Mittwoch, 20. September 2017

19. August 2011 20:00 Uhr

Lyriker in der RegionNUZ

Auch ein Misthaufen kannein Weltwunder sein

Die mehrfach preisgekrönte Christine Langer aus Neu-Ulm ist mit ihren naturverliebten Gedichten zu einem Liebling der Feuilletons und der Lyrikleser geworden. Auftakt zu neuer Von Michael Peter Bluhm

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Neu-Ulm Liebe zu Natur in Worte fassen, das kann im deutschsprachigen Raum wohl niemand so gut wie Christine Langer. Wenn die Neu-Ulmer Lyrikerin einen Gedichtband herausgibt, geraten bundesweit die Feuilletonisten ins Schwärmen. Drei Jahre leistet die Autorin hoch konzentrierte und lustvolle Schwerstarbeit, bis so eine einmalige Gedichtsammlung fertig ist.

Gedichte, wie sie Christine Langer schreibt, kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, wie es so manche Krimiautoren tun, die jedes Jahr ein neues Buch auf dem Markt bringen. Man kann sich auch nicht jeden Morgen an den Schreibtisch zwingen, um nach dem Motto „Unser täglich Gedicht gib uns heute“ sein Soll zu erfüllen. Langers Handwerkzeug sind die sinnlichen Wahrnehmungen des Alltags, die es gilt, in Sprache zu übersetzen und eine Reibungsfläche für ein Gedicht zu schaffen. Ein manchmal mühsames Geschäft.

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Wenn die Dichterin ihre Eindrücke in der Natur in Worte fasst, dann hat sie keine Botschaft im Sinn. Schon gar keine politische. Von persönlich dominierten Gedichtergüssen hält sie überhaupt nichts. Vielmehr arbeitet Christine Langer daran, die Natur, deren Oberflächen und die dahinter zum Vorschein kommenden Geheimnisse zu ergründen. Da wird selbst ein Misthaufen zum Weltwunder und das Licht in den Pfützen ist ihr wichtiger als jeder romantische Sonnenuntergang. Mit einem fulminanten Sprachschatz ausgestattet, ist sie so etwas wie eine lyrische Berichterstatterin der Natur in deren stetiger Verwandlung. Ein Kritiker hat mal von einer voyeuristischen Leidenschaft gesprochen, die dem ungemein sensiblen Blick von Christine Langer inne wohne, der zudem unbestechlich ist.

Wenn man durch ihre bisherigen Bücher blättert, dann schwingt beim Lesen der Gedichte Melodie und Rhythmus mit. Und in der Tat ist Christine Langer in der Welt der Klänge zuhause. Musik von Bach, Liszt, Janacek, Prokofiev und Rachmaninov ist ihre tägliche Wegbegleitung. Hinzu kommt Richard Wagner. Diese Woche erlebte sie einen musikalischen Höhepunkt ihres Lebens, weil sie Karten für die Bayreuther Festspiele ergattern konnte, für die man bis zu zehn Jahre warten muss.

Die Lyrikerin ist das ganze Gegenteil einer Künstlerin, die in ihrer Kammer einsam auf Einfälle wartet. Inspirationen holt sie sich bei Spaziergängen beispielsweise im Silberwald auf Neu-Ulmer Gemarkung und an der Iller. Und das mit Vorliebe nachts. Zum täglichen Prozedere gehört auch Pflege ihres Hengstes „Horaz“ in Senden, dem sie ebenso schon ein Gedicht gewidmet hat wie ihrem Hauskater Kasimir.

Von Lyrik kann auch eine so erfolgreiche Autorin wie Christine Langer nicht leben. Die gelernte Industriekauffrau arbeitet halbtags in einer Nervenarztpraxis und ist Chefredakteurin des Magazins „Konzepte“, einer anspruchsvollen Zeitschrift für Literatur. Nach Kräften unterstützt Christine Langer, deren Bücher regelmäßig auch ins Französische übersetzt werden, die Lyrik-Kollegen in der Region. Sie leitete jahrelang den „Verein Ulmer Autoren 81“, außerdem ist sie als Fachjournalistin tätig.

Christine Langer erhielt 1996 den Förderpreis für Literatur der Stadt Ulm. Ein Jahr später folgte der Literaturpreis der Künstlergilde für Lyrik. 2005 wurde Christine Langer mit dem Stipendium Deutscher Literaturfonds zum Textwerk-Lyrikseminar des Literaturhauses München ausgezeichnet. 2006 wurde sie mit dem Förderpreis für Lyrik der Internationalen Bodenseekonferenz beehrt. 2007 ernannte die Darmstädter Jury ihren Gedichtband „Lichtrisse“ zum Buch des Monats März, 2007 folgte ein Arbeitsstipendium des Förderpreises deutscher Schriftsteller, 2009 das Jahresstipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und im gleichen Jahr eine Auszeichnung durch das Kulturreferat Esslingen. Die Jury fand, Christine Langers Gedichte bestechen durch Verve, rhythmische Energie und formale Kühnheit.

Erschienen sind von Christine Langer folgende Bücher: „Treppenaufgang“, Lyrik und Prosa (2000); „Studie für Fotografen“, Gedichte (2004); „Lichtrisse“, Gedichte (2007); „Findelgesichter“ Gedichte (2010). Der nächste Band ist für 2013 vorgesehen.

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