Weder Augus-Theater noch Café-Betreiberin an Übernahme interessiert Von Roland Ströbele
Neu-Ulm Nach den weiteren Verhandlungen um die Zukunft des Konzertsaales an der Silcherstraße in Neu-Ulm zeichnet sich immer mehr ab, dass der im hinteren Teil des Gebäudes liegende Saal wohl abgerissen und durch Wohnungen ersetzt wird. Dies liegt nicht an der maroden Bausubstanz allein, sondern hauptsächlich an der Tatsache, dass weder die Betreiberin des Cafés noch Heinz Koch als Chef des Augus-Theaters Interesse an dem Saal haben. „Wozu also sollen wir ihn erhalten, wenn ihn keiner haben will?“ fragt deshalb der Sendener Immobilienhändler Sebastian Hirn, der im Auftrag des neuen Konzertsaalbesitzers Rolf Kunze aus Langenau die Verhandlungen führt. Der Eigentümer brauche eine rentable Nutzung des Gebäudes. Bleiben die Cafébetreiberin und der Theaterchef bei ihren Nein, wird der Saal wohl der Abrissbirne zum Opfer fallen. Dann sollen an gleicher Stelle Wohnungen hochgezogen werden.
Der vordere Teil des Gebäudes bleibt nach Lage der Dinge erhalten. In den vergangenen Wochen ist der Unrat aus den in den Obergeschossen gelegenen Wohnungen entfernt worden. „Wir haben drei Container voll mit Müll abgefahren“, berichtet Sebastian Hirn. Nun können Statiker und Gutachter das Gebäude untersuchen. Vom Ergebnis ihrer Arbeit wird es abhängen, was mit dem Gebäude passiert. Bei einer ersten Durchsicht sei festgestellt worden, dass die Mauern in den Oberen Geschossen in einem sehr schlechten Zustand sind. Ziel ist es nach wie vor, das historische Gebäude zu erhalten, wenn dies möglich ist, betont Sebastian Hirn. Dies sei in den Gesprächen mit Stadtbaudirektor Andreas Neureuther und Jörg Oberle vom Stadtplanungsamt vereinbart worden, sofern aus bautechnischen Gründen nichts dagegen spreche. Für die weitere Abwicklung des Vorhabens sei inzwischen ein Projektsteurer beauftragt worden. Der werde die weiteren Gespräche mit den Baufachleuten im Rathaus, den Architekten und dem Eigentümer des historischen Gebäudes begleiten und moderieren.
Wie Hirn weiter berichtete, seien die Gespräche mit der Betreiberin des Konzertsaal-Cafés sehr weit fortgeschritten. Sie will die gut gehende Gaststätte auch nach dem Umbau weiterbetreiben. Nun werde eine Lösung gesucht, dass die Umbauarbeiten in einer eher umsatzschwachen Zeit erledigt werden, um ihre Einnahmeverluste zu minimieren. Überlegungen, dass die Betreiberin mit ihrem Café in das seit Jahresanfang leer stehende Café „Tagblatt“ am Neu-Ulmer Donauufer ganz oder vorübergehend umzieht, haben sich nach ersten Gesprächen zerschlagen. Das Gebäude, in dem auch Rechtsanwälte residieren, ist im Besitz einer Erbengemeinschaft. Über deren Pläne mit dem Lokal gibt es keine Erkenntnisse.
Besitzer liebäugelt nun mit Wohnungen
Wenig Bewegung ist nach Hirns Worten in die Gespräche mit Augus-Theater-Chef Heinz Koch gekommen. Der habe sich noch nicht endgültig über seine Pläne geäußert und ziehe es offenbar vor, seine Vorstellungen über die örtlichen Zeitungen zu kommunizieren. Eine Zusage, dass er nach einer Renovierung den Saal weiter bespielen wolle, liege bisher nicht vor. Stand der Gespräche sei, dass Koch der Saal für sein Theater zu groß sei und er im Stadtgebiet nach einer kleineren Lösung suche. Der Besitzer des Gebäudes verspüre jedoch keinen Drang, den Saal für teures Geld zu sanieren und dann leer stehen zu lassen. Sollten sich keine Nutzer für den Saal finden, dann würden dort Wohnungen gebaut, die sich weitaus besser und profitabler vermarkten ließen.
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