Mittwoch, 24. August 2016

28. August 2015 07:06 Uhr

Höchstädt

Versuchte Vergewaltigung: Asylbewerber muss ins Gefängnis

Ein 22-Jähriger hat versucht, eine andere Bewohnerin des Asylbewerberheims in Höchstädt (Kreis Dillingen) zu vergewaltigen. Hilfe kam in letzer Sekunde von anderen Asylbewerbern.

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Hier sieht man das Asylbewerberheim in Höchstädt. Ein 22-Jähriger muss nun ins Gefängnis, weil er versucht hat eine andere Bewohnerin zu vergewaltigen.
Foto: Simone Bronnhuber

Ein Mann sitzt mit nacktem Oberkörper auf der Couch, bewacht von zwei weiteren Männern. Eine Frau, die mit im Raum ist, schreit vor Schmerzen. Als die alarmierten Polizeibeamten vergangenen Februar kurz vor ein Uhr in der Nacht im Zimmer des Asylbewerberheims in Höchstädt eintreffen, ist die Situation zunächst unklar.

Der junge Mann auf der Couch ist merklich alkoholisiert und aggressiv. Immer wieder hat er Wutausbrüche. Er schlägt mit der Faust gegen Einrichtungsgegenstände und seinen Kopf gegen die Wand. Bis die Situation geklärt ist, fesseln ihn die Beamten und setzen ihn auf den Boden. Erst als er von den Polizisten eine Zigarette bekommt, beruhigt er sich.

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Später wird klar: Der Mann hat versucht, die Frau zu vergewaltigen. Die beiden anderen Männer konnten dies gerade noch verhindern.

Angeklagter drang ins Zimmer der Asylbewerberin ein

Der Mann von der Couch ist ein 22-jähriger Eritreer, der in dem Höchstädter Asylbewerberheim wohnt. Er musste sich nun vor dem Augsburger Schöffengericht für seine Tat verantworten. „Versuchte Vergewaltigung mit Hausfriedensbruch“ lautete die Anklage.

Ihr zufolge soll der Mann an der Tür der Geschädigten, die im selben Heim wohnt, geklopft haben. Als die kleine schlanke Frau aus dem Irak die Tür einen Spalt weit öffnete und den ihr nur flüchtig Bekannten nicht eintreten lassen wollte, stieß er die Tür gewaltsam auf.

Die Frau lief zum Fenster, öffnete es und rief nach Hilfe. Doch der Eritreer packte sie mit beiden Händen. Nachdem sein Versuch scheiterte, der 30-jährigen den Pullover herunterzureißen, schmiss er sie auf den Boden, entkleidete seinen Oberkörper und zog ihr die Schlafanzughose bis zu den Knien herunter. Währenddessen wehrte sich die Geschädigte vehement. Körperlich hatte sie gegen den 1,80 Meter großen Mann keine Chance.

Hilfe kam durch das offene Fenster

Doch ihre Schreie wurden gehört. Zwei weitere Asylbewerber, die im gegenüberliegenden Zimmer wohnen, reagierten noch rechtzeitig. Nachdem sie es nicht schafften, die verschlossene Tür aufzubrechen, liefen sie um das Gebäude herum, stiegen durch das geöffnete Fenster ein und zogen den Mann von der 30-Jährigen.

Der Angeklagte, der mit tief gesenktem Kopf im Gerichtssaal sitzt, lässt von seinem Anwalt eine Stellungnahme abgeben. Der junge Mann gesteht alles. Insgesamt drei Dolmetscher sind anwesend – Arabisch, Kurdisch und Farsi werden benötigt. Dem Vorschlag des Rechtsanwalts, das Zeugenprogramm abzukürzen, kommt die vorsitzende Richterin teilweise nach. Auf die Aussage der beiden Zeugen, die Farsi sprechen, verzichtet sie.

Wie es der Kurdisch sprechenden Geschädigten geht, will sie aber wissen. Als diese den Gerichtssaal betritt, schaut der Angeklagte sie nicht an. Ihr Dolmetscher übersetzt, dass sie bis heute unter Angstzuständen leidet. Vor allem der Anblick des Angeklagten erschrecke sie. Es kommt zudem heraus, dass die Irakerin noch Jungfrau ist. Obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen, richtet sich der Angeklagte dann direkt an die Geschädigte und bittet sie um Entschuldigung.

Angeklagter sei überfordert und unterbeschäftigt

Er bereue seine Tat und könne sich nicht erklären, wie es dazu kommen konnte. „Ich war besoffen“, übersetzt sein Dolmetscher. Einen Liter Wodka habe er an diesem Tag getrunken.

Wie sein Rechtsanwalt erklärt, leide der 22-Jährige unter seiner Vergangenheit und der momentan aussichtslosen Lage. „Seit einem Jahr sitzt er herum und macht sich Gedanken – über das Nichts“, sagt der Rechtsanwalt. Deshalb habe er angefangen, ab und zu zu trinken.

Der anwesende Augsburger Psychologe, Richard Gruber, sagt in seinem Gutachten, dass der Alkoholmissbrauch der Situation und keiner Sucht geschuldet sei. Der 22-Jährige, der keine Familienangehörige in Deutschland hat, sei überfordert und unterbeschäftigt.

Die 30-Jährige nimmt die Entschuldigung an. „Aber ich bin nicht mit ihm befreundet. Wie kann er sich erlauben, in mein Zimmer zu kommen und mich, ohne ein Wort zu sagen, anfallen?“, sagt sie. An die Richterin gewandt fordert sie, dass der Angeklagte nicht mehr im gleichen Asylbewerberheim untergebracht werden sollte, wie sie. Sonst würde sie gehen. Sie sei fest davon überzeugt, dass der Angeklagte wieder versuchen würde, sie zu vergewaltigen.

Für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis

Die Angst der Geschädigten und die Tatsache, dass die Frau noch Jungfrau war, war für die vorsitzende Richterin ein wichtiger Punkt in der Strafzumessung. Zugunsten des Angeklagten wertete sie das Geständnis und die Entschuldigung. Für ein Jahr und acht Monate muss der 22-Jährige nun ins Gefängnis.

Eine Bewährungsstrafe kam in den Augen der Richterin nicht in Frage. „Eine Bewährungsstrafe für derartige Übergriffe wäre nicht nachvollziehbar.“ Mit ihrer Entscheidung blieb sie aber unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten zweieinhalb Jahren.

Wie es mit dem jungen Mann, dessen Asylverfahren noch läuft, weitergeht, ist nicht klar. Laut dem Juristen am Landratsamt Dillingen, Andreas Fuldenauer, muss das Ausländeramt zuerst die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge abwarten.

Wird das Asylverfahren positiv entschieden, komme es auf die familiären und persönlichen Umstände des Angeklagten sowie auf die Schwere der Straftat an. Ob der 22-Jährige nach seiner Haftstrafe in Deutschland bleiben kann, könne jetzt nicht entschieden werden.

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Ein Artikel von
Julia Sewerin

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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