Montag, 20. November 2017

14. November 2017 16:00 Uhr

Bobingen

Gewerkschaft: Der Bauboom hat zwei Seiten

Bei einer Jubilarehrung in Bobingen geht es auch um die Kehrseite der Hochkonjunktur aus Sicht der IG Bau. Von Elmar Knöchel

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Sie wurden für 65 Jahre Mitgliedschaft in der IG BAU geehrt. Vorne v.l.: Erwin Herfert, Otto Dick, Georg Neumair, mit Andreas Golling, Arthur Kick. Hinten v.l.: Bezirksvorsitzender Michael Jäger und Regionalleiter Karl Bauer. 
Foto: Elmar Knöchel

Die heißlaufende Baukonjunktur war in Bobingen ein aktuelles Thema bei der zentralen Jubilarfeier der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, kurz IG Bau, für Schwaben. Karl Bauer, Regionalleiter der IG Bau in Bayern, ging in dem Zusammenhang näher auf politische Gegebenheiten ein. So bezeichnete er die momentan stark gestiegene Bautätigkeit auch aus Sicht der Gewerkschaft als grundsätzlich positiv. Wenngleich nicht alles Gold sei, was glänzt. Der zu-grunde liegende Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei natürlich ein gravierendes Problem, das die Politik seit zehn Jahren konsequent verschlafen habe.

Fachkräfte fehlen

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Schlimm sei auch, dass das Baugewerbe nicht in der Lage sei, die vielen Aufträge wirklich zeitnah abzuarbeiten, da es in der Branche, ähnlich wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen, an Nachwuchskräften fehle. Facharbeiter seien quasi überhaupt nicht mehr zu bekommen. Automatisch würden immer mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert. Da diese aber nur kurz in Deutschland seien und oft auch der deutschen Sprache nicht mächtig, wäre es für die Gewerkschaft sehr schwer, sich um sie zu kümmern.

Es geht auch um die Rente

Was aber notwendig sei, da in diesem Bereich oftmals nicht einmal der Mindestlohn gezahlt würde, von Sozialleistungen und Kündigungsschutz ganz zu schweigen. Allein das zeige, wie wichtig eine funktionierende und schlagkräftige Gewerkschaft sei. „Wir sind dazu da, um für Gerechtigkeit, gerechte Bezahlung und ein menschenwürdiges Arbeitsumfeld zu sorgen. Und auch dafür, dass jemand, der sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hat, am Ende von seiner Rente auch leben kann“, so Karl Bauer. Daher sei es ihm eine besondere Freude, 156 Jubilare, von denen immerhin knapp 60 anwesend seien, zu ehren.

Leider seien die meisten Absagen gesundheitlich bedingt gewesen. Was angesichts des teilweise hohen Alters auch nicht verwunderlich sei. So hätten die drei Mitglieder, die für 70 Jahre Zugehörigkeit zur IG Bau geehrt werden sollten, alle drei absagen müssen. Aber von den zehn Kollegen die für 65 Jahre Gewerkschaftstreue ausgezeichnet würden, seien erfreulicherweise fünf nach Bobingen gekommen.

Berufe von morgen

Bobingens Bürgermeister Bernd Müller hob in einem Grußwort hervor, wie wichtig in einer sich rasch wandelnden Gesellschaft ein verlässlicher Eckpfeiler, zum Beispiel eine aktive Gewerkschaft, sei. „Von den Kindern, die 2017 geboren werden und in circa 20 Jahren eine Berufsausbildung beginnen werden, wird die Hälfte einen Beruf ergreifen, den wir heute noch nicht einmal kennen“, so Müller.

Diese Prognose habe ihm ein bekannter Sozialwissenschaftler verraten. Vor diesem Hintergrund könne man gar nicht dankbar genug sein für den langjährigen und stetigen Einsatz der Jubilare des heutigen Tages. Um zu verdeutlichen, was für eine lange Zeitspanne zum Beispiel 65 Jahre bei der Gewerkschaft umfassen, machte Karl Bauer einen kurzen Ausflug ins Jahr 1952, dem Jahr, in dem einige Jubilare in die Gewerkschaft eingetreten waren: „Das Lied des Jahres war von Hans Albers ,Nimm mich mit Kapitän auf die Reise‘. Der Roman des Jahres war ,Der alte Mann und das Meer‘, im Kino wurde ,Casablanca‘ gezeigt und im Fernsehen lief am zweiten Weihnachtsfeiertag zum ersten Mal die Tagesschau.“ Das vermittle einen Eindruck, so Bauer.

Daraufhin übergaben er und die Bezirksvorsitzenden die Ehrenurkunden an die anwesenden Jubilare. Anschließend gab es bei einem Mittagessen reichlich Gesprächsstoff zu alten Zeiten, die politische Situation und den Weg der Gewerkschaften in die Zukunft.

Einer der Jubilare sagte zu seinem Engagement: „Gewerkschaft, das ist nicht einfach nur ein Verein, das ist eine Berufung“.

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