Montag, 25. September 2017

20. Februar 2013 00:37 Uhr

Projekt

Der Lech wird befreit

Nach der Wertach wird mit „Licca liber“ der Lech umgebaut. Umweltminister Marcel Huber zum Auftakt des Planungsprozesses in Augsburg Von Eva Maria Knab

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Die Zukunft für den Lech hat begonnen: Gestern startete Bayerns Umweltminister Marcel Huber den offenen Planungsprozess für den Umbau des Flusses. Er soll ähnlich wie an der Wertach erfolgen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Bayerns Umweltminister Marcel Huber brachte buchstäblich den Stein ins Rollen: Gestern startete er in Augsburg den offenen Planungsprozess für einen groß angelegten Umbau des Lechs im Stadtwald, indem er symbolisch einen Stein von einer Rampe rollte. Das Projekt läuft unter dem Titel „Licca liber“ (der freie Lech).

Nach der Wertach soll mit dem Lech auch der zweite große Augsburger Fluss wasserbaulich stabilisiert und naturnaher umgebaut werden. Dem Planungsstart des Freistaates waren Jahrzehnte lange Forderungen von Bürgern und Umweltverbänden vorausgegangen. Aber auch wegen der Situation am Fluss besteht Handlungsbedarf, so Ralph Neumeier, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth.

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Der Lech hat sich in den vergangenen 20 Jahren teilweise bis zu 70 Zentimeter tiefer in sein Bett eingegraben. Die Folgen seien beispielsweise instabilere Ufer, eine Gefährdung der Standsicherheit von Brücken und Staustufen sowie ein sinkender Grundwasserspiegel in der Flussaue mit negativen Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen.

Minister Huber betonte, dass die Bürger über die Zukunft des Lechs mitbestimmen sollen. Vorgesehen ist ein „Flussdialog“ wie er ähnlich an der Salzach stattgefunden hat. Der ergebnisoffene Dialog mit Bürgern, Verbänden, Kommunen und weiteren Beteiligten soll spätestens im Mai beginnen und bis Ende 2013 abgeschlossen werden. Bis detaillierte Planungen für das Großprojekt fertig sind und der Flussumbau beginnen kann, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Laut Huber sollen bei Licca liber verschiedene Ziele zusammengeführt werden, etwa die Stabilisierung und ökologische Aufwertung des Flusses, der Naturschutz, und die Naherholung für die Bevölkerung. Die schwierigste Diskussion wird aber auch aus Sicht des Umweltministers zwischen den widerstreitenden Interessen der Energiewirtschaft und der Umweltschützer zu führen sein. Wie berichtet, will der Stromerzeuger Eon am Lech im Naturschutzgebiet Stadtwald an der Schwelle Lindenau ein neues Kraftwerk bauen – genau in dem Gebiet, in dem der Lech naturnaher gestaltet werden soll.

Der Umweltminister legte sich in dieser Streitfrage auch gestern nicht fest. Einerseits hob er die herausragende Bedeutung des Lechs als eine der bayernweit bedeutendsten Biotop-Verbundachsen zwischen Alpen und Donau hervor. Andererseits verwies Huber auf die Interessen des Freistaates im Rahmen der Energiewende. Für den richtigen Mix der Energiearten spiele die Wasserkraft eine wichtige Rolle, so Huber. Die klare Botschaft bei Licca liber laute jedoch: „Mehr Wasserkraft nicht um jeden Preis.“ Auch Oberbürgermeister Kurt Gribl sieht den Umbau des Lechs in einem Spannungsfeld von Interessen. Er sagte, „die Diskussion um die Wasserkraftnutzung muss im Prozess einer Klärung zugeführt werden.“

Wie problematisch der ökologische Zustand des Lechs derzeit ist, brachte Umweltreferent Rainer Schaal auf den Punkt: „Der bayerische Lech darf keine Badewanne für ausgesetzte amerikanische Regenbogenforellen werden.“ Auch gefährdete heimische Fische wie Nase oder Huchen müssten eine Überlebenschance haben.

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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