Montag, 21. August 2017

14. August 2017 06:21 Uhr

Augsburg

Gesucht: Wohnraum für ausstiegswillige Prostituierte

Viele Frauen aus dem Rotlichtmilieu wollen ein normales Leben führen. Die Stadt kann sie unterstützen, etwa durch Wohnraum. Doch nicht jedes Projekt lässt sich leicht umsetzen.

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Die Idee kam auf, doch das Jakobsstift in der Altstadt ist als Wohnraum für ausstiegswillige Prostituierte nicht umsetzbar.
Foto: Silvio Wyszengrad

Es ist ein Thema, das Augsburgs Stadträte zuletzt aufgewühlt hat: Es ging um die Situation der Prostituierten, die im Stadtgebiet arbeiten. Die Hilfsorganisation Solwodi, die sich um junge Frauen aus dem Rotlichtmilieu kümmert, schilderte, unter welchen Zwängen diese Prostituierten, die großteils aus dem Ausland kommen, arbeiten müssen.

Solwodi will ausstiegswilligen Frauen helfen. An die Stadt ging der deshalb der Wunsch, Wohnungen zur Verfügung zu stellen, in denen die Frauen zum einen vor ihren Zuhältern geschützt sind und zum anderen auch von ausgebildeten Kräften sozialpädagogisch betreut werden.

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Die Wohnungssuche in Augsburg ist schwierig

Es ist ein Ansatz, der von Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD) auch überhaupt nicht infrage gestellt wird. „Wir wissen im Sozialreferat, dass sich ausstiegswillige Prostituierte – wie auch viele andere Personen – besonders schwer tun, eine Wohnung zu finden.“ In Augsburg sind nach Schätzungen der Polizei etwa 600 Prostituierte tätig, wobei es hier einen regen Wechsel gibt. Vor allem ausländische Frauen wechseln immer wieder die Stadt. Viele Frauen sprechen sehr schlecht Deutsch. Registriert sind in Augsburg 15 Bordelle, sechs Laufhäuser, drei FKK-Klubs sowie 90 Bordellwohnungen.

Referent Kiefer sieht hier aber nicht allein die Situation von Prostituierten: „Das Sozialreferat ist jedenfalls bemüht darum, allen Personenkreisen, die solche Schwierigkeiten haben, über die vorhandenen Instrumente bei der Wohnungsbeschaffung zu helfen.“ Dazu zählten unter anderem der Bau von geförderten Wohnungen, deren Belegung, der Ausbau unseres Obdachlosen- und Anschlusswohnsystems, die Wohnhilfeberatung und das Wohnbüro. Dieses Büro werde im Jakobsstift entstehen.

Die Kapazitäten müssen größer werden

Kiefer verweist darauf, dass für Notfälle – also Frauen, die unmittelbar aus der Prostitution aussteigen – die Einrichtungen zur Verfügung stünden, die sich speziell an Frauen richten. Dass hier Verbesserungen möglich und wünschenswert wären, sei unbestritten. Die Angebote müssten in der Kapazität ausgebaut werden, so Kiefer: „Daran arbeiten wir unter Hochdruck und dafür haben wir im Sozialausschuss Beschlüsse gefasst.“

Die Freien Wähler hatten zuletzt in einem Antrag gefordert, dass das Jakobsstift als Domizil für ausstiegswillige Prostituierte genutzt werden könnte. Diesen Überlegungen erteilt der Sozialreferent jedoch eine Absage: „Das Jakobsstift ist vermietet beziehungsweise im Südflügel per Ausschussbeschluss für eine inklusive Wohngruppe vorgesehen.“ Es sei dabei zu berücksichtigen, dass es sich um eine Stiftung handelt. Und es habe in der Vergangenheit bereits Prüfungen gegeben, was machbar ist, informiert der Sozialreferent: „Der Stiftungszweck war nach Prüfung durch die Regierung von Schwaben gerade nicht der besonderen exklusiven Öffnung für Frauen zugänglich.“

Zwei neue Stellen

Seit 1. Juli gilt bundesweit das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz. Es soll Prostituierte besser schützen sowie zugleich Bordellbetreiber und Zuhälter stärker kontrollieren. Was das für die praktische Arbeit in Augsburg bedeutet, hat die Stadt bereits erkennen müssen. Zusätzliche Stellen in der Verwaltung werden für die Aufgaben benötigt. Eine Stelle ist dem Gesundheitsamt zugeordnet, da hier zusätzliche medizinische Untersuchungen mit fachlicher Beratung angeordnet sind. Beim Bürgeramt werden zwei Stellen geschaffen, da regelmäßig Kontrollen der Bordelle notwendig sind. Zugleich müssen sich Prostituierte, so wünscht es das Gesetz, bei einer Stadt registrieren lassen.

Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) sagt, ein Hilfsangebot zum Ausstieg aus der Prostitution müsse eine ganze Reihe von Unterstützungsleistungen umfassen: „Ziel ist dann die Eingliederung in den Arbeitsmarkt.“ Zu sehen sei dabei allerdings auch, dass viele junge Frauen aus dem Ausland kaum Deutsch sprechen und selten eine Schulausbildung haben: „Somit ist es mit der Bereitstellung eines entsprechenden Wohnraumes allein wohl nicht getan.“

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Schlagworte

Augsburg | Stefan Kiefer | SPD | Polizei | FW

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