Freitag, 24. November 2017

10. Mai 2017 13:00 Uhr

Bobingen

Mutter aus Thailand umgarnt Trevira

Der Faserhersteller aus Bobingen ist ganz in der Hand eines asiatischen Konzerns. Warum das keinen stört.

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Trevira-Fäden können auch zum Kunstwerk werden. Das zeigte die „Gewebe“-Ausstellung im vergangenen Jahr in Bobingen.
Foto: Anderson

Trevira ist nun vollständig Teil des thailändischen Mutterkonzerns Indorama Ventures PCL (IVL). Dieser hat die restlichen 25 Prozent Anteil des italienischen Garnherstellers Sinterama übernommen. Laut einer Pressemitteilung von Trevira ändert sich dadurch nichts an der Eigenständigkeit der Marke innerhalb des Mutterkonzerns.

Der Chef des Fasergeschäfts bei IVL, Uday Gill, bekräftigte: „Die Trevira mit ihrer weltweit bekannten Marke ist integraler Bestandteil unserer Spezialitätenportfoliostrategie. Wir sehen besondere Wachstumschancen im Hygiene- und Automobilsegment sowie im hochwertigen Heimtextilbereich.”

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Für Trevira Geschäftsführer Klaus Holz ist die Übernahme der restlichen Anteile von Sinterama lediglich ein konsequenter letzter Schritt, der das langfristige Engagement des Mutterkonzerns dokumentiere: „Für die Trevira und ihre Kunden und Zulieferer zeigt diese Konsolidierung das Engagement von Indorama Ventures, in das Unternehmen zu investieren und eine weiterhin starke und zuverlässige Partnerschaft zu bieten. IVL hat uns von Anfang an bei all unseren Aktivitäten unterstützt und uns in sein globales Netzwerk eingebunden. Wir arbeiten an gemeinsamen Projekten und profitieren signifikant von den Synergien innerhalb des IVL-Konzerns.“

Trevira blieb eigenständig am Markt tätig

Die Übernahme aller Geschäftsanteile vom früheren Juniorpartner aus Biella in Italien dürfte bei Trevira intern weit weniger Turbulenzen ausgelöst haben als frühere Veränderungen in der wechselvollen Geschichte der Trevira.

Zu Anfang des Jahres 2011 kauften zunächst der thailändische Branchenriese Indorama und der kleine italienische Garnspezialist Sinterama das Unternehmen für eine unbekannte Summe. Trevira blieb eigenständig am Markt tätig und behielt auch seine Produktionsstandorte in Bobingen, in Guben und im polnischen Zielona Gora. Damit endeten für Trevira nach der vorausgegangenen Insolvenz zwei Jahre der Ungewissheit.

Wirtschaftskrise 2009 führte Trevira in die Insolvenz

Und das waren nicht die ersten wechselvollen Jahre gewesen. Ende 1954 hatte das Werk Bobingen, das seit 1952 zu Hoechst gehörte, mit der Produktion von Stapelfasern aus Polyester begonnen, der neuesten Innovation auf dem damals noch jungen Chemiefasermarkt. Nachdem in Bobingen eine lange goldene Blütezeit in den 1990er-Jahren mit der Zerschlagung der Hoechst AG zu Ende gegangen war, war Trevira zunächst in der Hand eines indonesischen Geldgebers gewesen, dann gehörte das Unternehmen der Deutschen Bank und später der indischen Reliance-Gruppe.

Die Wirtschaftskrise führte Trevira 2009 in die Insolvenz. Bis dahin hatten Finanzinvestoren die Entwicklung bestimmt. Das änderte sich 2011.

Die Hoffnungen von Betriebsrat und Gewerkschaftern, dass IVL und Sinterama strategische Partner seien, denen es um die Stärkung und weniger allein um Wertabschöpfung gehe, haben sich erfüllt. Schon 2014 stellten sie fest, dass stark in Trevira investiert worden sei. Die Zahl der Mitarbeiter ist seit 2011 allerdings von 1350 auf 1100 gesunken. In Bobingen von 600 auf nunmehr 460. Weitere 600 Arbeitsplätze sind es derzeit in Guben. Nahezu gehalten wurde der Umsatz. Er lag 2016 laut Firmenangaben bei 230 Millionen Euro.

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Ein Artikel von
Pitt Schurian

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