Freitag, 31. Oktober 2014

12. Juni 2013 08:50 Uhr

Deutschland

Hochwasser-Höhepunkt im Norden: Mann stirbt im überschwemmten Keller

Der Norden Deutschlands kämpft weiter gegen das Hochwasser an. In Sachsen-Anhalt müssen erneut Menschen in Sicherheit gebracht werden.

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Die Pegelstände stagnieren oder sinken vielerorts endlich. Das Elebe-Hochwasser scheint seinen Höchststand erreicht zu haben. Dennoch drücken die Wassermassen weiter auf die Deiche, in Sachsen-Anhalt mussten erneut Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Ein Mann starb in seinem überschwemmten Keller.

Die Gefahr von Brüchen bleibe groß, sagte der Katastrophenstab des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch. In Lauenburg in Schleswig-Holstein blieb der Wasserstand seit dem Abendstunden in etwa konstant. Auch in Niedersachsen verharrte die Elbe auf ihrem Höchststand. Im von den Fluten bedrohten Ort Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen will sich im Laufe des Tages Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Lage informieren.

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Fischbeck in Sachsen-Anhalt dem Hochwasser überlassen?

Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden am späten Dienstagabend rund 150 Menschen in Sicherheit gebracht. Grund war der bereits gebrochene Deich bei Fischbeck, wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte. «Nach längeren Versuchen, den Ort zur retten, war dies nicht mehr möglich», sagte eine Sprecherin. Helfer wären sonst selbst in Gefahr geraten. Schließlich forderte der Krisenstab die rund 200 Bewohner der Orte Klietz, Kamern und Wust, dass sie ihre Häuser verlassen sollen. Es bestehe Lebensgefahr.

An der Bruchstelle des Deichs sei die Situation jedoch weitgehend stabilisiert. Die Bundeswehr hatte aus der Luft große Sandsäcke abgeworfen; es fließe mittlerweile weniger Wasser durch die Bruchstelle. Nach wie vor verteilen sich jedoch gigantische Wassermassen im Hinterland. In Magdeburg entspannte sich die Lage, die Pegelstände sanken weiter.

In Lauenburg in Schleswig-Holstein war die Lage nach wie vor angespannt. Teilweise stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch in den Straßen. Man hoffe, dass der Scheitelpunkt des Hochwasser demnächst erreicht sei, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Im Laufe des Tages soll laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Pegel Hohnstorf ein Höchststand von 9,55 Metern erreicht werden.

Mann stirbt an Stromschlag in einem überschwemmten Keller

Beim Auspumpen eines überschwemmten Kellers in Aken in Sachsen-Anhalt ist ein 61-jähriger Mann ums Leben gekommen. Er wurde in der Nacht zum Mittwoch durch einen Stromschlag getötet, wie die Polizei in Halle mitteilte. Der Mann wollte seinen Keller auspumpen, der bei der Flut vollgelaufen war. Den Stromschlag habe er bei Arbeiten an einer elektrischen Anlage bekommen. Seine Ehefrau erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus. In den vergangenen Tagen hatte es im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Deutschland bereits mehrere Tote gegeben, drei davon in Sachsen-Anhalt.

Hochwasser bringt rund 50 Tonnen Treibgut

Auch Niedersachsen kämpft weiter gegen die Elbeflut. Die Einsatzkräfte müssen die Deiche gegen die Wassermassen verteidigen. Tausende von Helfern sind im Einsatz. Das Wasser soll nach Einschätzung der Katastrophenstäbe aber nicht mehr weiter steigen. Doch bedrohen schwimmende Bäume und Äste Deiche und in Hitzacker auch die dünne Spundwand, die die Altstadt sichern soll. Rund 50 Tonnen Treibgut holten die Einsatzkräfte nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg in den vergangenen Tagen aus der Elbe. Zudem steigt die Gefahr, dass die Deiche durchweichen.

 

In Mecklenburg-Vorpommern sind mehr als 3000 Einsatzkräfte und Helfer in der Region um Dömitz und Boizenburg im Einsatz. Die Pegelstände blieben in der Nacht zum Mittwoch weitgehend stabil bei etwa 7,18 Metern in Dömitz und 7,32 in Boizenburg. Normal sind rund zwei Meter. An vielen Stellen sickert bereits Wasser durch die Deiche. Wie der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Rolf Christiansen (SPD), mitteilte, sind die Stellen aber noch unproblematisch.

Flutkatastrophe vernichtet Akten des Finanzamtes im Gera

Das Hochwasser in Gera hat auch Thüringens größtes Finanzamt getroffen und etliche Akten zerstört. Betroffen seien rund 100 laufende Meter, erklärte der Sprecher des Finanzministeriums, Alexander Flachs. Schuld sei Wasser, das aus der Kanalisation in den Keller des Gebäudes gedrückt wurde. Doch seien die betreffenden Daten nicht gänzlich verloren, weil die Akten  auch als Kopie oder in elektronischer Form vorlägen. Über den Wasserschaden im Geraer Finanzamt hatte am Mittwoch die «Thüringer Allgemeine» berichtet.

Hochwasser: Spenden-Gala für Flutopfer

Brandenburg scheint beim Hochwasser glimpflich davonzukommen. Wegen des gebrochenen Deichs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt war im Havelland ein rund 3,5 Kilometer Notdeich errichtet worden. «Die Lage sieht stabil aus», sagte ein Sprecher der Koordinierungsstelle Katastrophenmanagement. Der Notdeich werde wohl nicht unter Druck geraten. Im Süden des Landes haben unterdessen die Aufräumarbeiten begonnen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte ARD und ZDF auf, im Rahmen einer Spendengala Geld für die Flutopfer in Deutschland zu sammeln. Der «Bild»-Zeitung (Mittwoch) sagte Kauder: «ARD und ZDF sollten sich überlegen, ob sie nicht zur Linderung der Schäden durch die Flut eine extra Spenden-Gala veranstalten.» Die Sendung könnte gut auf die Möglichkeiten zum Spenden hinweisen. Kauder erinnerte an die Erfahrungen mit der Flut von 2002. Damals sei eine solche Sendung ein voller Erfolg gewesen. dpa

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