Kuh steht wieder gerade, Fehlstellungen, die dem Bauer einmal teuer zu stehen kommen könnten, werden so vermieden.

Klauenpfleger Igor Bauer kommt regelmäßig zu Markus Hemmerle und weiß deshalb auch, welche der Kühe beispielsweise beim letzten Besuch vor einem halben Jahr eine Pilzerkrankung hatte. Markus Hemmerle und sein Vater bringen immer ein paar Kühe in einen Teil des Stalls, dann wird jede einzeln in den Klauenpflegestand getrieben. Ist ihre Vorgängerin fertig, betritt die Kuh die grüne Gitterbox.

Zwei Gurte nähern sich von unten ihrem Bauch und ziehen die mehrere Hundert Kilogramm schweren Tiere nach oben. Die Kühe lassen die Prozedur ruhig über sich ergehen. Damen, die die Pediküre schon hinter sich haben, schauen neugierig zu, was mit ihren Kolleginnen passiert. Die „fahren“ derweil nach oben.

Klauenpfleger Igor befestigt die Hinterbeine, die per Seilwinde nach hinten oben befördert werden. Fast scheint es, als würde die Kuh schweben. Mit einer Flex schneidet Bauer die Klauen der Tiere. Teile von Horn fliegen durch die Luft. Hat ein Tier eine Verletzung an der Klaue oder hat sich ein Pilz an diese warme und feuchte Stelle des Körpers eingenistet, rückt ihm der Hufpfleger mit verschiedenen Sprays zu Leibe. Einige wenige Tiere bekommen einen Verband. Markus Hemmerle notiert auf einem Zettel, bei welcher Kuh es Probleme gibt – so kann er beim nächsten Mal schauen, was sich verbessert hat.

Binnen weniger Minuten ist die Prozedur beendet. Die Kuh wird wieder nach unten gefahren, die Gurte fallen zu Boden. Tapp, tapp, tapp – heraus aus dem Gitterkäfig und schon ist die nächste dran.

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Ein Artikel von
Melanie Lippl

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Ressort: Lokalnachrichten Mindelheim


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