Dienstag, 21. November 2017

05. November 2015 14:11 Uhr

Beruf

Der Anflug ist das Gefährlichste: Welche Erfahrungen ein Aichacher auf Bohrinseln macht

Thomas Demharter, 24, ist Industriemechaniker. Einen Teil seiner Arbeitszeit verbringt der Aichacher in Norwegen, Japan oder Brasilien. Dort schläft und arbeitet er auf Bohrinseln. Von Nina Probst

i

Der Hubschrauber stürzt immer weiter ab, bis er auf die Wasseroberfläche aufprallt. Es dauert nicht lange, und der Heli geht unter. Die Insassen versuchen, sich zu retten und tatsächlich schaffen es alle, wohlbehalten wieder an die Oberfläche zu gelangen.

Natürlich. Denn der Hubschrauber ist nur eine Attrappe. Und das Wasser ist nicht etwa der Pazifische Ozean, sondern ein großer Pool. Diese Sicherheitsübung müssen alle absolvieren, die auf einer Bohrinsel arbeiten. Auch Thomas Demharter. Denn der 24-Jährige aus Aichach arbeitet als Bohrinselmechaniker.

ANZEIGE

Nach seinem Abschluss an der Hollenbacher Hauptschule machte Thomas eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Firma Renk im Augsburger Stadtteil Göggingen. Zur Hälfte arbeitet der 24-Jährige nun dort, die andere Hälfte verbringt er bei Auslandseinsätzen. Zu denen gehört immer wieder das Arbeiten auf einer Bohrinsel. Thomas sagt: „Man kann sich aussuchen, ob man das macht. Und ich wollte das.“

Mal bleibt er einen Tag, mal drei Wochen

Rund zehn Mal im Jahr werkelt der Industriemechaniker auf einer der Inseln, die sich 200 bis 400 Kilometer von der Küste entfernt im Meer befinden. Je nach Aufgabe variiert dabei die Zeit, die Thomas auf einer Bohrinsel verbringt. „Es kann ein Tag sein oder auch mal drei Wochen“, erzählt der 24-Jährige. Wenn es nur um eine Kontrolle geht, ist die Arbeit schnell erledigt. Muss aber die ganze Maschine auseinandergenommen und gereinigt werden, kann sich der Aufenthalt auch länger hinziehen.

Thomas schläft dann auf der Arbeitsfläche auf dem Meer. Auf Bohrinseln gibt es Kabinen für die Arbeiter. In Brasilien zum Beispiel teilte sich der Aichacher mit drei anderen eine Kabine, in Norwegen hatte er ein Abteil für sich allein. Thomas sagt: „Man arbeitet sowieso zwölf Stunden, in die Kabine geht man nur zum Schlafen rein.“

Dass Thomas und seine Kollegen nicht jede Nacht zurück aufs Festland gebracht werden, hat vor allem Sicherheitsgründe. Der 24-jährige Aichacher erklärt: „Der Hubschrauberflug ist der gefährlichste Teil an dieser Arbeit.“ Deshalb wird der auch im Vorfeld im Rahmen einer fünftägigen Schulung geprobt.

Insgesamt steht die Sicherheit auf einer Bohrinsel an erster Stelle. Das gibt Thomas ein gutes Gefühl: „Wenn jemand Bedenken hat, wird die Arbeit gestoppt. Egal wer, auch wenn es die Putzfrau ist.“ Auf der Insel müssen alle Arbeiter von Kopf bis Fuß Sicherheitsausrüstung tragen. Auch eine Atemmaske müssen sie stets bei sich haben. Wenn es im Winter aber bitterkalt ist, weil auf vielen Bohrinseln der Wind durchpustet, hilft die ganze Ausrüstung nicht.

Thomas' Favorit ist Japan

Deshalb muss Thomas körperlich in guter Verfassung sein, um dort arbeiten zu dürfen. Er sagt: „Einmal im Jahr müssen wir uns von einem Doktor untersuchen lassen.“ Der 24-Jährige muss dafür nicht speziell trainieren, eine gute allgemeine Gesundheit reicht aus. Richtig viel Zeit, um ein aufwendiges Hobby zu betreiben, bleibt dem 24-Jährigen sowieso nicht. „Früher war ich Gruppenleiter bei den Pfadfindern“, erzählt Thomas. Doch aus zeitlichen Gründen hat er das aufgegeben. Denn immer wieder muss er ins Ausland: in verschiedene Teile Europas, nach Asien oder Amerika. Oft auch sehr kurzfristig.

Doch genau das ist es, was dem 24-Jährigen an seiner Arbeit gefällt: „Ich mag es, immer mal wieder weg zu sein, aber nicht zu lange.“ Auch wenn er meist nur einen Tag hat, um sich vor Ort ein wenig umzuschauen, hat Thomas einen Favoriten: In Japan hat es ihm bisher am besten gefallen – wegen der völlig anderen Kultur. Außerdem hat der Aichacher ein Hobby kurzerhand mit der Arbeit verknüpft: „Meine liebste Freizeitbeschäftigung auf der Bohrinsel ist das Angeln.“

Thomas ist meist der Einzige von seiner Firma auf einer Bohrinsel, begleitet wird er von Arbeitern aus anderen Firmen oder vom Personal der Bohrinsel selbst. Für ihn ist sein Leben nichts Besonderes mehr. Seine Eltern empfinden das anders. Thomas erzählt: „Sie machen sich schon Sorgen. Ich würde mir wünschen, dass es auch für sie mittlerweile normal ist.“

Für seine Freundin waren seine spontanen Auslandseinsätze manchmal ebenfalls nicht ganz einfach. „Man kann eben kaum langfristig etwas planen“, sagt der 24-Jährige. Mittlerweile wohnen Thomas und seine Freundin zusammen im Inchenhofener Ortsteil Unterbachern und haben sich an Thomas’ Arbeit gewöhnt.

i

Ihr Wetter in Aichach
21.11.1721.11.1722.11.1723.11.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter2 C | 8 C
-2 C | 12 C
3 C | 12 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Top-Angebote


Bauen + Wohnen

Beilage: Ferien Journal


Alle Infos zum Messenger-Dienst
Partnersuche