Dienstag, 17. Oktober 2017

08. August 2017 06:34 Uhr

FC Augsburg

Rücktritt von U23-Trainer Wörns wirft Fragen auf

Völlig unerwartet ist der U23-Trainer des FC Augsburg zurückgetreten. Der Weggang von Christian Wörns überrascht viele. Was steckt dahinter?

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Wollte nicht mehr Trainer des FC Augsburg II sein: Christian Wörns hat am Sonntag seinen Rücktritt erklärt. Zu den Hintergründen will er sich nicht äußern.
Foto: Klaus-Rainer Krieger

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Per SMS teilt Christian Wörns mit, dass er sich nicht äußern wolle. Somit bleiben fürs Erste die Hintergründe verborgen, warum der ehemalige Nationalspieler am Sonntag als Trainer des Fußball-Regionalligisten FC Augsburg II hingeworfen hat. Wörns sei aus „persönlichen Gründen“ zurückgetreten, erklärte der FCA in einer Pressemitteilung. Eine Formulierung, die gerne verwendet wird und alles bedeuten kann.

Erst Mitte April hatte der 45-Jährige seinen Vertrag in Augsburg verlängert (mehr dazu lesen Sie hier). Nach nur vier Spieltagen, drei Niederlagen und einer durchwachsenen Vorbereitung hatte er genug.

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Der Rücktritt überraschte viele beim FC Augsburg

Der Rücktritt überraschte die FCA-Verantwortlichen, Manager Stefan Reuter ebenso wie Alexander Frankenberger, den Cheftrainer des Nachwuchsleistungszentrums, kurz NLZ. „Wir haben nicht damit gerechnet“, sagt der 30-Jährige. Vorübergehend wird er die Mannschaft übernehmen, Co-Trainer bleibt André Niebler, bereits am heutigen Dienstagabend betreut Frankenberger die FCA-Mannschaft im Gastspiel bei Greuther Fürth (19 Uhr).

Sein Vorteil sei, meint Frankenberger, dass er die Spieler sehr gut kenne. Derzeit macht er an der Sportschule Hennef in Nordrhein-Westfalen seinen Fußballlehrer, von Montag bis Mittwoch hat er dort Anwesenheitspflicht. Die Lizenz ist Bedingung, um ein NLZ leiten zu dürfen.

Der Deutsche Fußball-Bund setzt in Ausnahmefällen für kürzere Phasen die Anwesenheit aus. Zudem absolviert Frankenberger in Kürze im Rahmen seines Fußballlehrers ein dreiwöchiges, geplantes Praktikum bei den FCA-Profis. Dort stand Frankenberger während der vergangenen Rückrunde noch als Co-Trainer an der Seite Manuel Baums. Dauerhaft will er sich auf seine Aufgabe als Nachwuchscheftrainer konzentrieren.

Es gibt erste Bewerbungen für den Posten des U23-Trainers

Für den Trainerposten der U23 sind bereits erste Bewerbungen eingegangen. Frankenberger erklärt, man suche keine kurzfristige Lösung. „Der neue Trainer muss unsere Spielauffassung mittragen und sich rund um die Uhr mit Fußball beschäftigen wollen“, sagt der 30-Jährige. Frankenberger erklärt, in seiner Position befasse man sich fortwährend mit Trainern. „Bei Null fangen wir nicht an.“ Er räumt allerdings ein, dass in der Anfangsphase einer Saison nicht jeder Wunschkandidat zu haben sei.

Wörns hatte die U23-Mannschaft des FCA vor eineinhalb Jahren in einer schwierigen Zeit übernommen. Der Klub schwebte in akuter Abstiegsgefahr, über die Relegation blieb der Bundesliga-Unterbau des FCA viertklassig. In der darauffolgenden Spielzeit etablierte Wörns den FCA im vorderen Tabellendrittel und landete auf Platz drei. Großteils sein Verdienst. Mit seiner ruhigen, uneitlen Art erreichte er die Spieler, sie respektierten ihn zudem wegen seiner Profikarriere. Blickten zu ihm auf. Wörns spielte für Bayer Leverkusen, Paris St. Germain und Borussia Dortmund. Er gewann die deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal und bestritt 66 Länderspiele für Deutschland. Wörns hat geschafft, wovon etliche seiner Spieler träumen. „Ich freue mich für die Jungs, wenn sie es schaffen“, sagte Wörns einmal.

Wörns musste vor der Saison einen Umbruch bewältigen

Vor der Saison musste der 45-Jährige, dessen Sohn David weiterhin in der U17 des FCA spielt, einen gewaltigen Umbruch verwalten. Für einen U23-Trainer eines Bundesligisten nichts Ungewöhnliches. Wer den Sprung zu den Profis nicht innerhalb von zwei, drei Jahren schafft, muss den Verein aus Altersgründen verlassen.

Erschwerend kam für Wörns hinzu, dass der FCA über einen aufgeblähten Bundesligakader verfügt. Zuletzt schickte Trainer Baum deshalb die Profis Marvin Friedrich, Shawn Parker, Julian Günther-Schmidt und Tim Rieder zur U23. Wörns’ Handlungsrahmen war dadurch eingeschränkt. Ebenso soll das Verhältnis zwischen Baum und ihm nicht das Beste gewesen sein. Ob sich der Ex-Profi deshalb bevormundet fühlte? Glaubte er, unter diesen Umständen sportliche Ziele nicht erreichen zu können? Fragen, die man Wörns gerne gestellt hätte.

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Ein Artikel von
Johannes Graf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

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