Sonntag, 23. Juli 2017

27. November 2011 15:12 Uhr

Premiere

Als Gott den Batzenhofener schuf

Herr und Frau Braun begeistern ihr Publikum mit ihrem neuen Kabarett-Programm „Basst scho!“ im Stadtwerkesaal. Von Stefanie Schoene

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Herr und Frau Braun (Roland Krabbe und Gabriella Koch) wagten sich auch an heikle Themen wie die Situation in Augsburger Pflegeheimen.
Foto: Annette Zoepf

„Basst scho“ wird nachsichtig, geistesabwesend oder abfällig dahingenuschelt. In den letzten Monaten haben Herr und Frau Braun – Roland Krabbe und Gabriella Koch – ihr neues Programm recherchiert, geschrieben und sich in eine Kabarett-Klausur versenkt. Nach vier Testläufen in der Region wagte das Duo jetzt die Premiere von „Basst scho!“ in Augsburg. Dass die Vorpremieren im Umland der Nagelprobe mit dem Augsburger Publikum vorgeschaltet waren, ist umsichtig und schlüssig. Schließlich steht der Augsburger mit seinen Launen, Befindlichkeiten und mit seiner Sprache im Comedy-Fokus der Brauns. Und diese Konfrontation will gut vorbereitet sein.

Doch Grund zur Sorge bestand keine. Der Stadtwerkesaal war ausverkauft, als der Außerirdische F.R.A.N.Z. sein Raumschiff zwischen Lech und Wertach landete. Hier, so die Stimme seiner allwissenden heimatlichen Bodenstation H.E.L.G.A., gelte es, Kontakt mit der Bevölkerung aufzunehmen und ein Exemplar zur näheren Untersuchung aufzusammeln. Ob die denn sprechen könnten? Ja, weiß die Bodenstation im Off, „aber ungern und undeutlich.“ Zur Kontaktaufnahme mischt sich Krabbe im Raumanzug unters Publikum. Ein Wesen mit „Höckern vorne“ hat es ihm angetan, doch deren „Mo“ gibt sie nicht her. Der Außerirdische begibt sich weiter in die Maxstraße, wo Männer nachts breitbeinig an Hauswänden stehen. Die Bodenstation beruhigt: Der Strahl ist ungefährlich, er sieht nur aus wie ein Laser.

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Seit acht Wochen gibt es passierte Ravioli

Das Programm greift nicht nur launig das Stadtgeschehen und das Granteln der Augsburger auf. Mit einer Mischung aus schwarzem Humor und sozialkritischem Impetus wagen sich Krabbe und Koch auch an komplexere Themen. So begeben sie sich ins Pflegeheim. Die Küche im Lechhauser Knecht-Ruprecht-Haus ist schlecht, schon seit acht Wochen gibt es passierte Ravioli. Realitätsnahe Dialoge zeigen gutes Kabarett, das dem Publikum auch das Lachen aus dem Gesicht wischt.

Die wandlungsfähige Gabriella Koch gibt nicht nur die Oma im Pflegeheim. In einem beeindruckenden Solosketch wird sie zur prolligen Batzenhofener Mutter, die unter Oberhauser Müttern am Rand eines Fußballfelds steht. Temporeich mimt sie die ehrgeizige Frau aus dem Prekariat, die ihren Sohn Ronaldo lautstark anfeuert. Er muss jetzt Tore schießen und später gegen Türkspor auch. „Mei Mo ist ja arbeitslos, aber wenn der Bua dann noch Rehling und Affing schafft, dann kommt richtig Geld nei bei uns – der Ronaldo soll es schließlich einmal besser haben wie mir.“

Immer wieder zieht es das Duo Braun in die Straßen Augsburgs. Baustellen, die sich wie ein Teppich über die Stadt legen und für zehn Jahre alles zum Erliegen bringen, inspirierten sie zu einem Augsburg-Tatort: Vier Mitarbeiter des Tiefbauamts werden ermordet. Die Kommissarin, ihr etwas tumber norddeutscher Assistent und ein Pathologe ermitteln. Es stellt sich heraus, dass der Geheimbund der Stau-Maurer, der Chaos auf die Straßen bringen will, das Tiefbauamt kontrolliert und alle beseitigt, die ihre Verschwörung öffentlich machen wollen. Krabbe überzeugt mit zugespitzten Übertreibungen und gelungenen Metamorphosen: vom miesepetrigen Beamten zum verschrobenen Pathologen bis zum wahnsinnigen Führer des Geheimbunds im turbulenten Happy End.

Ein Batzen Lehm blieb bei der Schöpfung übrig

Liebevoll, frech und immer in Mundart nehmen die Brauns Augsburger Paare und das unglückliche Singleleben zwischen Maxstraße und Fitnessstudio auf die Schippe. Bei der Schöpfungsgeschichte lüftet Krabbe ein Geheimnis: Als Gott alles erschuf, blieb ein Batzen Lehm übrig. Daraus formte er einen Menschen und nannte ihn „Batzenhofener“. Aus dessen Rippe schuf er den Augsburger. Sie hielten der Schlange stand, und Gott beschenkte sie reich: „Lasst andere Türme zu Babel bauen, ihr bekommt euren Bismarckturm. London hat das Kaufhaus Harrods, ihr aber bekommt Reschte Maier.“ Der Batzenhofener und sein Gefährte bedankten sich bei Gott. Doch der nuschelte bloß: „Basst scho!“

Weitere Termine am 3., 10. und 17. Dezember im Stadtwerkesaal, am 11. Dezember im Spectrum, am 26. Dezember im Barbarasaal.

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Augsburg | Wertach | Rehling | Affing | London

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