Sonntag, 17. Dezember 2017

12. Oktober 2017 06:46 Uhr

FC Augsburg

Jeffrey Gouweleeuw ist enttäuscht von Hollands Nationaltrainer

Nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft kritisiert der niederländische FCA-Profi Gouweleeuw den Noch-Bondscoach Dick Advocaat. Er hofft beim Neuaufbau auf seine Chance.

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Spaß mit dem FCA, Frust im Hinblick auf das niederländische Nationalteam: Jeffrey Gouweleeuw.
Foto: Hasan Bratic, dpa

Am Dienstagabend hatte Jeffrey Gouweleeuw wieder einen Pflichttermin vor seinem TV. Wie jedes Mal, wenn die Niederlande in der WM-Qualifikation angetreten war. „Ich habe alle Spiele live gesehen, es ist ja mein Land. Gegen Schweden war das Spiel etwas besser, aber das war zu spät“, erklärte der niederländische Fußball-Profi des FC Augsburg am Mittwoch nach dem Vormittagstraining. Der 2:0-Heimsieg gegen Schweden reichte nicht, die Niederlande ist bei der WM 2018 nur Zuschauer. Gouweleeus Kommentar ist hart: „Wir sind nicht dabei in Russland, es kann nicht schlimmer werden.“

Dass sein Kollege Alfred Finnbogason mit Island zur WM fährt und die Niederlande nicht, findet er nur gerecht: „Ich freue mich für Alfred, sie haben es sich verdient. Der große Unterschied ist, Island ist eine Mannschaft und ich denke, in Holland ist das nicht so.“

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Doch die Bankrotterklärung der Nationalmannschaft könnte für Gouweleeuw die Chance sein, selbst beim Neuaufbau mitzuhelfen. Der 26-jährige Innenverteidiger, der in Heemskerk, einer Gemeinde 20 Kilometer nordwestlich von Amsterdam, geboren wurde, spielte zwar in einigen Jugend-Nationalmannschaften, doch das orange Trikot der Elftal, so nennen die Niederländer ihre A-Nationalmannschaft, trug er noch nie.

Dabei war Gouweleeuw schon vor seinem Wechsel zum FCA im Januar 2016 in der Niederlande kein Unbekannter. Für den SC Heerenveen und den AZ Alkmaar bestritt er fast 150 Spiele in der Eredivisie, war Kapitän und Leistungsträger. Auch beim FCA, der ihn in den Europa-League-Gruppenspielen entdeckt hatte, wurde er schnell zum Stammspieler, verdrängte den Südkoreaner Jeong-Ho Hong. Doch die vergangene Saison entwickelte sich zum Seuchenjahr.

Jeffrey Gouweleeuw: Feste Größe beim FCA

Im Oktober kollabierte seine Lunge, er fiel fast zwei Monate aus. „Es war nicht nur eine Verletzung, es ging um meine Gesundheit. Aber jetzt habe ich keine Schmerzen mehr, das ist das Wichtigste“, sagt Gouweleeuw heute. Danach zwangen ihn noch Rückenprobleme und ein Kapselriss zu Zwangspausen.

Doch als er in der Endphase der vergangenen Saison zurückkehrte, war er maßgeblich am Klassenerhalt mitbeteiligt. Und auch beim Turbostart in dieser Spielzeit war Gouweleeuw eine treibende Kraft.

„Er kann sehr gut das Spiel lesen, kann gut aufbauen, kann gut stechen, er gehört für mich zu den besten Innenverteidiger, die wir in der Bundesliga haben“, sagt FCA-Trainer Manuel Baum. Alle sieben Punktspiele stand Gouweleeuw auf dem Platz und mit jeder der 630 Minuten stieg sein Selbstbewußtsein.

Und jetzt, nach der Pleite in der Qualifikation meldet der eigentlich eher introvertierte Familienvater seine Ansprüche an: „Sie haben nicht gut gespielt. Wenn ich die Spieler sehe, die jetzt im Kader waren, dann könnte ich auch dabei sein. Es sind Spieler dabei, die bei ihrem eigenen Verein nicht regelmäßig spielen. Ich selbst spiele jede Woche Bundesliga, deshalb müsste ich auch eine Chance bekommen.“

Jeffrey Gouweleeuw: Warum findet er keine Berücksichtigung in der niederländischen Nationalelf?

Dass ihn sein ehemaliger Vereinstrainer bei Alkmaar, der jetzige Nationaltrainer Dick Advocaat, nicht einmal auf seiner Beobachtungsliste hatte, versteht Gouweleeuw nicht. „Ich habe bisher noch nichts gehört. Ich habe bei Alkmaar ein halbes Jahr unter Advocaat trainiert. Er weiß, wer ich bin, aber vielleicht finden sie Augsburg nicht gut genug. Für mich ist die Bundesliga auf jeden Fall besser als die holländische Eredivisie.“

Er macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Es gibt Spieler, die machen drei, vier Spiele bei Ajax und sind dabei. Aber wenn du jede Woche in der Bundesliga oder auch, wie andere Spieler, in der Premier League gegen Weltklassestürmer spielst, es gut machst und du bist nicht dabei, ist es komisch.“

Er hofft, dass er nach der bevorstehenden Ablösung von Advocaat eine Chance bekommt. Am Samstag (15.30 Uhr) kann er in Hoffenheim sein nächstes Bewerbungsschreiben abschicken. Dann spielt er gegen Sandro Wagner.

Und FCA-Trainer Manuel Baum hat für den wohl neuen niederländischen Nationaltrainer einen Tipp: „Ich würde Jeffrey einladen.“

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Ein Artikel von
Robert Götz

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

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